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Eintracht-Frankfurt-Interview : „Wir wollen mehr!“

Mein Tag beginnt um 8 Uhr in der Arena. Dann geht es bei den Trainingsplänen um letzte Details, und ich stimme mich zunächst mit den Videoanalysten ab. Dann frühstücken wir, und ungefähr gegen 10 Uhr geht es zusammen auf den Platz. Armin und ich wechseln uns oft mit den Übungen ab: Heute ist einer mit den Stürmern beschäftigt und der andere mit den Verteidigern, morgen geht es dann umgekehrt weiter. Auch Armin denkt so wie wir. Wir wussten schon im Frühsommer, als wir uns mit ihm vor dem Saisonstart über die Eintracht ausgetauscht haben, dass wir in Sachen Offensiv-Fußball auf einer Wellenlänge liegen. Nachmittags steht bei uns die Auswertung der Einheit an, dabei greifen wir sehr viel auf Bilder zurück. Hinzu kommt individuelles Training mit Spielern, das ich sehr gerne mache, um ihnen zu zeigen, wie sie sich an der Schusstechnik, bei Flanken oder dem Kopfballspiel mit ein paar einfachen Veränderungen verbessern können. Das ist eigentlich mein Steckenpferd, mit einzelnen Jungs nochmal eine dreiviertel Stunde raus zu gehen, doch aufgrund der vielfältigen Belastungen auch wegen der Europa League lässt sich das momentan leider nicht so organisieren.

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Sie trainieren die Eintracht zusammen. Und leben auch mit Hütter in Frankfurt unter einem Dach. Eine ungewöhnliche Konstellation in diesem Job, oder?

Adi und ich wohnen im gleichen Haus, aber schon in zwei getrennten Wohnungen. Ich habe den Vorteil, dass ich zwei erwachsene Kinder habe. Meine Tochter studiert Sport auf Lehramt, mein Sohn macht seinen Uniabschluss in Sport-Eventmanagement. Sie kommen mich regelmäßig besuchen, ansonsten fahre ich alle zwei, drei Wochen in die Heimat zu meiner Frau, die in Graz weiterhin berufstätig ist. Da ich ohne Familie in Frankfurt bin, muss ich auf keine Uhr schauen und Feierabend machen, weil privat andere Dinge anstehen. Ich kann mich zu hundert Prozent auf die Eintracht konzentrieren. In Bern lagen Adis Wohnung und meine weit auseinander. Weil Adi gerne gekocht und mich regelmäßig eingeladen hat, war ich öfter bei ihm essen. Und wenn es dann im Winter viel geschneit hatte, musste ich nach einem langen Arbeitstag müde und in der Dunkelheit im eiskalten Auto noch zurückfahren. Es war uns beiden klar, dass wir das in Frankfurt anders regeln wollten. Das ist praktisch. Auch für unsere Familien, die sich gut verstehen und so einen gemeinsamen Anlaufpunkt haben, wenn sie hierher kommen.  

Hütter schaut so asketisch aus: Versteht er sein Handwerk als Koch?

Ich denke, er macht es sehr gerne und das schmeckt man. Aber es bleibt leider gerade wenig Zeit dafür. In Frankfurt ist das Umfeld ein ganz anderes als in Bern, alles ist größer und es bedarf mehr Aufwand. Wir haben, seitdem wir hier sind, noch nicht einen Koch-Abend veranstalten können und bislang nur dreimal einen Salat zusammen gegessen.

Sind Sie Freunde?

Ja. Schon zu Zeiten, als er noch in Salzburg gelebt und gearbeitet hat und ich in Graz beschäftigt war, haben wir gemerkt, dass wir ähnlich ticken und uns sympathisch finden. Unsere Vertrauensbasis ist über Jahre gewachsen.  

Können Sie Hütter anders kritisieren, weil Sie sich gut kennen?

Wir können unsere Arbeitsbeziehung von unserer Freundschaft trennen. Das ist nicht immer einfach, aber es geht. Man muss halt nur wissen, welche Funktion man hat. Ich sage ihm hin und wieder, dass er ein unangenehmer Chef ist, weil er sehr streng und kontrollierend sein kann. Das fällt manchmal schwer zu akzeptieren, weil er gleichzeitig einer von meinen besten Kumpels ist. Aber das pendelt sich ein. Es ist okay für mich. Ich habe viel von ihm gelernt, über den Fußball und das Leben. Und ich weiß, dass es ihm genauso geht.

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