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Fusion mit FFC unterschrieben : In Frankfurt herrscht volle Eintracht

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Der FFC ist ein Auslaufmodell: Künftig bekommen auch Mädchen in Frankfurt einen Eintracht-Strampler Bild: Wolfgang Eilmes

Die Ehe ist besiegelt: Die Eintracht nimmt die Frauen des FFC bei sich auf. Frankfurt könnte wieder zu einem Top-Standort im Fußball der Frauen werden. In den Geburtsstationen gibt es künftig allerdings nur noch einen Strampler.

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          Die Unterschriften wirken bis in die Geburtsstationen Frankfurter Kliniken hinein. Denn dort war es viele Jahre Usus, dass die neugeborenen Mädchen als städtisches Willkommensgeschenk einen Strampler mit Emblem des 1. FFC Frankfurt und die Jungen einen mit Eintracht-Adler bekommen. Seit Dienstagabend steht fest, dass vom 1. Juli an alle kleine Neubürger nur noch in Eintracht-Farben gehüllt werden. Die Vorstände der Klubs haben den seit Monaten vorbereiteten Fusionsvertrag unterzeichnet, der FFC geht in der Eintracht auf. Manager Siegfried Dietrich war ergriffen von diesem Moment am Dienstagabend, als sein „Lebenswerk in sicheres, professionelles Fahrwasser gebracht“ worden sei, wie er sagte.

          Es ist über zwei Jahre her, dass der Frauenfußball-Macher von den Eintracht-Spitzen nicht mehr nur angehört wurde mit seinem Fusions-Ansinnen, sondern Signale empfing, das Projekt zu starten. Entstehen soll ein Frauenfußball-Zentrum, dessen erste Mannschaft vom sportlichen Los des FFC, seine Spielzeiten im Bundesliga-Mittelfeld zuzubringen, zu befreien. Die Zeiten, in denen Dietrich mit Mühe ein Budget von 1,6 Millionen Euro auf die Beine stellte und Topteams wie der VfL Wolfsburg und Bayern München immer weiter davonzogen, sind vorbei. „Die neue Ausrichtung bringt neue Ziele mit sich. Wir wollen weiter oben anklopfen“, sagt Dietrich, der am Mittwochabend eine 1:2-Niederlage seines Teams gegen die SGS Essen miterleben musste.

          Gewichtige Mitgift

          Auch wenn die neuen Partner ein organisches und nicht von sofortigen großen Kapitalspritzen angefachtes Wachstum anstreben, soll die neue Frauenfußball-Abteilung der Eintracht schon in der neuen Saison sportlich erblühen. Erklärtes Ziel ist Bundesligarang drei, der in der Spielzeit 2020/21 erstmals für die Teilnahme an der Champions League berechtigen wird. Der FFC habe Frankfurt zu einem „herausragenden Standort für den nationalen und internationalen Frauenfußball werden lassen“, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. „Dies in einem veränderten Wettbewerbsumfeld zu erhalten, sehen wir für Frankfurt, aber auch für den deutschen Spitzenfußball der Frauen als wichtige Aufgabe an.“

          Die Braut FFC bringt eine gewichtige Mitgift mit in die Ehe: Sie reicht von der fürs Eintracht-Museum sicherlich interessanten Pokalsammlung mit sieben deutschen Meistertiteln, acht Pokalsiegen und vier Europapokalerfolgen über die schmucke Heimstatt, dem Stadion am Brentanobad, über das Netzwerk aus Jahrzehnten im (internationalen) Frauenfußball bis hin zu einem zukunftsfähigen Team. Darunter mit Sophia Kleinherne (20 Jahre) und Laura Freigang (22) zwei deutsche Nationalspielerinnen sowie mit Sjoeke Nüssken, Tanja Pawollek, Janina Hechler und Shekiera Martinez junge Akteurinnen, denen dieser Weg ebenfalls zuzutrauen ist.

          Die Mitarbeiter des kleinen FFC-Geschäftsstellen-Teams werden ebenfalls von der Eintracht übernommen. Dietrich wird zwar nicht mehr über die gewohnte Allmacht wie beim FFC verfügen, soll aber weiter an verantwortlicher Stelle tätig sein. Wie seine bislang Position als Generalbevollmächtigten des Eintracht-Frauenfußballs ausgestaltet wird, soll demnächst bekanntgegeben werden. Von dem Plan, neben Dietrich noch einen Sportdirektor zu installieren, scheint abgerückt worden zu sein. Fest steht, dass FFC-Cheftrainer Niko Arnautis weiter das Bundesligateam betreuen wird.

          Die einstige Nationalspielerin Kim Kulig bleibt verantwortlich für die Zweitvertretung in der zweiten Liga. Diese beiden Mannschaften werden in die Eintracht Fußball AG integriert. Wie die weiteren vier Frauen- und Mädchenteams des FFC mit den fünf schon existenten Eintracht-Mannschaften im Verein verschmelzen sollen, ist neben anderen offen Personalfragen noch nicht geklärt.

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