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Jovic kommt, Abraham geht : Knistern und Wehmut bei der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Der Kapitän geht von Bord: David Abraham beendet seine Karriere. Bild: EPA

Der eine kommt, der andere geht: Luka Jovic steht gegen Schalke erstmals wieder im Kader – und Kapitän David Abraham zum letzten Mal.

          3 Min.

          Fußball ist ja ohnehin ein emotionales Geschäft. Aber so viele Gefühle wie vor der Bundesliga-Begegnung an diesem Sonntag mit FC Schalke 04 spielen bei der Frankfurter Eintracht selten mit. Da ist natürlich die Rückkehr des verlorenen Sohnes Luka Jovic, der nach vielen Irrungen und Wirrungen in Madrid freudestrahlend in die Stadt zurückgekehrt ist, die ihm eine zweite Heimat wurde. Der 23 Jahre alte Serbe brennt auf seinen ersten Einsatz, und Trainer Adi Hütter kündigte am Freitag an, dass Jovic dem Kader gegen die Königsblauen angehören werde.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Auseinandersetzung mit Schalke ist aber auch das Abschiedsspiel von David Abraham. Der argentinische Mannschaftskapitän kehrt nach fünfeinhalb Jahren in seine erste Heimat zurück. Mehr als nur ein Hauch von Wehmut umgeben seine letzten Stunden in Frankfurt. Und da ist Mittelfeldspieler Djibril Sow, der in den Morgenstunden des Freitags erstmals Vater (einer Tochter) geworden ist.

          So viele unterschiedliche Empfindungen – sie können zu einem Rausch führen oder zu einem bösen Erwachen, weil im Überschwang der Gefühle die Konzentration auf das Wesentliche nicht möglich war. „Von der Tabellenkonstellation sind wir Favorit“, gibt Trainer Adi Hütter zu. Das heiße aber in der Bundesliga nicht viel, „jedes Spiel ist brandgefährlich“. Ein nüchterner Zusatz – und dennoch, selbst der so bedachte Österreicher wirkte 50 Stunden vor dem Spiel gegen den Vorletzten der Tabelle ein bisschen aufgedreht. Was vor allem mit Jovic zusammenhängt. Die Wiederkehr des Torjägers hat ein erwartungsvolles Knistern ausgelöst. „Es ist ein klares Signal“, so formuliert es Hütter. Ein Signal, dass der Verein nach Europa will.

          Die Erinnerungen an die Europa- League-Kampagne 2018/19 sind noch frisch, die erst im Halbfinale gegen Chelsea endete und in deren Verlauf Jovic zehn Tore gelangen. Der Mittelstürmer trainierte am Freitagvormittag das erste Mal mit den Kollegen. „Es war sehr schön zu sehen, wie wohl er sich fühlt“, sagte Hütter. Schon in den Vorgesprächen war der Trainer davon angetan, wie „er vor Elan gesprüht hat, wie sehr er gewollt hat, zur Eintracht zu kommen. Er will bei uns allen zeigen, was er kann.“

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          Bei Real Madrid konnte er es kaum, und wenn er die Gelegenheit dazu erhielt, dann gelang es ihm nicht, seinen neuen Arbeitgeber und die Kollegen von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Nur zwei Treffer in 32 Spielen – fast alles Kurzeinsätze – sind eine unzureichende Bilanz für einen Stürmer. Hütter nahm ihn in Schutz: „Junge Spieler haben es schwer in Madrid. Wer es nicht schnell schafft, fasst wegen des Trainingsrhythmus schwer Fuß. Die anderen spielen alle drei Tage, und die Ersatzspieler schauen zu und können sich auch im Training nicht richtig anbieten, weil die Belastung unterschiedlich gesteuert wird bei den Spielern.“

          Hütter wurde am Freitag gefragt, ob Jovic bei Real etwas gelernt habe, das er von ihm noch nicht kenne. Seine Antwort: „Um das zu beurteilen, ist es nach einem Training zu früh. Ich habe aber gesehen, dass er von dem, was er konnte, nichts verlernt hat.“ Mit der Einschränkung, dass dem Serben fehlende Matchpraxis in der ersten Übungsstunde anzumerken gewesen sei. „In manchen Situationen vor dem Tor hat er sich nicht so bewegt, wie er es in Topverfassung getan hat.“ Aber, so der Österreicher: „Ich werde ihm helfen, möglichst schnell wieder dahin zu kommen, wo er einmal war.“ Die Vorfreude klang bei seinen Worten durch.

