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Fußball : Ein zentrales Problem der Frankfurter Eintracht

  • -Aktualisiert am

Das mag Chris nicht fassen: Er ist nach der roten Karte gegen Köln für zwei Spiele gesperrt Bild: dpa

Chris für zwei Spiele gesperrt, Vasoski noch nicht in Bestform und Bellaid ein steter Risikofaktor – in der Innenverteidigung der Frankfurter Eintracht beginnt die Suche nach dem passenden Mann an der Seite von Russ mal wieder von vorne.

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          Kaum da, und schon wieder weg. Christian Maicon Hening, kurz: Chris, kennt das. Der Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt würde von 34 Saisonspielen seines Vereins in der Bundesliga vermutlich 34 bestreiten – wäre er denn immer gesund. Der Brasilianer gehört unbestritten zu den besten Eintracht-Profis, ist allerdings anfällig für Verletzungen. Das ist auch in dieser Saison so, da kam er bis zum 2:2 am Samstag gegen Köln gerade mal auf sieben Spiele. Das achte wird er wieder verpassen. Diesmal allerdings nicht wegen körperlicher Beschwerden, sondern wegen seiner Roten Karte gegen Köln. Gesperrt statt verletzt, am Ende kommt das aufs selbe heraus. Zwei Spiele wird Chris aussetzen müssen, so entschied am Montag das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Ein zentrales Problem, denn Trainer Friedhelm Funkel wird sich wieder eine neue Innenverteidigung suchen müssen.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Duo Chris/Marco Russ jedenfalls ist erst einmal gesprengt. Das ist ärgerlich genug, wirkt aber angesichts des nächsten Gegners am Samstag geradezu bedrohlich. Im zweiten Heimspiel binnen einer Woche kommt der VfL Wolfsburg als Gegner. Und der ist als Siebter der Tabelle nicht nur ein Schwergewicht der Liga, er hat auch einen exzellenten Angriff. Der Brasilianer Grafite und der Bosnier Edin Dzeko gehören zum erfolgreichsten, was diese Spielklasse zu bieten hat. Grafite hat bislang schon zwölfmal getroffen, Dzeko siebenmal.

          Lob für Russ

          Es kommt also einiges auf die Frankfurter Innenverteidigung zu – egal, in welcher Besetzung sie spielt. Russ ist gesetzt. Er ist Stammspieler und für Funkel auf Augenhöhe mit den besten jungen deutschen Innenverteidigern in der Liga. Mindestens. Ob Mats Hummels in Dortmund, Benedikt Höwedes bei Schalke 04 oder Marvin Compper und Matthias Jaissle in Hoffenheim: Wenn Russ in Form und gesund sei, sagt Funkel „dann muss er sich vor keinem dieser Spieler verstecken“. Vor Compper gar „überhaupt nicht“. Während die anderen drei als Nationalspieler von morgen gelten, hat Compper bereits einmal für Deutschland gespielt. Hoffenheim stehe zwar im Fokus der Öffentlichkeit, Compper aber müsse erst noch Konstanz beweisen, er habe nicht allzu viel Erfahrung und noch keinen Einsatz im Europapokal – anders als Marco Russ, der zwar erst 23 Jahre alt ist, aber schon über achtzig Bundesligaspiele bestritten hat.

          Fehlt also noch der zweite Mann für das Spiel gegen Wolfsburg. Aleksandar Vasoski könnte das sein, schließlich wurde er gegen Köln eingewechselt und spielte etwa eine Viertelsunde. Allerdings war es erst sein erster Einsatz nach diversen Operationen und einer monatelangen Pause. Wo er steht, kann keiner wissen. Auch Funkel nicht. Was er sieht, ist „viel Aggressivität im Training“. Der Spieler mache einen guten Eindruck. Allerdings: „Wie weit er ist, sieht man im Endeffekt erst im Spiel.“ Ein Restrisiko bleibt also. Das gilt allerdings auch für den anderen Bewerber, den Franzosen Habib Bellaid. Der war zwar nicht verletzt, gilt aber als Risikofaktor, hochbegabt zwar, aber bisweilen nicht geradlinig genug in seiner Spielweise. „Bei ihm müssen wir noch die Leichtsinnigkeit aus dem Kopf bekommen“, sagt Funkel.

          „Französische Fußballer sind oft leichtsinniger“

          Was dieses Thema betrifft, ist er mit dem jungen Mann in regelmäßigem Austausch. Dessen Vorliebe für Risikopässe soll eingedämmt werden. Funkel erinnert dabei an einen ehemaligen Eintracht-Profi, der im Zweifelsfall die rustikale der spielerischen Lösung bei der Abwehrarbeit vorgezogen hat: der Defensivkoloss Sotirios Kyrgiakos. Der Grieche, der die Eintracht im vergangenen Jahr verlassen hat, hatte keine Hemmungen, einen Ball in der Not auch einmal auf die Tribüne zu dreschen. „Das ist nicht immer der bessere Weg“, sagt Funkel, „manchmal aber schon.“ Bellaid ist anders gestrickt, was seine Mannschaft bisweilen in Bedrängnis bringen kann. Eine Frage der Mentalität, wie Funkel findet. „Französische Fußballer sind oft leichtsinniger“, sagt er.

          Sollte sich Funkel für Bellaid entscheiden, wäre sein zentrales Abwehrduo jünger als bei anderen Mannschaften üblich. Auch Bellaid wird im März erst 23 Jahre alt. Trainer hätten auf diesen Schlüsselpositionen zwar gerne zumindest einen erfahrenen Spieler dabei, gibt er zu. Allerdings zeigten andere Mannschaften, dass man auch mit zwei jungen Innenverteidigern auf einmal spielen könne. Borussia Dortmund zum Beispiel. Dort ist der frühere Mainzer Neven Subotic Nebenmann von Hummels. Anfangs galten sie als „Kinderriegel“. Aber davon ist längst keine Rede mehr. Bellaid darf also hoffen.

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