https://www.faz.net/aktuell/sport/rhein-main-sport/eintracht-frankfurt/fussballfrauen-von-eintracht-frankfurt-tanja-pawollek-zurueck-17976388.html

Eintracht-Kapitänin wieder fit : Tanja Pawollek denkt positiv

  • -Aktualisiert am

Auf und davon: Tanja Pawollek beim Testspiel gegen Freiburg im April. Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Zum Saisonende kann Eintracht-Trainer Niko Arnautis wieder auf Tanja Pawollek zurückgreifen. Sie hat ihre Knieverletzung überwunden, zeigt sich angriffslustig – und schielt auf die Champions League.

          3 Min.

          Wirklich weg war sie nie. Auch in diesen zehn Monaten, in denen Tanja Pawollek ihrer Mannschaft auf dem Feld nicht helfen konnte, zeigte die Kapitänin der Bundesliga-Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt Präsenz. Bei fast allen Spielen begleitete die 23-Jährige ihr Team, sprach auch mal ein paar Worte in der Kabine, und bevor sie selbst wieder ins Training miteinsteigen durfte, versuchte sie mindestens zweimal in der Woche die Einheiten zu verfolgen. „Ich wollte zeigen, dass ich trotzdem da bin, und wenn ihr mich braucht, könnt ihr auf mich zukommen“, sagt Pawollek.

          Anfangs sei das nicht leicht gewesen, den anderen dabei zuzuschauen, wie sie der gemeinsamen Leidenschaft nachgingen. „Mich rauszunehmen hätte vielleicht weniger wehgetan“, sagt die defensive Mittelfeldspielerin. „Aber das ist nicht meine Art.“ Verantwortung zu übernehmen, das hat Pawollek früh ausgezeichnet. Das hat die „absolute Teamplayerin“, wie Trainer Niko Arnautis die gebürtige Obertshäuserin bezeichnet, vor zweieinhalb Jahren bereits zur Spielführerin der Hessinnen werden lassen.

          Es war der 30. Mai 2021, an dem sich die Perspektiven der Führungskraft schlagartig ändern sollten. Gerade erst hatte Pawollek, deren Eltern beide in Polen geboren wurden, eine erste Einladung zur dortigen Nationalmannschaft erhalten. Nun stand sie jedoch mit den Adlerträgerinnen beim DFB-Pokalfinale in Köln dem Titelverteidiger VfL Wolfsburg gegenüber. Die Partie sollte nach Verlängerung mit einem 1:0-Erfolg für den Favoriten ausgehen.

          Operation am nächsten Morgen

          Für Pawollek, eine der stabilen Säulen im Eintracht-Team, war sie bereits nach 40 Minuten vorbei. Ohne gegnerischen Druck war sie „einfach weggeknickt“ und hatte sich im linken Knie das vordere Kreuzband gerissen. Es war die erste schwere Verletzung, die sich die robuste Spielerin in ihrer Karriere zuzog.

          Eine Operation gleich am nächsten Morgen, eine langwierige Reha, so sahen plötzlich die Aussichten aus. Das alles mit dem Ziel, wieder dorthin zurückzukehren, wo sie gerade eben noch gewesen war. Am 1. April sollte es so weit sein: Da lief Pawollek, nach ein paar Einsätzen zuvor in der zweiten Mannschaft, beim 4:0-Sieg der Eintracht in Jena in der 71. Minute zu ihrem ersten Bundesliga-Auftritt nach der Verletzung auf. „Mit zitternden Knien“, wie sie sagt, und überrascht von einer großen Geste ihrer Vertreterin Laura Freigang, die die Kapitänsbinde direkt an die Rückkehrerin weiterreichte. Ein sehr emotionaler Moment, nicht nur für Pawollek selbst. „Das zeigt, was für einen tollen Teamspirit wir haben“, sagt sie.

          Drei Begegnungen stehen in dieser Saison noch für die SGE aus, an diesem Sonntag (13.00 Uhr bei MagentaSport) ist im Stadion am Brentanobad der Tabellensiebte Bayer Leverkusen der Gegner. Die Eintracht, derzeit auf Rang fünf platziert, hat bei drei Punkten Rückstand noch Aussichten auf eines der drei Champions-League-Tickets. „Wir wollen alle drei Spiele gewinnen“, betont Pawollek. Welche Rolle sie selbst dabei einnehmen wird, werde der Trainer entscheiden.

