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Frauenfußball-Bundesliga : „Das ist schon eine Klatsche“

  • -Aktualisiert am

Am Boden: Sara Doorsoun und die Eintracht sind in Wolfsburg chancenlos. Bild: Imago

Auf dem Weg nach ziemlich weit oben fehlt den Frauen der Frankfurter Eintracht noch ziemlich viel, wie das 0:5 bei Branchenprimus VfL Wolfsburg zeigt.

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          Ihre aufmunternden Lieder waren gut gemeint. Bei klirrender Kälte hatten ein paar unentwegte Fans durchgehalten und rund anderthalb Stunden auf die Abfahrt des Mannschaftsbusses gewartet. Sie gaben sich große Mühe, eine gedemütigte Mannschaft irgendwie doch noch zu trösten. „Das ist schon eine Klatsche“, gestand Sjoeke Nüsken. „Der VfL Wolfsburg war in allen Belangen überlegen“, ergänzte Laura Feiersinger.

          Bei den Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt reifte nach der 0:5-Niederlage im Spitzenspiel die Erkenntnis, dass ihnen auf dem Weg nach ziemlich weit oben noch ziemlich viel fehlt. Eintracht-Trainer Niko Arnautis blickte auf einen bitteren Tag zurück, „an dem wir Hausaufgaben bekommen haben“. Die Wolfsburgerinnen hatten seinem Team ohne jede Gnade aufgezeigt, was sich mit Konsequenz, Wucht und Effektivität erreichen lässt.

          Welche Bilder dieses ungleichen Duells werden bleiben? Die aus Frankfurt mitgereisten Anhänger konnten sich zumindest daran erfreuen, dass sich Laura Freigang nach dem Abpfiff erstaunlich viel Zeit für Selfie-Aufnahmen und Autogrammwünsche nahm. Die Nationalspielerin war in der 61. Spielminute ganz allein auf das Wolfsburger Tor zugelaufen, konnte die einzige Frankfurter Chance aber nicht nutzen. Alle anderen Bemühungen gingen in einem Spielverlauf unter, der Gift für jede noch so intakte Teammoral war. Dem frühen Rückstand durch ein Tor der überragenden Jill Roord (drei Treffer) folgten individuelle Fehler von Torhüterin Stina Johannes und Verena Hanshaw, die noch vor der Halbzeitpause das 0:2 und 0:3 begünstigten. Kurz vor dem zweiten Advent wurden Geschenke verteilt an einen Favoriten, der die Einladungen eiskalt annahm. Vor 14 027 Zuschauern im Stadion des VfL Wolfsburg wirkte das Frankfurter Team am Ende ganz klein.

          Der Plan der Eintracht für diesen mit Spannung erwarteten neunten Spieltag der Frauen-Bundesliga war missglückt. Aus einer gut sortierten Abwehr immer wieder schnell nach vorne zu stürmen und spielerische Lösungen zu finden – das gelang so gut wie gar nicht. Und es sah wirklich merkwürdig aus, als die früher bei Frankfurt spielende VfL-Torhüterin Merle Frohms während der einseitigen Partie damit begann, sich mithilfe kleiner Tempoläufe quer über das Spielfeld warm zu halten. „Es hat Spaß gemacht, von hinten zuzuschauen“, sagte die Keeperin eines Tabellenführers, an dessen Thron nicht im Ansatz gerüttelt werden konnte.

          Und als wäre der Nachmittag in Niedersachsen nicht ohnehin schon gründlich genug misslungen, rundete das Eigentor von Sara Doorsoun zum 0:5 gegen ihren früheren Verein ein Debakel ab, das den Frankfurter Ambitionen in aller Deutlichkeit Grenzen aufzeigte. Wie hatte es Laura Feiersinger so salomonisch zusammengefasst? „Es ist gut zu sehen“, sagte die Mittelfeldspielerin, „wo wir hinwollen.“

          Im Duell zwischen Spitzenreiter und Verfolger waren keine feinen, sondern ziemlich große Unterschiede sichtbar geworden. Körperliche Präsenz wie die der Wolfsburgerin Lena Oberdorf, die ihre Gegenspielerinnen gern durch resolutes Eingreifen bremst, gab es auf Frankfurter Seite so gut wie gar nicht. Und dass der VfL zwischenzeitlich mal eine schwache Phase hatte, fiel bei seiner Dominanz auch nicht ins Gewicht. Die Gegentore zwei und drei, von Jill Roord und Ewa Pajor erzielt, waren laut Eintracht-Spielerin Sjoeke Nüsken unnötig. Sie besaßen die Wirkung von Schlägen ins Gesicht.

          „Hat sich nicht wie ein 0:5 angefühlt“

          Ein Aufbäumen kam nach diesem Rückstand kaum mehr infrage. Einzig die eingewechselte Carlotta Wamser zeigte mit hoher Einsatzbereitschaft und einem enormen Laufpensum, dass mehr Widerstand gegen das drohende Ungemach durchaus möglich gewesen wäre. Selbst die treuesten Eintracht-Fans hatten zwischenzeitlich ihre Anfeuerungsrufe eingestellt. Die riesige Fahne auf der Tribüne, die zu Beginn der Partie noch fleißig hin- und hergeschwenkt worden war, kam in der Schlussphase kaum noch zum Einsatz.

          Der Wolfsburger Trainer Tommy Stroot wurde nach dem souveränen Sieg gefragt, ob die Vorentscheidung auf dem Weg zum nächsten Meistertitel nun schon wieder gefallen sei. Er verneinte das höflich und gab sich große Mühe, mit seiner Freude über das einseitig verlaufene Spitzenspiel den Rivalen aus Frankfurt nicht zu sehr zu demütigen. Auf der obligatorischen Pressekonferenz wurden vornehmlich Höflichkeiten ausgetauscht, ohne die Chancenlosigkeit von Eintracht Frankfurt an diesem vorweihnachtlichen Samstag deutlich hervorzuheben.

          Bis zum Heimspiel am Freitag (19.15 Uhr) gegen Turbine Potsdam bleibt nur wenig Zeit für eine kritische Aufbereitung der ersten Niederlage für die Frankfurterinnen in der Bundesligasaison 2022/23. Nach Spielende hatte Eintracht-Trainer Arnautis darauf verzichtet, deutlich zu werden. Von einem Debakel oder einer Demütigung seiner Mannschaft zu sprechen blieb ihm fremd. „Es klingt zwar blöd. Aber es hat sich nicht wie ein 0:5 angefühlt“, sagte Arnautis.

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