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Eintracht-Krise : Am Rande des Strudels

  • -Aktualisiert am

Mit zu positivem Unterton: Eintracht-Tainer Oliver Glasner (links) mit Kölns Steffen Baumgart Bild: dpa

Die Frankfurter Eintracht steckt in einem tiefen Morast aus Selbstzweifeln, Ratlosigkeit und Verwirrung. „Es flutscht nicht!“ Die Aussage trifft absolut zu – die Konnotation nicht so ganz.

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          Es war eine so nette Formulierung, die Eintracht-Trainer Oliver Glasner als Zustandsbeschreibung für das Spiel seiner Mannschaft fand, dass sie sich als Überschrift für den großen Text über den Frankfurter Bundesligaklub auf dieser Seite geradezu aufdrängte. „Es flutscht nicht!“ Die Aussage trifft absolut zu, die Konnotation nicht so ganz. Der Unterton ist zu harmlos.

          Es ist eben nicht so, dass lediglich Kleinigkeiten zu ändern wären, um endlich den ersten Saisonsieg zu realisieren, oder dass man nur unverzagt weiterarbeiten müsse, um das Spielglück zu zwingen, wie der erfahrene Außenverteidiger Timothy Chandler meinte.

          Die Eintracht hatte schon Glück – sonst hätte sie gegen Wolfsburg und Köln verloren. Die Eintracht-Profis stecken derzeit in einem so tiefen Morast aus Selbstzweifeln, Ratlosigkeit und Verwirrung, dass den Fans für die nächsten Wochen angst und bange werden muss. Und nicht nur, weil der nächste Gegner FC Bayern heißt.

          Kampf und Krampf

          Man konnte beim Anblick der leidenschaftlichen Bemühungen der Frankfurter gegen den 1. FC Köln schon Mitleid entwickeln. Der ganze Kampf und Krampf führte auf ein Niveau, das ansonsten in der Abstiegszone gepflegt wird. Unzählige kleine Missgeschicke, Unachtsamkeiten und Ungenauigkeiten raubten der Mannschaft jeden Rhythmus und jedem einzelnen Spieler das Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.

          Am deutlichsten und häufigsten wurde das bei Danny da Costa sichtbar, aber auch den Besseren dieses Samstags, Evan Ndicka und Djibril Sow, wirkten nicht frei. Selbst Martin Hinteregger hat seine Souveränität eingebüßt. „Wir dürfen unsere Lockerheit nicht verlieren“, mahnt Nationaltorwart Kevin Trapp. Da kann man nur sagen – zu spät. Längst geschehen, und Trapp macht da keine Ausnahme, wie seine wiederkehrenden Unsicherheiten in den letzten Spielen zeigen.

          Wie konnte es so weit kommen? Zu hohe Erwartungen (der Mannschaft an sich), die wegen des zu großen personellen und spieltaktischen Umbruchs nicht erfüllt wurden, führten zu einer mentalen Drucksituation, die im Moment nicht bewältigt wird. Was hilft Eintracht aus der Falle? Nur Siege! Wie kann Glasner die Chance auf Siege erhöhen?

          Mentale Robustheit

          Die Antwort auf die 100.000-Euro-Frage ist nicht einfach: Mehr Trainingsarbeit kann der akribische Österreicher kaum leisten, offenkundige Fehler hat er nicht begangen, für seinen Umgang mit den Profis wird er gelobt. Bleibt die Möglichkeit, es mit einem Personalwechsel zu versuchen. Mit Hasebe und (wenn er denn fit ist) Rode könnte Glasner etwas mehr Ballsicherheit und mentale Robustheit aufs Feld zu bringen.

          Es ist keine Entschuldigung, sondern Realität: Mit Hauge, Borré, Lammers und Lindström sucht fast die gesamte Offensive noch ihre Orientierung bei der Eintracht, dazu Jakic im zentralen Mittelfeld. Die Hoffnung, dass sich mit der Zeit die Probleme von allein lösen, ist deshalb nicht ganz unberechtigt. Allerdings ist die Tatsache, dass das Team nicht so schlecht ist, wie es spielt, keine Garantie für eine bessere Zukunft. Dafür hat die Liga unzählige Beispiele geliefert, wie aus Negativtrends Negativstrudel wurden.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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