https://www.faz.net/-gzn-7qtnr

Im Gespräch: Bruno Hübner : „In der Branche weiß jeder, was ich leiste“

  • Aktualisiert am

Es sind ja mehr Spieler, die funktioniert und unsere Überlegungen gerechtfertigt haben. Aber ich würde auch viel lieber wie die finanzstarken Vereine nur drei, vier Spieler holen. Ich würde gerne auch 40 Millionen Euro für einen Spieler ausgeben, denn bei ihm habe ich die Gewissheit: Dieser Transfer funktioniert zu 99 Prozent. Mit Transfers, die Geld gekostet haben, erhöht man die Wahrscheinlichkeit, dass sie klappen. Bayern, Dortmund und Wolfsburg machen es mittlerweile so. Eintracht Frankfurt würde auch gerne diese Transferpolitik verfolgen, ist aber aufgrund unserer finanziellen Situation nicht möglich, und deshalb werden wir weiterhin ein höheres Risiko bei Transfers gehen müssen. Wenn man alles gegenrechnet, war das bisher eine gute Leistung von Eintracht Frankfurt, und wir haben noch viele Werte innerhalb der Mannschaft.

Aber für was steht der Verein eigentlich? Was soll die Eintracht 2014 sein?

Unsere Philosophie ist klar: Priorität haben junge, ambitionierte, deutsche Spieler, die ihre Ziele noch vor Augen haben. Wenn das Deutsche wegfällt, wollen wir junge Spieler oder Spieler, die ihr Potential angedeutet und in ihrer Entwicklung nicht den nächsten Schritt gemacht haben. Eine solche Philosophie steht und fällt mit deinen finanziellen Möglichkeiten. Deshalb werden wir Transfers tätigen müssen, die auch mal nicht in dieses Konzept passen.

Und Schaaf steht für diese Philosophie, auf junge Spieler zu setzen?

Zu hundert Prozent. Er hat das ja genauso bei Werder Bremen gemacht. Wenn wir später einmal wie er einen Özil nach Real Madrid abgeben könnten, wäre das perfekt.

Der Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist seit Jahren das Gesicht der Eintracht, Sie wirken dagegen eher unauffällig. Aber müsste der Sportdirektor nicht auch längst ein Gesicht des Vereins sein?

Es gibt welche, die im Blickpunkt stehen, aber nichts leisten. Ich könnte mich auch vor jede Kamera stellen. Entscheidend ist die Arbeit. Michael Reschke zum Beispiel ist in Leverkusen nie aufgefallen. Der ist aber so gut, dass er von Bayern München geholt wird. Es ist wichtig, eine klare Rollenverteilung im Verein zu haben. Der eine repräsentiert, der andere kümmert sich um die Finanzen, der dritte ist für das Sportliche zuständig. Für mich ist es kein Problem, eine andere Rolle einzunehmen. In der Branche weiß jeder, was Bruno Hübner für Eintracht Frankfurt geleistet hat.

Eine Rolle wie Christian Heidel sie bei Mainz 05 hat, passt also nicht zu Ihnen?

Christian Heidel und Mainz 05 sind ganz anders aufgestellt. Seine Rolle hatte ich beim SV Wehen Wiesbaden. Da war ich für alles zuständig und habe alles gemacht. Eintracht und Mainz kann man nur schwer miteinander vergleichen. Frankfurt ist anders aufgestellt und könnte es sich zum Beispiel nie leisten, vor dem ersten Punktspiel der Saison den Aufstiegstrainer zu entlassen wie damals bei Jörn Andersen. Da wäre hier der Teufel los. Mainz 05 kann das aufgrund seiner Struktur und dadurch, dass Christian sich das über Jahre erarbeitet hat. Zum Sportlichen wird nur er befragt, und entsprechend wird es wahrgenommen. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich innerhalb der Fußballbranche die Akzeptanz habe. Die habe ich, glaube ich. Einladungen zu TV-Sendungen nehme ich nicht so gerne an. Dann würde ich lieber immer sagen: Heribert, fahr du hin, du kannst das richtig gut. Aber vielleicht muss ich umdenken.

Das Gespräch führten Peter Heß, Uwe Marx und Ralf Weitbrecht.

Weitere Themen

Topmeldungen

Trump-Biden-Duell : Die Latte lag zu niedrig

Der Präsident verbreitet Verschwörungstheorien, verkauft sich als neuer Abraham Lincoln und preist sich nach 220.000 Toten als Bezwinger der Pandemie. Das soll gesittet sein?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.