https://www.faz.net/-gzn-8yzy2

Interview mit „Charly“ Körbel : „Eine riesige Chance für die Eintracht“

  • -Aktualisiert am

Freund der Jugend: Karl-Heinz Körbel (links) gemeinsam mit Eintracht-Kapitän Alexander und Nachwuchsspielern auf der Bank vor dem Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg. Bild: dpa

Karl-Heinz Körbel spricht über die Kooperation des SC Hessen Dreieich mit der Frankfurter Eintracht, wieso die von seiner Nachwuchsarbeit profitieren könnte und den Wert der Jugendarbeit an sich.

          3 Min.

          Die Frankfurter Eintracht kooperiert in Zukunft mit dem SC Hessen Dreieich, bei dem Sie Vizepräsident sind. Die Eintracht-Talente sollen jetzt nach dem Durchlaufen der Frankfurter Nachwuchsmannschaften in der Hessenliga-Mannschaft in Dreieich leichter den Sprung vom Jugend- in den Erwachsenenfußball schaffen. Für Dreieich ist das ein Glücksfall, oder?

          Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic ist hellauf begeistert von den Bedingungen im Sportpark Dreieich. Hier bekommt er die Besten in der Umgebung von Frankfurt. Und unsere beiden Trainer, Rudi Bommer und Ralf Weber, sind echte Eintrachtler, sie arbeiten auch in deren Sinne. Es ist auch eine riesige Chance für Eintracht Frankfurt. Die in zwei, drei Jahren geplante deutsch-chinesische Fußballakademie kann am Standort Dreieich errichtet werden.

          Dreieich bietet der Eintracht demnach etwas, was sie so nicht mehr hat. Hätten Sie 2014 in Frankfurt die U23 abgeschafft?

          Ich bin ein Verfechter davon, jungen Spielern eine Plattform zu geben. Für U-19-Spieler aus der Junioren-Bundesliga ist es unheimlich schwierig, sofort den Sprung zu den Profis zu schaffen. Er ist kaum zu bewältigen. Deshalb braucht ein Verein eine sportliche Zwischenstation. Sicherlich hat man bei der Eintracht damals mehr ans Geld gedacht, mit der Abschaffung der U23 wurden 800 000 Euro gespart. Andere Bundesliga-Vereine haben es genauso gemacht. Aber heute ist der Trend wieder gegenläufig. Die Klubs sind auf U-21-Spieler angewiesen: Sie produzieren die Nationalmannschaft.

          Also war es ein Fehler, sich am Riederwald von der U 23 zu verabschieden.

          Dinge werden überdacht. Wenn ich mir heute die Junior Champions League anschaue, ein Spiel zwischen Dortmund und Barcelona, das ist ja der Wahnsinn, wie groß da der Unterschied der Talente bei der Ausbildung ist. Für diese 19 bis 21 Jahre alten Spieler werden auf dem Transfermarkt Unsummen ausgegeben. Daran muss sich auch die Eintracht orientieren. Es muss ihr Ziel sein, irgendwann einen jungen Spieler für viel Geld zu verkaufen.

          Kommen jetzt schon die ersten Eintracht-Talente nach Dreieich?

          Die aktuell in Frage kommenden Spieler sind alle schon weg. Aber wir haben zum Beispiel mit Niko Opper und Julian Dudda ein paar ehemalige Eintracht-Spieler, die bei uns den zweiten Weg gehen. Aber wovor ich auch warnen muss: Nicht jeder Eintracht-A-Jugendspieler kann schon in der Hessenliga spielen, so einfach geht das nicht. Und unser Ziel ist es ja, in den kommenden zwei, drei Jahren in die Regionalliga aufzusteigen. Das ist dann eine noch bessere Plattform für junge Spieler. Unser Projekt sieht außerdem vor, dass wir auch Talente von anderen Hessenliga- und Regionalliga-Vereinen für uns gewinnen. Diese Spieler stehen dann im Fokus der Eintracht und können uns als Sprungbrett in die Bundesliga nutzen. Oder wenn Eintracht-Chefscout Ben Manga einen interessanten jungen Spieler im Ausland entdeckt, könnte dieser zuerst nach Dreieich kommen – und die Eintracht hätte die Hand drauf.

          Wird die Eintracht Hessen Dreieich finanziell unterstützen?

          Wenn die Eintracht aus dem Trainingslager in den Vereinigten Staaten zurückkommt, werden wir uns zusammensetzen und die Dinge im Detail besprechen. Wenn wir Spieler bekämen, die wir als Hessen Dreieich nicht bezahlen könnten, wäre es mein Wunsch, dass sich die Eintracht dann am Gehalt beteiligt. Wir können keinem Spieler 100000 Euro pro Saison geben.

          Wie groß ist denn Ihr Etat?

          Wir befinden uns im mittleren Bereich der Hessenliga. Andere Vereine wie Watzenborn und Fulda haben ein wesentlich höheres Budget. Trotzdem haben wir in Dreieich so einen Erfolg, für mich leisten Rudi und Ralf Unglaubliches. Fredi Bobic hat erkannt, dass sich bei uns aus einer normalen Mannschaft ein Spitzenteam entwickelt hat. Wir können der Eintracht sehr gut zuarbeiten. Und Niko Kovac findet diese Idee klasse. Es ist entscheidend, wie der Cheftrainer damit umgeht.

          Macht Dreieich dem Eintracht-Nachwuchsleitungszentrum am Riederwald Konkurrenz?

          Nein, überhaupt nicht. Am Riederwald wird Jugendarbeit gemacht. Bei uns geht es um die U 21, darum, dieses Loch aufzufüllen. Und darum, mit der deutsch-chinesischen Fußballakademie international konkurrenzfähig zu sein.

          Will Dreieich irgendwann in den Profifußball?

          Als Hessenliga-Meister haben wir ja auf den Aufstieg in die Regionalliga verzichtet, weil bei uns die Strukturen noch nicht da sind. Mit der Eintracht zusammen können wir sie uns jetzt erarbeiten. Wir brauchen bei uns das Flaggschiff erste Mannschaft. Es ist wichtig, eine gute Rolle zu spielen. Durch die Kooperation mit der Eintracht werden unsere Gegner noch motivierter sein.

          Weitere Themen

          Bryants Witwe rührt zu Tränen Video-Seite öffnen

          Abschied von Ex-NBA-Star : Bryants Witwe rührt zu Tränen

          „Ich werde niemals sehen, wie mein kleines Mädchen den Weg zum Traualtar beschreitet.“ Das sagte die Witwe des ehemaligen NBA-Stars Kobe Bryant in ihrer Trauerrede über ihre 13-jährige Tochter. Diese war zusammen mit ihrem Vater und sieben anderen Menschen Ende Januar bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz : Ein sehr siegessicherer Kandidat

          Friedrich Merz will die Union wieder stärker zur Heimat für Konservative machen. Er hält seine Chancen auf den CDU-Vorsitz für „sehr viel besser“ als 2018. Für sein knappes Scheitern damals hat er eine einfache Erklärung.

          Champions League : Coutinho ist das große Rätsel des FC Bayern

          Im Sommer erschien der Transfer von Philippe Coutinho als großer Coup. Doch der Brasilianer enttäuscht bislang in München. Woran liegt das? Trainer Hansi Flick hat vor dem Duell mit Chelsea eine Erklärung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.