https://www.faz.net/-gzn-8aja6

Erik Wille im Gespräch : „Für einen Fußballer bin ich nicht ideal gebaut“

Sie haben ja noch keine Reichtümer angehäuft durch Drittligafußball. Hilft Ihnen beim Übergang ins neue Leben eine Invalidenrente oder andere Unterstützung?

Da gibt es leider nichts dergleichen.

Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

Hilft Ihnen dabei Ihr ehemaliger Berater?

Mein Berater war sehr anständig und hat mir in der Leidenszeit sehr geholfen, indem er zum Beispiel Verbindungen zu Ärzten hergestellt hat.  

Wird man in der Jugend darauf vorbereitet, dass es mal zu Ende gehen kann?

Bei mir ging es immer nur um Fußball. Mit allem anderen musste ich selbst klarkommen. Es gab mal ein, zwei Jahre, in denen wir dem Verein  Schulzeugnisse vorzeigen mussten. Aber so richtig interessiert hat das keinen. In erster Linie zählt der sportliche Erfolg, der dann auch nach oben hin ausstrahlt.

Der alte Spruch also: Wichtig ist auf‘m Platz.

Genau. Hausaufgabenhilfe wird wohl in einigen Vereinen geboten und hilft sicher auch. Bei uns gab es das nicht.

Sind Sie gut durch die Schule gekommen – oder mit Hängen und Würgen?

Ich bin locker durchgekommen und habe ein ordentliches Abi gemacht. Ich habe mit 17 ja auch noch nicht in der Bundesliga gespielt. Dann hätte ich jeden Morgen mit den Profis trainieren müssen. Es wäre nie eine Option gewesen, die Schule abzubrechen.  Jetzt sieht man, wofür es gut war.

Was machen Sie jetzt an den Wochenenden, speziell an Samstagen so gegen halb vier?

Keinen Fußball gucken! Noch nicht. Tut noch weh. Ich bin zweimal im Duisburger Stadion gewesen, das war schwierig genug. Aber bei meiner Verabschiedung gab es den ersten Saisonsieg. Da haben Sie gesagt, dass ich als Maskottchen öfter kommen müsse.

Aber Sie schauen sich doch Spiele der Nationalmannschaft im Fernsehen an?

Nein, auch nicht. Obwohl mit Emre Can und Antonio Rüdiger zwei dabei sind, die ich persönlich kenne. Das ist mein Jahrgang. Wenn man sieht, wo die jetzt sind und wo ich bin. Das sind Welten.

Was ist das für ein Gefühl für Sie?

Kein angenehmes. Man fragt sich natürlich: Was wäre, wenn… Wo wäre ich jetzt, wenn nicht diese blöde Verletzung dazwischengekommen wäre? Mir ist klar, dass ich heute nicht in der Nationalmannschaft spielen würde. Aber ich glaube, dass ich noch Potential nach oben gehabt hätte. Zweite Liga hätte ich auf jeden Fall schaffen können.

Machen Sie sich Notizen über Ihre Karriere, die schon zu Ende ist, noch ehe sie begonnen hat? Schauen Sie bei den Eltern in der Schublade, um zu sehen, ob die was aufgehoben haben?

Meine Freundin hat einen dicken Ordner angelegt. Ich habe ihn mir bisher nicht angesehen. Das mache ich irgendwann mal, in zwei, drei Jahren vielleicht. Ich weiß, dass ziemlich viel Material vorhanden ist. Sie hat alles von mir zusammengesucht, von klein auf. Von den Duisburger Fans habe ich einen Tag nach meiner Vertragsauflösung auch noch einen Ordner geschenkt bekommen.

Eine schöne Geste.

Ja, so was tut gut.

Können Sie jetzt schon ein Zwischenfazit ziehen, welche Rolle der Fußball in Ihrem Leben gespielt hat?

Fußball war mein Leben. Aber ich will nicht Verlorenem hinterhertrauern. Das blockiert für die Zukunft. Ich möchte frei sein für Neues. Um erfolgreich zu sein, muss man sich zu hundert Prozent auf etwas konzentrieren, das hat mich der Fußball gelehrt. So halte ich es jetzt mit dem Studium. Wenn Leute auf mich zukommen und sagen, hey, Du bist doch der Fußballer Erik Wille, dann sage ich ihnen: Ich war mal Fußballer.

Können wir davon ausgehen, Sie eines Tages im Fußball wiederzusehen, wenn Sie Ihr Managementstudium beendet haben?

Ich spiele mit dem Gedanken, den Trainerschein zu machen. Aber eher sehe ich meine Zukunft im Managementbereich. Wenn man das Geschäft von klein auf kennt, über Kontakte verfügt, dann ist das eine super Sache. Ich versteife mich nicht darauf, aber ich kann es mir vorstellen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Die Stimmung ist gut: In Peking wird wieder gefeiert.

Keine zweite Welle in China : Es darf wieder gefeiert werden

In China ist die zweite Welle der Pandemie ausgeblieben. Die Clubs sind voll. Und es sieht danach aus, als wenn das auch so bleiben würde. Vielen Chinesen gibt das neues Selbstbewusstsein.
Bodo Ramelow hält den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht wirklich für sparsam.

Bodo Ramelow im Interview : Es wird Zeit, in den Netflix-Modus zu schalten

Die Länder beschäftigt vor allem die Corona-Pandemie, doch es geht auch um die Zukunft der Medien. Thüringens Ministerpräsident Ramelow erklärt, warum er der Erhöhung des Rundfunkbeitrags zustimmt und wie er Kinos unterstützen will.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.