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Jermaine Jones : Jones glaubt fest daran, endlich fit zu werden

  • -Aktualisiert am

Jetzt in Königsblau: Jones Bild: AP

Jermaine Jones ist bei seinem neuen Arbeitgeber in Schalke angekommen. Spielen durfte er auch schon - eine Halbzeit lang. In Gelsenkirchen geht für den anfälligen Spieler die Politik der kleinen Schritte weiter.

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          Jermaine Jones konnte einfach nicht widerstehen. Das Angebot aus Schalke war zu verlockend, um es auszuschlagen. Also ist er zum zweiten Mal ausgezogen, die Fußballwelt mit einem Klub zu erobern, der in der Bundesliga meisterliche Ambitionen hegt und sich auch international profilieren will. Was Jones vor Jahren in Leverkusen misslang, will er nun beim FC Schalke 04 nachholen.

          Bei Eintracht Frankfurt, seinem Heimatverein, sah er nicht mehr die Perspektive für den großen Durchbruch – nach all den Rückschlägen, die ihm erst nur körperliche Qualen bereiteten und später, aufgrund atmosphärischer Störungen, auch seelischen Schmerz. Obwohl er in dem Ruf steht, nicht die stabilsten Knochen zu besitzen, glaubt Jones einen großen Sprung gemacht zu haben. Für einen Fußballprofi von 25 Jahren sei „ein Angebot von Schalke gleichzusetzen mit einem Angebot von Bayern München“, sagt er.

          Kleine Schritte, große Ziele

          Ein ähnlich junger Spieler wie Franck Ribery, der jüngst zum deutschen Rekordmeister wechselte, wird das anders sehen. Aber für den leidgeprüften Jones mag der Vergleich zutreffen. Aus seiner Sicht sprach alles für Schalke: die Ansprüche des Klubs, der Aufstieg in eine neue Gehaltsklasse und auch das Vertrauen in die medizinische Versorgung. „Hier habe ich das Gefühl, wieder richtig fit werden zu können. Dieses Gefühl hatte ich in Frankfurt nicht mehr, auch deshalb bin ich gegangen.“ In der aktuellen Vorbereitung muss er jedoch weiter eine Politik der kleinen Schritte machen. Zwar wähnte er sich schon Anfang Juli „eigentlich wieder topfit“.

          Doch der Eindruck täuschte. Erst in dieser Woche, beim Privatspiel gegen Dynamo Dresden (1:1), durfte er zum ersten Mal außerhalb des Trainings für seine neue Mannschaft kicken – eine Halbzeit lang. Nun hofft er, an diesem Samstag im Ligapokal-Viertelfinale gegen den Karlsruher SC sein erstes Pflichtspiel für die Königsblauen bestreiten zu können. Trainer Mirko Slomka schwärmt „von herausragenden Testergebnissen auf allen Gebieten“, will den Mittelfeldspieler aber mit der gebotenen Vorsicht an das volle Pensum heranführen.

          „Unser Hauptziel ist es natürlich, dass er eine Saison möglichst durchspielen kann.“ Das ist ein großes Ziel, wie ein kleiner Rückblick zeigt: In der vergangenen Saison hatte Jones nur vier Bundesligaspiele bestreiten können, in seiner gesamten Karriere bringt er es auf lediglich 36 Einsätze in der höchsten Klasse. Das ist kein großer Erfahrungsschatz, aus dem er Selbstvertrauen schöpfen könnte. Dennoch glaubt Jones schon jetzt, dass der Vereinswechsel sich gelohnt habe. Lange hielt sich das Vorurteil, er habe „Glasknochen“. Aber in Schalke hätten sie gesagt, „dass es Quatsch ist mit den Glasknochen“. Aber auch dort waren nicht alle überzeugt. Der Sportmediziner Dr. Thorsten Rarreck, der den Klub inzwischen verlassen hat, stand einer Verpflichtung des Frankfurters skeptisch gegenüber.

          „Das Thema Frankfurt ist erledigt“

          Der hessische Patient hatte manches Tief zu überwinden. „Es gab eine Phase, da habe ich mich gefragt, warum immer wieder ich die Person bin, die es trifft.“ Doch diese Phase sei überwunden. Beim Auftritt in Dresden will Jones gespürt haben, dass er wieder bei Kräften sei; stark genug, die Chance in Schalke entschlossen zu nutzen, auch wenn er dort mit etablierten Profis wie Fabian Ernst, Lewan Kobiaschwili oder Zlatan Bajramovic um einen der beiden Plätze im defensiven Mittelfeld konkurriert. „Es wird auch für Ernst nicht einfach sein, seinen Platz zu behalten“, behauptet der neue Mitbewerber.

          Jones will nicht nur wieder auf die Beine kommen, sondern hoch hinaus; viel höher, als es in seinen Augen mit Eintracht Frankfurt möglich wäre. „Dieser Verein wird in den nächsten fünf, sechs Jahren nicht so weit oben spielen wie Schalke“, sagt Jones. Das Thema Frankfurt sei für ihn erledigt, deshalb wolle er „nicht nachtreten“. Im Frühjahr, als der Wechsel ruchbar wurde, war sein Ansehen bei den Fans tief gesunken. Der Frankfurter Bub wurde zur unerwünschten Person.

          Viele Anhänger warfen ihm vor, er habe seine wahren Absichten (zu) lange verschleiert und die Eintracht auf diese Weise hintergangen. Im Internet lieferte sich Jones sogar Wortgefechte mit einigen Anhängern. Am letzten Spieltag hätten sie ihn vermutlich vom Hof gejagt, wenn er der Einladung seines Arbeitgebers gefolgt wäre, der ihn im Stadion verabschieden wollte. Die „Pöbeleien“ der Basis machten ihm nichts aus, sagt er. Jones deutet sie als Ausdruck enttäuschter Liebe. „Es zeigt, dass die Fans mir nachweinen. Sie haben meinen Weggang nicht verkraftet.“

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