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Eintracht-Frankfurt-Interview : „Wir wollen mehr!“

Die Partie gegen Hannover war ein Schlüsselspiel. Wenn wir da nicht gewonnen hätten, wären wir hinten reingerutscht. Der Sieg hat uns einen Extra-Schub gegeben. Die Mannschaft hat von da an gemerkt, dass sie all das, was sie zuvor im Training schon gut gemacht hat, auch am Spieltag umsetzen kann – und sie sich vor niemandem verstecken muss. Auch für die Fans war das eine wichtige Erkenntnis. Seitdem geben wir keine Ruhe mehr. Wir wollen mehr! Und ich persönlich blicke heute immer nach oben in der Tabelle. Ich möchte, dass wir uns verbessern, da kann ich doch nicht nach unten schauen. Beim 3:0 gegen Schalke haben wir, obwohl wir zwei Tage weniger Vorbereitungszeit hatten, fast hundert Sprints mehr absolviert. Die physische Verfassung unseres Teams zeigt, dass unsere Strategie die richtige ist. Und das belegen wir den Spielern jeden Tag auch mit Daten und Fakten. Pi mal Daumen gehen wir dabei so vor, dass wir ihnen in Zweidritteln der Besprechungen zeigen, was sie gut gemacht haben. Und in dem anderen Drittel wird veranschaulicht, was sie noch besser machen könnten. Dabei ist es nie unsere Absicht, einen Spieler von der Mannschaft bloßzustellen. Wenn wir den Eindruck haben, eine Situation könnte zu persönlich werden, lösen wir es im Eins-zu-eins-Gespräch – und verwenden dazu auch Videoaufnahmen.

Sind Sie ein Computerfreak?

Nein, ich bin einer vom alten Schlag. Ich bin weder bei Facebook oder Instagram. Ich poste nichts.

Als Sie Profi waren, sind Sie nebenbei noch einem anderen Beruf nachgegangen. Können Sie sich in die heutige Generation überhaupt reinversetzen?

Absolut. Ich habe ja eine Tochter und einen Sohn in diesem Alter. Und ich habe bei Sturm Graz sieben Jahre die A-Jugend betreut, da kamen immer neue Teenager im Alter von 15 oder 16 nach. Mein Draht zur Jugend funktioniert. Und der Umgang hält selbst jung. Ich würde mir nur wünschen, dass meine Kinder oder andere etwas weniger am Smartphone posten und dafür sich anderen schönen Dingen des Lebens widmen.

Gibt es Vorschriften, wann Eintracht-Spieler offline sein müssen?

In der Küche und bei der Massage ist das Smartphone unerwünscht, und auch beim Abendessen im Hotel wollen wir, dass die Geräte ausbleiben.

Sind Europa-League-Spiele wie an diesem Donnerstag gegen Marseille für Sie etwas Besonderes?

Absolut. Wir waren auch mit Bern international dabei, das Ganze lässt sich mit Frankfurt aber gar nicht vergleichen: Atmosphäre und Zuschauerzuspruch bei der Eintracht sind überragend. Wenn man bei uns zum Warmmachen aus dem Spielertunnel heraus auf den Rasen tritt, und auf die vollen Tribünen blickt, ist das bereits ein phänomenales Erlebnis.

Der Kader umfasst 36 Spieler und ist damit sehr groß. Wie moderieren Sie den Konkurrenzkampf?

Dass die Stimmung bei uns so gut ist, gehört für mich zu den Verdiensten Adi Hütters. Er ist der Boss und redet mit allen, hört zu und steht jedem mit Rat und Tat zur Seite. Auch denen, die im Spiel nicht zum Aufgebot gehören. Adi lässt damit jeden spüren, dass er gebraucht wird und er so seinen Teil zum Gelingen der Mannschaft beitragen kann.  

In der Vergangenheit folgte auf eine starke Hinrunde meist ein Leistungsabfall der Eintracht nach der Winterpause. Wie wollen Sie dem vorbeugen?

Dafür gibt es keinen Kniff, denn dann würde ihn jeder anwenden. Durch unsere Tätigkeit in Bern haben wir bewiesen, dass wir eine Mannschaft so steuern können, dass sie auch das Frühjahr unbeschadet übersteht. Wir müssen die Spieler immer wieder so kitzeln, dass sie an ihre Leistungsgrenze gehen und gleichzeitig ins Team hineinhorchen, um zu merken, wie es um das Kollektiv bestellt ist. Damit kann man eine Grundlage schaffen, die einem auch in schweren Phasen hilft. Ob es schlussendlich dazu reicht, so weiter zu machen, wie es uns gerade gelingt, lässt sich nicht vorhersagen. Verletzungen können viele Planungen über den Haufen werfen.    

Benötigt das Team in der Winterpause Neuverpflichtungen?

Über die Transferpolitik möchte ich jetzt nicht öffentlich spekulieren. Dafür gibt es bei uns einen Sportvorstand, einen Sportdirektor und eine Scouting-Abteilung, die die Rahmenbedingungen zusammen mit dem Cheftrainer festlegen. Adi und ich haben jedenfalls noch nicht ein Wort darüber gewechselt, was bei uns mit Zu- oder Abgängen rund um den Jahreswechsel passieren wird.

Wie sieht der nächste Schritt in Ihrer Trainer-Karriere aus: Wollen Sie selbst mal Chef sein?

Meine Lebensplanung schaut so aus: Adi hat mir die Chance gegeben, bei ihm als Ko-Trainer zu arbeiten. Da können Angebote kommen, egal woher: So lange er mich will, bleibe ich bei ihm.

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