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Frankfurter Millionendeal : Warum die Eintracht für Sponsoren so attraktiv ist

  • -Aktualisiert am

Jubelnächte der Frankfurter Eintracht: ein Grund für den Imagegewinn des Fußballklubs Bild: AP

Von Geld und Liebe: Eintracht Frankfurt wird plötzlich zum Sympathieträger für die Deutsche Bank. Doch der Weg des Bundesligaklubs zu einem seriösen Partner für Großunternehmen war lang.

          3 Min.

          Jahrelang musste sich Heribert Bruchhagen fragen lassen, wieso es der Frankfurter Eintracht nicht gelänge, in der Bankenstadt Frankfurt einen Partner zu finden, der den traditionsreichen hessischen Fußballklub mit den nötigen Finanzmitteln ausstattet, um an die Bundesligaspitze vorzustoßen. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Eintracht, das Musterbeispiel eines seriös wirtschaftenden Geschäftsmannes, mochte nie eine richtige Erklärung nennen.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Dabei kannte er wohl die Antwort. Die Eintracht war als launische Diva vom Main gebrandmarkt, eine Bezeichnung, die vor allem von der Spielweise der Bundesligamannschaft herrührte, die in den siebziger und achtziger Jahren zwischen Welt- und Bezirksklasse pendelte. Aber der Name passte auch zu den manchmal unseriösen Anwandlungen der Vereinsleitung, die von der Zustellung einer Kündigung durchs Klofenster bis zur süffisanten Beleidigung von Trikotsponsoren reichten.

          Vor fünf bis zehn Jahren war die Zeit noch nicht reif, das konservative Wirken Bruchhagens hatte noch nicht in den Köpfen der Entscheider in Industrie und Wirtschaft verfangen. An diesem Mittwoch bestätigte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, dass sein Klub eine Vereinbarung mit der Deutschen Bank über sieben Jahre getroffen habe, die weit über eine übliche Sponsorenbeziehung hinaus geht. Ausgerechnet Hellmann, der von Bruchhagen während ihrer gemeinsamen Vorstandszeit als beunruhigend modern und zu risikofreudig beargwöhnt wurde.

          Lange geplant, Interesse geweckt

          Es ist nicht so, dass Hellmann lediglich geerntet hätte, was Bruchhagen seinerzeit säte. Seitdem der 48 Jahre alte Rechtsanwalt die strategische Ausrichtung der Eintracht vorgibt, hat er mit sehr viel Dünger aus den Saatkörnern erst ein zartes Pflänzchen und mittlerweile eine stattliche Frucht entstehen lassen, die sich gut verkaufen lässt. Das Saatgut hätte sich durch stoisches Wässern auf die Bruchhagen-Art wohl nie so hervorragend entwickelt.

          Eine Verbindung mit einem großen Unternehmen, einem strategischen Partner, erschien Hellmann schon immer als herausragende Lösung, um die Frankfurter Eintracht in der Hierarchie der Fußball-Bundesliga nach oben zu bringen. Im Herbst 2019 hielt er die Zeit für reif, an die Deutsche Bank heranzutreten. Der sportliche Aufschwung hatte sich als stabil erwiesen, in zähen Verhandlungen mit der Stadt Frankfurt war der neue Stadionnutzungsvertrag geschlossen worden, der die Eintracht endlich zum eigenen Herrn im Haus machte. Die Eintracht hatte nun auch wirklich etwas Interessantes zu verkaufen. Als Allererstes den Stadionnamen. Aber Hellmanns Konzept ging viel weiter. Er bot seine Eintracht im Steigflug (Pokalsieg, Europa-League-Halbfinale, Neubau Proficamp, Stadionausbau) emotional positiv besetzten Partner für einen Konzern an, der in den vergangenen Jahren einige negative Schlagzeilen produziert hatte.

          Hellmann stieß mit seinem Projekt beim Vorstand der Deutschen Bank mit seinem Vorsitzenden Christian Sewing an der Spitze auf großes Interesse. Ein Interesse, aus dem eine Überzeugung erwuchs, die allen Anfeindungen innerhalb des Hauses und durch die Corona-Krise standhielt. Diese Tatsache betonte Hellmann am Mittwoch: „Die Deutsche Bank hält Wort, sie hat zu allen Vereinbarungen gestanden, die vor Corona getroffen wurden, und sie hat nicht die Krise genutzt, um nachzuverhandeln. Das nötigt uns großen Respekt ab.“ Und der Eintracht-Vorstand fügte an: „Die Deutsche Bank hat den Inhalt, die Ziele und die Visionen der Partnerschaft von Anfang an gespürt und verstanden.“

          Auf Augenhöhe mit dem Sponsor

          Aus den Worten spricht das Selbstbewusstsein des Vereins, dem Sponsor auf Augenhöhe begegnen zu können, weil er ihm einen angemessenen Mehr-Wert durch die Zusammenarbeit anbietet. Worin er besteht, wird durch den Vertragsinhalt deutlich. Einerseits geht das Geldhaus ganz öffentlichkeitswirksam eine Verbindung mit dem Sympathieträger einer ganzen Region durch das Namenspatronat für das Stadion-Areal mit Arena und Proficamp ein. Andererseits wird die Deutsche Bank Teil der Eintracht-Familie beziehungsweise der zahllosen Eintracht-Kunden, in dem sie den Amateur- und Breitensport unterstützt sowie bei der Digitalisierung des Stadions mitwirkt.

          Ein Kernpunkt wird die Entwicklung eines digitalen Bezahlsystems sein, das nicht nur in der Arena Anwendung finden soll, sondern auch darüber hinaus in der Wirtschaftswelt. „Wir wollen über das heutige Stadionerlebnis hinaus im Alltag der Menschen eine Rolle spielen“, sagte Hellmann am Mittwoch. Die Eintracht darf für sich in Anspruch nehmen, dass das schon so ist. Für die Deutsche Bank bleibt es ein Ziel, über das Geschäftliche hinaus eine Rolle im Alltag der Menschen zu spielen.

          Die emotionale Verknüpfung mit der Eintracht ist der Deutschen Bank so wichtig, dass sie auch dem Wunsch des Klubs bei der Farbgestaltung des Stadions nachkommt. Der „Deutsche Bank Park“ wird nicht in blau und weiß gehalten sein, den Farben des Bankhauses, sondern es wird das Schwarz-Weiß-Rot der Eintracht vorherrschen.

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