https://www.faz.net/-gzn-13ice

Im Gespräch: Armin Reutershahn : „Der Tag des Hallos und des Abschieds“

  • Aktualisiert am

Armin Reutershahn, früher bei der Eintracht Frankfurt, jetzt in Nürnberg. Bild: AP

Der Fußballtrainer arbeitete die vergangenen fünf Jahre an der Seite Friedhelm Funkels bei der Eintracht. Mit dem „Club“ kommt es nun zum Wiedersehen.

          3 Min.

          Wie groß ist Ihre Vorfreude auf die Rückkehr nach Frankfurt?

          Schon enorm, ganz klar. Ich hatte ja eine schöne Zeit. Es wird ein Tag werden, an dem ich viele Hände schüttele und der mit Sicherheit etwas speziell wird. Aber ich habe mir schon klar gemacht, dass ich jetzt in eine andere Kabine als in den vergangenen fünf Jahren gehen muss.

          Bestimmt haben Sie Ihrem neuen Chef, Michael Oenning, schon erläutert, wie man in Frankfurt gewinnt, oder?

          Wir treffen auf einen selbstbewussten Gegner, das ist Fakt und macht die Aufgabe nicht leichter. Wer 3:2 in Bremen gewinnt, hat vieles richtig gemacht und ist gut drauf. Wir dagegen haben uns beim Start zu Hause gegen Schalke mehr ausgerechnet als ein 1:2. Natürlich habe ich alle meine Erfahrung und all mein Wissen über die Frankfurter Spieler in die Vorbereitung einfließen lassen. Aber, wie heißt es seit Ewigkeiten so schön: „Entscheidend ist auf dem Platz.“ Wir können vorher lange über die Erfolgsaussichten diskutieren, am Samstag ab halb vier wird sich zeigen, was wirklich Sache ist.

          Hat Sie der gute Start Ihrer alten Mannschaft überrascht?

          Selbstverständlich. Mit so einem Big Point haben nicht viele gerechnet. Da sieht man aber mal wieder, wie wenig aussagekräftig eine Vorbereitung ist. Ich habe doch mitbekommen, wie groß der Katzenjammer bei der Eintracht nach den ersten Testspielniederlagen war. Davon ist jetzt mit einem Schlag nicht mehr die Rede.

          Warum sind Sie zum „Club“ gewechselt?

          Weil ich zum einen nicht wusste, welche Arbeitsteilung mich unter Michael Skibbe in Frankfurt erwartet hätte, und die Nürnberger Verantwortlichen, Trainer Oenning und Manager Bader, sich einzigartig um mich bemüht haben. So etwas hatte ich bis dahin in dieser Art und Weise noch nicht erlebt. Damit wurde mir eindrucksvoll vor Augen geführt, welchen Stellenwert ich habe.

          Sie hatten aber doch noch einen Vertrag in Frankfurt. Wollten Sie den nicht erfüllen?

          Doch, bis zehn Tage vor dem Start der Vorbereitung bin ich ja auch davon ausgegangen. Aber als beim „Club“ durch den Wechsel von Peter Hermann nach Leverkusen eine Vakanz entstand, kam das Ganze ins Rollen. Ich war im Urlaub, in Südafrika und auf Mallorca, und da begann das Werben der Nürnberger. In Frankfurt hätte es mir passieren können, dass ich neben Skibbe und seinem neuen Assistenten Eddy Boekamp eher überflüssig auf dem Platz herumgestanden hätte. Das wollte ich nicht, vor allem weil die Trainingsgestaltung bislang immer einer meiner Arbeitsschwerpunkte war. Und mittlerweile muss ich sagen: Vielleicht ist es nach fünf Jahren gar nicht so verkehrt gewesen, eine neue Herausforderung zu suchen.

          Sie haben in Frankfurt seit 2004 mit Funkel gemeinsame Sache gemacht. Jetzt sind Sie kein Team mehr. Vermissen Sie einander?

          Es ist nicht richtig, dass es immer wieder so dargestellt wird, als ob ich nur mit ihm zusammenarbeiten könnte. Beim HSV stand ich an der Seite von Frank Pagelsdorf und Kurt Jara, das wird immer wieder vergessen. Natürlich ist es zwischen Friedhelm und mir kein ganz gewöhnliches Arbeitsverhältnis gewesen, wir waren und sind befreundet, telefonieren regelmäßig. Auch er hat mir dazu geraten, den Schritt zum „Club“ zu gehen.

          Kommt er am Samstag in Frankfurt ins Stadion?

          Nein. Gleich beim ersten Spiel seines Nachfolgers vor eigenem Publikum wird er nicht auftauchen.

          Mit Funkel gemeinsam darauf zu warten, wann sich Ihnen als Duo wieder eine Chance bietet, wollten Sie nicht?

          Nein, das stand nicht zur Debatte. Aber ich will nicht ausschließen, dass wir eines Tages irgendwo wieder zusammen tätig werden.

          Haben Sie noch Kontakt zur Eintracht-Mannschaft?

          Ich habe mich in der Vorbereitung bewusst zurückgehalten, was Gespräche oder Ähnliches angeht, und mich auf meine Aufgabe in Nürnberg konzentriert. Der Weggang in der Sommerpause lief ja hopplahopp. Da gab es keine Möglichkeit, mich von vielen Leuten, die mir wichtig waren, zu verabschieden. Deswegen wird es jetzt ein Tag des großen Hallos und des offiziellen Abschieds werden.

          Was auffällt: In der Vergangenheit klagte die Eintracht nach der Saisonvorbereitung über viele Verletzte. Jetzt tummeln sich fast dreißig muntere Spieler auf dem Übungsplatz. Haben Sie dafür eine Erklärung?

          Glauben Sie mir, diese Frage haben wir uns immer wieder gestellt. Es kam immer ein neuer Verletzter hinzu, wenn ein anderer genesen war. In unserer täglichen Arbeit haben Funkel und ich uns stets hinterfragt. Gerade in der zurückliegenden Saison gab es in diesem Punkt jedoch keinen vernünftigen Ansatz, den wir hätten aufgreifen können. Sonst hätten wir doch gegengesteuert.

          Die Fragen stellte Marc Heinrich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eines der großen Anliegen unserer Zeit: Nach der Demo bleibt das durchweichte Schild.

          Kampf um Meinungsfreiheit : Das große Unbehagen

          Mehr als 150 Intellektuelle protestieren gegen ein erstickendes Meinungsklima und Repressalien gegen Andersdenkende. Dabei werfen sie vor allem dem Journalismus, den Wissenschaften und Künsten Intoleranz und Moralisieren vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.