          Ihre Einstellung ist vorbildlich. Auch in der für sie selbst so schweren Zeit hatte Pawollek sich vorgenommen, das Beste aus ihrer Situation zu ziehen. Zehn Posts aus 290 Tagen, der erste ein Foto, das sie zusammen mit einem Stoffschwein lachend im Krankenbett zeigt, zeugen auf Instagram von einer „coolen“ Reha-Phase. „Ich habe immer versucht, positiv zu sein“, erzählt Pawollek. Geholfen habe ihr dabei, dass sie sich ständig kleine Ziele setzte, die in kurzer Zeit erreichbar waren: Das erste Mal ohne Krücken gehen. Oder die ersten Schritte auf dem Laufband.

          Zukunft in der Nationalmannschaft Polens

          „Ich bin eigentlich ein sehr ungeduldiger Mensch“, sagt sie. Die Erfahrung, abwarten zu müssen, werde ihr auch in Zukunft Kraft geben, mit schwierigen Lagen umzugehen. Den Fußball, der in ihrem Leben so selbstverständlich zu sein schien, habe sie ganz anders schätzen gelernt. „Ich freue mich wieder wie ein kleines Kind auf jedes Training“, sagt das früh hochgelobte Talent. Jeder Einsatz, jede Übung lasse das Vertrauen zu dem Knie wachsen. Beim 2:0-Testspielsieg über den Ligakonkurrenten SC Freiburg vor einer Woche stand Pawollek in der Startformation der Eintracht-Mannschaft.

          In den selbst geschätzten zehn Jahren, die der gelernten Kauffrau für Büromanagement auf höchstem Niveau vielleicht bleiben, will sie „alles mitnehmen“, was möglich ist. Deshalb hat sich die langjährige Juniorinnen-Auswahlspielerin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die 2016 mit der U 17 Europameisterin wurde, dafür entschieden, in Zukunft das Nationaltrikot Polens zu tragen.

          Im Kader von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, mit dem sie Anfang 2019 ein erstes Wintertrainingslager absolvierte, sei die Konkurrenz sehr hart; die Polen hatten sich öfter danach erkundigt, ob die Trägerin der Fritz-Walter-Medaille für die beste deutsche Nachwuchsspielerin 2018 zu ihnen wechseln würde. „Das Konzept spricht mich an“, sagt Pawollek. Polen habe im Frauenfußball in den vergangenen Jahren einen Schritt nach vorne gemacht; einige Spielerinnen aus dem Nachbarland wie die Wolfsburgerin Ewa Pajor oder die Leverkusenerin Sylwia Matysik seien mittlerweile in der Bundesliga aktiv.

          Im Juni könnte Tanja Pawollek bei einem Trainingslager ihr Debüt bei den Polinnen nachholen. Sicher sei das noch nicht. Der Fokus liegt erst mal auf der Bundesliga. Und darauf, dass sich die Eintracht auch auf dem Feld wieder so auf ihre kämpferische Kapitänin verlassen kann, als wäre sie nie weg gewesen.

          Weitere Themen

          Der Weg der neuen Eintracht

          Fußball-Bundesliga : Der Weg der neuen Eintracht

          Ein Kulturbeauftragter und zwei Brecher: Die drei Schlüsseltransfers Götze, Alario und Kolo Muani werden dem Spielstil der Eintracht mehr Flexibilität und Klasse verleihen. Das könnte sich auch auf die Grundtaktik auswirken.

          Topmeldungen

          Ein Thermogramm offenbart die energetischen Schwachstellen. Von weiß über rot, gelb und blau nach schwarz signalisiert warm bis kalt.

          Haus, Auto, Kühlschrank : Wie sich jetzt Energie sparen lässt

          Die Regierung ruft zum Energiesparen gegen Russland auf. Frieren für den Frieden muss das nicht bedeuten – aber es gibt viele Möglichkeiten, wie jeder einzelne weniger Gas und Öl verbrauchen kann.
          Ein LNG-Tanker löscht Flüssiggas im Hafen von Barcelona.

          Russisches Gas : Investitionsruine LNG-Terminal

          Deutschland und die EU investieren Milliarden in LNG-Terminals. In fünf bis zehn Jahren aber werden die gar nicht mehr gebraucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.