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Frauenfußball-Bundesliga : Angriff der Eintracht auf die Spitze

  • -Aktualisiert am

Spitzenklasse: Torfrau Merle Frohms Bild: Moritz Kegler/Jan Huebner

Die Fußballfrauen der Frankfurter Eintracht haben auf vielfältige Weise an Qualität hinzugewonnen – Lohn ist Platz drei. „Dieses Erfolgsrezept wollen wir weiterführen“, sagt Trainer Niko Arnautis.

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          Sieben Siege nach den ersten neun Spielen – die Frauen der Frankfurter Eintracht sind tabellarisch und atmosphärisch derzeit obenauf. Man muss lange zurückblättern, um solch eine Bundesliga-Startbilanz made in Hessen zu finden. Bis ins Jahr 2014, um genau zu sein. Am Ende jener Spielzeit 2014/15 stand für den 1. FFC Frankfurt der Gewinn der Champions League – es war das letzte große Hurra der alten Zeitrechnung in diesem Sport, als reine Frauenfußballvereine noch nach Titeln greifen konnten. Es folgten sportlich dürre Jahre. Erst jetzt, mit quasi sieben Jahren Anlauf, ist unter dem Eintracht-Dach eine Mannschaft entstanden, welche die Fantasie anregt und auf dem Sprung scheint.

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          Nach dem Einzug ins Pokalfinale in der Vorsaison nun Platz drei in der Liga mit nur einem Punkt Rückstand auf die Spitze; herausgespielt von einer jungen Mannschaft, deren Qualitäten offensichtlich sind. Personell kaum verändert, steht nun ein eingespieltes, gereiftes, taktisch variableres Ensemble auf dem Feld, das nicht wie in der Vorsaison in komplizierten Momenten hektisch wird, sondern an Ruhe und Überzeugung gewonnen hat. Zehn A-Nationalspielerinnen waren unlängst auf Reisen – auch die Österreicherin Virginia Kirchberger, die beim 9:0 gegen Luxemburg einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitt und für die restliche Saison auszufallen droht.

          Die vier Deutschen kamen in den beiden Länderspielen gegen die Türkei (8:0) und in Portugal allesamt zum Einsatz, Laura Freigang erzielte ihren neunten Treffer im zehnten Länderspiel, Sjoeke Nüsken ihr zweites Tor im neunten Einsatz. „Wir sind einen langen Weg gegangen, um dorthin zu kommen, wo wir gerade sind“, sagt Trainer Niko Arnautis, der die Entwicklung in seiner vierjährigen Amtszeit maßgeblich vorangetrieben hat.

          „Dieses Erfolgsrezept wollen wir weiterführen“

          Der 41-Jährige darf viel von dem Lob, dass die Eintracht-Frauen derzeit bekommen, für sich reklamieren. Schließlich hat er ein Spitzenteam aus dem (mitunter schon seit Jahren) bestehenden Spielerinnenmaterial geformt. Aus Spielerinnen, die er zum Teil schon in jungen Jahren als Lehrertrainer in der Carl-von-Weinberg-Schule, der zertifizierten Frankfurter „Eliteschule des Fußballs“, mit auf den Weg genommen hat. Mit Tanja Pawollek, Janina Hechler, A-Nationalspielerin Sophia Kleinherne, Shekiera Martinez, Camilla Küver sowie der 19-jährigen Madeleine Steck und der Langzeitverletzten Lea Schneider sind es im aktuellen Kader gleich sieben Spielerinnen.

          Dazu kommen weitere, davon einige Juniorennationalspielerinnen, die derzeit noch in der zweiten SGE-Mannschaft in der zweiten Liga beheimatet sind. „Dieses Erfolgsrezept wollen wir weiterführen“, sagt Arnautis, der als Bundesligatrainer nur noch wenige Stunden in der Woche den Nachwuchs an der Carl-von-Weinberg-Schule sichtet. Schließlich erfordert es seine volle Konzentration, dass am Ende dieser Spielzeit die erste Qualifikation für die Champions League seit 2014 stehen soll. „Desto schneller, umso schöner“, sagt Arnautis vor dem Heimspiel gegen Turbine Potsdam an diesem Freitag (18.00 Uhr bei Eurosport und MagentaSport). „Wir wollen näher an die Spitze herankommen, keine Frage. Aber einen festen Zeitpunkt dafür haben wir nicht gesetzt.“

          Doch wird diese Mannschaft, in der die persönlichen Ansprüche gewachsen sind, zusammenzuhalten sein, wenn das internationale Geschäft abermals verpasst wird? „Die Spielerinnen registrieren, wie sie sich persönlich und als Team weiterentwickeln. Sie sehen, welchen Fußball wir spielen. Und das stiftet Motivation dafür, den nächsten Schritt bei der Eintracht zu gehen“, so Arnautis. Für die deutsche Nummer eins Merle Frohms sowie Sophia Kleinherne, Sjoeke Nüsken und Laura Freigang winkt am Saisonende die EM-Teilnahme – es wäre für alle das erste große Turnier in der DFB-Auswahl (Frohms hat die WM 2019 als Ersatztorfrau erlebt).

          Auch Neuzugang Nicole Anyomi, die lange verletzt war, gehört zum erweiterten Kreis von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die auch wahrgenommen hat, welchen Sprung die Eintracht von einer Saison zur nächsten gemacht hat. In der vergangenen Runde waren es am Saisonende 30 Punkte (neun Siege), nun sind es nach weniger als der Hälfte der Saison schon 21 Zähler (sieben Siege). Der 3:2-Heimsieg gegen Meister Bayern München war sicher „ein prägendes Erlebnis, dass wir auch die Großen schlagen können“, so Arnautis, aber der Fortschritt lässt sich noch besser an anderen Partien ablesen.

          Die Bundesliga-Mittelmächte Essen, Leverkusen und Freiburg, mit denen sich die Frankfurterinnen in den Vorjahren mit reichlich Punktverlusten auf Augenhöhe maßen, wurden nun auswärts allesamt zu null besiegt. Und der Favoritenrolle gegen Sand, Köln und Jena ist die SGE seriös und spielfreudig (12:1 Tore) gerecht geworden. Sportdirektor Siegfried Dietrich spricht von einem „Zwischenergebnis, das uns sehr positiv stimmen kann“.

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