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Eintracht im Saisonendspurt : „Noch einmal alles raushauen“

Da geht´s lang: Trainer Adi Hütter in seinen letzten Tagen als Eintracht-Trainer Bild: dpa

Schon im Flutlichtspiel gegen Augsburg will die Eintracht den laschen Eindruck vom 0:4 bei Hütters zukünftigem Klub verwischen. Den Zusammenhang zwischen Wechsel und Schlappe weisen die Spieler zurück.

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          Gleichauf mit Leipzig, das ist doch was. Zwar nicht tabellarisch, denn RB liegt als erster Verfolger des alten und sicherlich auch neuen deutschen Fußballmeisters Bayern München acht Punkte vor der Eintracht. Doch ebenso wie die Sachsen haben die Hessen lediglich vier ihrer bisher absolvierten 29 Bundesligaspiele verloren. Dies ist einer der Gründe für den monatelangen Höhenflug der Frankfurter.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Doch jetzt ist er jäh gestoppt. 0:4 bei Borussia Mönchengladbach: Für die chancenlose Mannschaft des scheidenden Trainers Adi Hütter ist es die zweithöchste Saisonniederlage. „Aggressivität, Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft haben uns vor dem Tor gefehlt“, bemängelte Fredi Bobic. Nicht nur der Frankfurter Sportvorstand, auch der Trainer ist am Samstag letztmalig als Vertreter der Eintracht im Rahmen eines Bundesligaspiels in Mönchengladbach gewesen. Bobic schließt sich im Sommer Hertha BSC an – unabhängig von der Klassenzugehörigkeit, wie er nach dem 0:4 bestätigte. Hütter wird Nachfolger des nach Dortmund wechselnden Trainerkollegen Marco Rose bei der anderen Borussia vom Niederrhein.

          Bobics Parole – „Mund abputzen, das nächste Spiel kommt am Dienstag gegen Augsburg“ – mag plausibel klingen. Doch es gilt, das bittere 0:4 aufzuarbeiten und zu analysieren. Wie konnte es nur passieren, dass die zuvor von Sieg zu Sieg und zielstrebig in die Champions League eilende Eintracht derart ins Straucheln gerät und einen Schlag in die Magengrube erhält?

          „Es passiert leider, dass man mal zwischendrin ein Spiel verliert“, sagte Bobic und versprach: „Die Jungs werden diese Niederlage aus den Kleidern schütteln können. Die Mannschaft ist eingeschworen und geschlossen.“ Und der kommende Gegner Augsburg (Dienstag, 20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) ist allemal schlagbar. Gegen den Gegner Gladbach war die Eintracht nicht imstande, ihr Potential abzurufen. „Wir sind sehr enttäuscht und ärgern uns, weil wir nicht das gespielt haben, was wir können, und uns teilweise nicht gut verhalten haben, speziell bei den Standards“, bemängelte Hütter, der in seiner Analyse verbal auf Angriff umschaltete und vorrechnete: „Bis heute haben wir 2021 einen Punkt mehr als Bayern München geholt. Das sagt einiges aus. Es war die vierte Niederlage der Saison. Am Dienstag möchten wir eine Reaktion zeigen und wieder aufstehen. Das ist unsere Aufgabe und unsere Pflicht.“

          Die Eintracht gegen Gladbach – es war Spiel eins nach der Bestätigung, dass es Hütter („Ich bleibe“) zu Beginn der neuen Spielzeit als Nachfolger von Rose zur Borussia zieht. Natürlich gab es Fragen nach dem 0:4, und Eintracht-Torhüter Kevin Trapp war der Erste, der fast wie auf Kommando in die Fernsehkameras sagte: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Niederlage und der Entscheidung von Adi Hütter. Wir stehen als Mannschaft auf dem Platz.“ Bei der Suche nach Gründen für die schwache Leistung wurde Trapp schnell fündig. „Wir haben viele Fehlpässe gespielt, sind vor allem in der ersten Halbzeit nicht in unser Tempo gekommen.“

          Trapp sprach von einem „unglücklichen Tag für uns“, an dem so gut wie nichts nach den Vorstellungen von Trainer und Mannschaft zusammenlief. Der Torhüter, eine der Triebfedern der immer noch auf Tabellenplatz vier stehenden Mannschaft, will im Verbund mit seinen Mitspielern „in den verbleibenden fünf Spielen noch einmal alles raushauen“. Dies wird im Saisonendspurt auch dringend nötig sein, denn die Eintracht spürt schon den Atem des BVB im Rücken. Dank des 4:1 am Sonntagnachmittag gegen Werder Bremen liegt Dortmund jetzt nur noch vier Punkte hinter der Eintracht.

          Gegen den FC Augsburg, Gegner an diesem Dienstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) unter Flutlicht in der Frankfurter Arena, will die Eintracht „ein anderes Gesicht zeigen“. Es ist der Plan, den Sebastian Rode noch im Mönchengladbacher Borussia-Park präsentierte. „Wir wollen die Niederlage schnell abhaken“, sagte der Hesse, der stets mit viel Herzblut seiner spielerischen Arbeit nachgeht und beim 0:4, herausgeschossen durch Matthias Ginter (10. Spielminute), Jonas Hofmann (60.), Ramy Bensebaini (67.) und Hannes Wolf (90.+5), die Mannschaft als Kapitän anführen durfte.

          Abwehrchef Martin Hinteregger stand verletzungsbedingt ein weiteres Mal nicht zur Verfügung; der ansonsten als Spielführer vorgesehene Makoto Hasebe kam erst nach einer guten Stunde in die Partie, die zu diesem Zeitpunkt – die Eintracht lag 0:2 zurück – gegen die an diesem Samstag klar bessere Mannschaft schon verloren war. Rodes Nebenmann Djibril Sow sprach aus, was alle gesehen hatten: „Wir haben verdient verloren – gegen eine Champions-League-Mannschaft“, wie der Schweizer die zukünftige Truppe seines vorzeitig Frankfurt verlassenden Trainers Hütter bezeichnete. Den Grund für die mangelnde Performance machte Sow schnell aus. „Das Feuer, das uns die gesamte Saison über auszeichnet, hat uns heute gefehlt“, sagte er. Um den Vorsprung vor den Verfolgern aus Dortmund und Leverkusen bis zum Saisonschluss zu behaupten und damit in die angepeilte Champions League zu ziehen, braucht die Eintracht Feuer, Fortüne und Format.

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