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Eintracht-Spieler Erik Durm : „Ich meide das Rampenlicht“

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Ich rede nicht gerne über mich selbst. Ich bin ein familiärer und eher schüchterner und zurückhaltender Mensch. Ich meide das Rampenlicht. Wenn es um Interviews geht, verstecke ich mich lieber. 50.000 Zuschauer im eigenen Stadion finde ich überragend und genieße die Atmosphäre in vollen Zügen. Aber ebenso freue ich mich danach darauf, mich in den Kreis meiner Familie zurückzuziehen.

Bei Ihrer Präsentation in Frankfurt wirkten Sie überhaupt nicht öffentlichkeitsscheu.

Normalerweise bin ich sehr angespannt. Ich gerate ungern in Verlegenheit. Aber meine Mutter hat danach zu mir gesagt: So gut hast du noch nie geredet. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich endlich wieder alles auf Deutsch sagen konnte. In England war ich immer am Schwitzen, weil ich dachte, wenn mir ein Wort fehlt, wird es schwierig. Vielleicht war ich aber auch einfach nur glücklich, dass ich in Frankfurt und wieder Zuhause in Deutschland bin. Für mich ist die Familie das Allerwichtigste. Von ihr und meinen Freunden habe ich einen extremen Rückhalt.

Wie hat Sie die Zeit in England geprägt?

Ich war frei von Verletzungen und habe viel gespielt. Das Vertrauen in meinen Körper zurückzugewinnen, habe ich gebraucht. Trotzdem war es eine sehr schwere Zeit, weil wir abgestiegen sind. Wir haben fast jedes Spiel verloren, es war mental sehr schwierig. Ich bin ein Kopfmensch. Die Menschen in Huddersfield waren zwar sehr freundlich, aber die Häuser dort sind anders, es ist alles ein bisschen dunkler, das Wetter drückt. Es ist kalt und nass. Und auch das Frühstück ist gewöhnungsbedürftig. Ich habe ein Jahr nur Toast gegessen, weil es im Endeffekt kein Brot gab. Ich habe es vermisst, morgens in die Bäckerei zu fahren, frische Brötchen zu holen, den Duft von Kaffee in der Nase zu haben und dann zusammen mit der Familie zu essen. Zum ersten Mal habe ich erfahren, was es heißt, Heimweh zu haben. Dieses Gefühl kannte ich davor nicht. Sich ins Auto zu setzen und nach Hause zur Familie zu fahren, habe ich extrem vermisst.

Am kommenden Donnerstag empfängt die Eintracht Arsenal London zum ersten Gruppenspiel in der Europa League. Auf was muss sich Ihre Mannschaft gefasst machen?

Ob mit Torhüter Bernd Leno, Pierre-Emerick Aubameyang, Sokratis oder Mesut Özil, ich habe fast schon mit der halben Arsenal-Mannschaft zusammengespielt. Englische Mannschaften sind sehr physisch, auf der Insel wird wenig abgepfiffen. Die Gangart ist härter. David Wagner hat am Anfang zu mir gesagt, wenn du hoch zum Kopfball gehst, bleib danach bloß nicht am Boden liegen, es wird sowieso nicht gepfiffen. Steh einfach auf und mach weiter! Du erhältst auch mal einen Ellbogenschlag und es wird nicht abgepfiffen. Ich erwarte außerdem ein sehr laufintensives Spiel. Arsenal ist technisch sehr versiert. Aber wir brauchen uns auf keinen Fall zu verstecken. Wir können definitiv dagegenhalten.

Die Eintracht ist in der Vorsaison erst gegen Chelsea im Halbfinale unglücklich ausgeschieden. Wie wurde Frankfurt auf der Insel wahrgenommen?

Arsenal wird Respekt vor uns haben. Was die Eintracht in der Vorsaison international geleistet hat, hat auch in England Eindruck hinterlassen. Die Mannschaft und ihre Fans sind sehr positiv rübergekommen.

Wie ist die Stimmung bei einem Heimspiel von Arsenal?

Sie ist überhaupt nicht vergleichbar mit der in Frankfurt. In England ist die Atmosphäre generell anders: Wenn du ein geiles Tackling machst, bekommst du deinen eigenen Song. Aber es ist nicht von der ersten bis zur 90. Minute Stimmung im Stadion. Und wenn es bei der Heimmannschaft nicht läuft, wird es für sie schwierig.

Jürgen Klopp, der mit Liverpool die Champions League gewann, hat in Ihnen ein neues Talent entdeckt. Würde es Sie überraschen, wenn jetzt Eintracht-Trainer Adi Hütter zu Ihnen mit der Frage käme, ob sie mal wieder im Sturm spielen könnten?

Definitiv, ja. Es wäre schon sehr ungewohnt für mich. In der Jugend sind mir als Angreifer viele Tore gelungen. Aber ich weiß nicht, ob es dann als Stürmer im Profibereich gereicht hätte. Sich dort durchzusetzen, ist eine ganz andere Herausforderung. Jürgen Klopp hat das offenbar ähnlich gesehen. Und darüber bin ich bis heute froh.

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