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Konkurrenzkampf bei der Eintracht : „Mit Reden hat es noch keiner geschafft“

Als Autogrammschreiber gefragt, doch bisher in Frankfurt nur Bankdrücker. „Iron Maik” Franz Bild: ddp

Im großen Kader der Eintracht ist das Gedränge um die Plätze für die Startelf im Spiel gegen den „Club“ groß. Noch muckt keiner aus der zweiten Reihe lautstark auf.

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          Immer mit der Ruhe! Maik Franz, der in der Vergangenheit als Kapitän des Karlsruher Sportclubs keiner Auseinandersetzung in der Fußball-Bundesliga aus dem Weg ging und dabei des Öfteren lautstark mit seinen Gegenspielern aneinander geriet, ist in diesen Tagen die Gelassenheit in Person. Sicher, sagt der vor einer Woche 28 Jahre alt gewordene Verteidiger, der seit diesem Sommer bei der Eintracht unter Vertrag steht, so richtig glücklich sei er mit seiner momentanen Situation als Ergänzungsspieler „natürlich nicht“. Aber deswegen die Klappe aufreißen und die Unzufriedenheit hinausposaunen wie manch anderer Liga-Kollege, für den es am Ende der Vorbereitung auf die neue Saison mit einem Platz in der Stammformation nichts wurde? Nicht mit dem gebürtigen Merseburger. „Mit Reden allein hat es noch keiner in die Anfangself hinein geschafft“, sagte er am Dienstag.

          Eine realistische Äußerung und Einschätzung der Lage, die seinem Trainer, der zuletzt auf der Position des Innenverteidigers den genesenen Aleksandar Vasoski bevorzugte, die Arbeit erleichtert. Denn wenn Michael Skibbe eines nicht gebrauchen kann in seinem dreißig Mann starken Kader, dann sind es Miesepeter, die aus ihrem Frust über die Nichtberücksichtigung keinen Hehl machen und ihre Verdrossenheit vor dem Heimdebüt am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg weithin vernehmbar zur Schau stellen.

          „Beleidigte Leberwurst spielen bringt nichts“

          So offen wie Franz gehen derweil aber nicht alle Spieler, die in der Vergangenheit unter Friedhelm Funkel noch zu den Stammkräften zählten, neuerdings aber wie an diesem Mittwoch bei der U23 in der Regionalliga aushelfen müssen, mit ihrer Lage um. Mehdi Mahdavika, Faton Toski oder Ümit Korkmaz erledigten am Mittag noch den Autogramm-Slalomlauf durch die vielen hundert Fans und verschwanden dann, ohne ein Wort in die Kameras oder Mikrofone zu verlieren, in der Umkleide. „Es bringt jetzt nichts, die beleidigte Leberwurst zu spielen“, meinte stattdessen der auskunftsfreudigere Franz, dessen Dienste sich die Eintracht im Frühsommer für vier Jahre sicherte und dafür an den KSC eine Ablösesumme von 750.000 Euro überwies.

          „Völlig selbstverständlich“, findet Skibbe, seien all jene, die er beim geglückten 3:2-Auftaktsieg in Bremen nicht von Beginn an aufgeboten beziehungsweise im Laufe der Partie eingetauscht habe, „angefressen. Wir sind ja alle nicht vor die Wand geknallt und wissen, dass Fußballspieler kicken möchten, und wenn sie nicht die Chance dazu bekommen, ruft selbstverständlich keiner von ihnen hurra“, sagte er salopp. Um Anflüge von Frust und Missvergnügen schon im Ansatz zu ersticken, habe er mit allen Betroffenen nach der Rückkehr aus dem Norden am Wochenende Gespräche geführt und die Beweggründe für seine Entscheidungen offengelegt. Gerade die Reaktion von Franz habe ihm dabei imponiert: „Er hat mir gesagt: ,Trainer, ich bin zwar nicht zufrieden, aber wenn Sie mich brauchen, bin ich zu hundert Prozent da'“, schilderte Skibbe, der glaubt, dass sich an der relativen Ruhe der Enttäuschten so lange nichts ändert, wie die Mannschaft erfolgreich spielt, „denn dann haben sie keine guten Argumente“.

          Keine Rücksichtnahme auf „Einzelschicksale“

          Auch Franz, anfangs auch vom Coach als möglicher Anwärter auf die Position des Mannschaftskapitäns ins Gespräch gebracht, findet, dass der „Konkurrenzkampf grundsätzlich ja doch überragend ist, weil dadurch das Gedränge auch im Training groß ist und sich jeder voll reinhängen muss, und das zahlt sich dann im Endeffekt insgesamt für die Mannschaft aus“. Dass der Trainer auf sein „Einzelschicksal“, wie er es nannte, keine Rücksicht nehmen könne, könne er nachvollziehen. Aufgrund seiner langwierigen Schulterblessur, die ihn in der zurückliegenden Spielzeit für fünf Monate ausbremste, habe er während der Trainingslager tatsächlich gespürt, dass die intensiven Übungseinheiten „an die Substanz gingen“ und er körperlich nicht auf der Höhe seiner Schaffenskraft war. Zu allem Überfluss handelte er sich kurz vor dem Pokalspiel in Offenbach eine kleine Muskelverletzung am linken Fuß ein - und prompt machte Ersatzmann Vasoski seine Sache sowohl beim Test gegen Kaiserslautern als auch gegen den OFC und zuletzt gegen Werder ordentlich.

          „Aber warum sollte ich deswegen jetzt den Kopf hängen lassen“, fragte Franz rhetorisch, schließlich ist die Konstellation für ihn nach acht Jahren in der Bundesligabranche keine so ganz neue: „Es gibt nur eines: Im Training mit Vollgas reingehen, auf die eigene Chance lauern und wenn sie kommt, zuschlagen“, umriss er seinen persönlichen Fahrplan für die nächsten Tage und Wochen, schließlich sei er nicht nach Frankfurt gekommen, um als Bank-Angestellter sein Geld zu verdienen. Und was nach dem Trubel, der in den Ferientagen rund um die WM-Arena herrscht, noch in aller Besonnenheit angefügt werden musste: „Daran hat sich nicht im Geringsten etwas geändert.“

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