          Ob er Jovic als Ersatzmann von Silva sehe oder als Partner des Portugiesen? „Da lege ich mich nicht fest, wir haben schon jetzt viele Möglichkeiten in der Offensive, mit ihm werden wir noch flexibler.“ Jovics Spielstil passe sehr gut zu dem neuen Kombinationsfußball der Eintracht. „Er kann mit Ballbesitzfußball etwas anfangen.“ Hütter spürt schon jetzt einen Auftrieb durch Jovic in der Mannschaft: „Gerade auch bei Filip Kostic, mit dem er sehr eng ist.“

          Jovic mag schon in der näheren Zukunft eine ganz wichtige Personalie sein, gegen Schalke wird er allenfalls ein paar Minuten mitwirken, um Form aufzubauen oder im Notfall als Joker zu wirken. In der Gegenwart ist Amin Younes für die Eintracht von entscheidender Bedeutung. Der offensive Mittelfeldspieler überragte in den letzten Partien und war auch im Pokalspiel am vergangenen Dienstag in Leverkusen eine halbe Stunde lang der beste Spieler auf dem Platz. Dann musste er wegen eines Tritts gegen die Achillessehne passen. Deshalb leitete Hütter das Bulletin zu Younes mit den Worten ein: „Eine gute Nachricht.“ Der von Neapel ausgeliehene Nationalspieler stand das Training am Freitagvormittag durch. Seinem Einsatz gegen Schalke sollte nichts im Wege stehen. Diese Meldung erscheint im Moment für die Eintracht bedeutungsvoller als Jovics Formbericht.

          Eintracht bis Sommer liquide

          Mit der Verpflichtung von Luka Jovic ist der Kader der Eintracht für die Rückrunde wieder rund. Weitere Transfers sind nicht geplant, nachdem die Leerstelle, die Bas Dost mit seinem Wechsel zum Club Brügge an Heiligabend hinterließ, durch den 23 Jahre alten Serben gefüllt worden ist. Trainer Adi Hütter ließ am Freitag keinen Zweifel, dass David Abraham, der gegen Schalke am Sonntag sein letztes Eintracht-Spiel bestreitet, bevor er nach Argentinien zu seiner Familie zurückkehrt, durch Tuta ersetzt wird und im Winter kein neuer Profi verpflichtet wird. „Tuta ist sein designierter Nachfolger“, so Hütter.

          Alle Planungen der Eintracht laufen erst mal bis Saisonende, weil nicht absehbar ist, wie sich die Pandemie entwickeln wird. Bis zum Sommer sind auch die Finanzen gesichert. Die neue Kalkulation geht davon aus, dass bis zum letzten Spieltag keine Fans ins Stadion dürfen. Das erhöht die Einnahmeausfälle, die zu Saisonbeginn mit 60 bis 80 Millionen Euro hochgerechnet worden waren, um weitere zehn bis 15 Millionen Euro. Die Senkung der Personalkosten um 15 Millionen Euro, weitere Einsparungen und die frühzeitige Erhöhung der Kreditlinie sorgen dafür, dass die Liquidität bis zum Ablauf der Spielzeit gesichert ist. Für Investitionen gibt es jedoch keinen Spielraum.

          Die Leihe von Jovic wurde nur möglich, weil der Serbe zu einem Gehaltsverzicht bereit war und Real einen großen Teil seiner Bezüge weiter begleicht. Jovic kostet die Eintracht in etwa die Summe, die für Dost im selben Zeitraum veranschlagt war. (peh.)

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