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Fremde Federn: Matthias Thoma : Integriert, partizipiert, profitiert

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Eintracht-Spieler, Nationalspieler, Vereinspräsident – und SS-Mitglied: Rudolf Gramlich ist posthum die Ehrenpräsidentschaft der Frankfurter Eintracht aberkannt worden. Bild: Ullstein

Eintracht Frankfurt erkennt Rudolf Gramlich posthum die Ehrenpräsidentschaft ab. In einem Gastbeitrag erläutert der Geschäftsführer des Eintracht-Museums die Lebensgeschichte des ehemaligen Präsidenten des Klubs.

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          In der Mitgliederversammlung der Frankfurter Eintracht wurde mitgeteilt, dass Ehrenrat und Präsidium beschlossen haben, die Ehrenpräsidentschaft von Rudolf Gramlich posthum abzuerkennen. Rudolf Gramlich, von 1939 bis 1942 und von 1955 bis 1970 Präsident des Vereins, war nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 1970 zum Ehrenpräsidenten ernannt worden. Mit der Aberkennung dieses Titels reagierte die Eintracht jetzt auf Gramlichs Rolle im Nationalsozialismus.

          Viele Jahre war die Frage nach der Verantwortung für das eigene Verhalten während des Nationalsozialismus für die großen deutschen Fußballvereine kein Thema. Erst Ende der 1990er Jahre begann die Aufarbeitung. Gerhard Fischer und Ulrich Lindner veröffentlichten das Buch „Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fußball und Nationalsozialismus“. Anfang der 2000er Jahre folgten erste Vereinsmonographien. 2002 erschien „Der BVB in der NS-Zeit“, 2005 das Buch „Zwischen Blau und Weiß liegt Grau“ (FC Schalke 04), 2006 „Der Betze unterm Hakenkreuz“, 2007 „Wir waren die Juddebube“ (Eintracht Frankfurt), 2009 „Hertha unterm Hakenkreuz“ und „Der FC Bayern und seine Juden“. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beauftragte mit Nils Havemann einen Historiker, der das Verbandsleben im Nationalsozialismus beleuchtete. Was auffällt: Die Anregungen zur Aufarbeitung der Vereinsgeschichte kamen meist aus den Fanszenen, oftmals recherchierten die Anhänger „auf eigene Faust“ und legten den Vereinen Informationen vor.

          Aktive Erinnerungsarbeit

          Mittlerweile beschäftigen sich fast alle großen Vereine in Deutschland mit ihrer Verantwortung für das Vereinsverhalten während des Nationalsozialismus. Der DFB ehrt jedes Jahr Initiativen, die sich gegen Antisemitismus und Rassismus engagieren, mit dem Julius-Hirsch-Preis und erinnert so an den großen deutschen Nationalspieler, der in Auschwitz ermordet wurde. Die Deutsche Akademie für Fußballkultur lobt jährlich den Walter-Bensemann-Preis aus und erinnert damit an einen Fußballpionier, unter anderem Gründer des „Kicker“ 1920 in Nürnberg. Der Jude Walter Bensemann floh vor den Nazis 1933 in die Schweiz, wo er ein Jahr später starb. Die Initiative „Nie wieder!“, ein Bündnis aus Einzelpersonen, Fanorganisationen, Vereinen und Verbänden, erinnert seit 2004 rund um den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar an Sportler, die im Nationalsozialismus entrechtet, vertrieben oder ermordet wurden.

          Auch die Frankfurter Eintracht leistet aktive Erinnerungsarbeit. Das Gedenken an die Verfolgten wird seit 2008 mit jährlichen Stolpersteinverlegungen wachgehalten. Auch die Fans haben 2011 auf dem Stadiongelände mit dem Denkmal „Im Gedächtnis bleiben“ einen Ort geschaffen, an dem an Verfolgte und ermordete Sportfreunde erinnert wird. Erst im vergangenen Jahr reisten 30 Fans der Eintracht gemeinsam mit Vizepräsident Stefan Minden und einem Eintrachtmitglied, das als Kind deportiert wurde und die Schoa überlebte, nach Theresienstadt, um im dortigen Kolumbarium eine Gedenkplatte der Eintracht zu enthüllen.

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