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Frankfurter Trainingslager : Eine neue Spielanlage für die Eintracht

Vor dem großen Regen: Eintracht-Trainer Hütter im Lachen-Stadion. Bild: Jan Huebner

Coach Adi Hütter treibt den Umbruch voran und fordert mehr spielerisches Potential bei eigenem Ballbesitz. Ein Rückkehrer hinterlässt einen guten Eindruck.

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          Die Botschaft war eindeutig. Während sich in der zweiten Trainingseinheit des Tages jeweils zehn Eintracht-Profis spielend gegenüberstanden, drehten vier andere einsam ihre Runden auf der Tartanbahn des Lachen-Stadions: Marc Stendera, Nikolai Müller, Jetro Willems und Marijan Cavar. Ein Quartett, das bei der Eintracht keine Zukunft hat. „Es gibt einen ganz klaren Fahrplan über ihre Berater, dass sie den Verein verlassen sollen“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter kürzlich. Der Frankfurter Bundesligakader ist noch nicht fertig, und dass weitere Zu- sowie Abgänge erwartet werden, „ist ja kein Geheimnis“. Offen sind die drei Personalien Kevin Trapp, Sebastian Rode und Martin Hinteregger. „Alle drei hätten wir weiter gerne bei uns“, sagte Hütter am Ende des zweiten Trainingslagertages am Thunersee. „Es gibt aber auch andere Parteien. Jeder kämpft um die Spieler.“

          Andere Spieler, die schon den Dress der Eintracht tragen, müssen zusehen, dass sie schnell wieder fit werden. Zwar meldete sich nun Kapitän David Abraham im Trainingsbetrieb zurück. Aber der Schweizer Gelson Fernandes musste wegen Wadenproblemen in die Hauptstadt fahren. In einer Berner Klinik wurde eine MRT-Untersuchung vorgenommen. Nach seinem Abräumer vor der Abwehr befragt, sagte Hütter: „Wir müssen bei ihm abwarten. Ich hoffe, dass es nicht so lange dauern wird.“ Bei Jonathan de Guzmán, der gleichfalls angeschlagen vorzeitig sein Tagwerk beendete, scheint es mit einer zügigen Rückkehr zu klappen. Bei Neuzugang Djibril Sow, der mit Verdacht auf eine Oberschenkelzerrung gleichfalls vor dem offiziellen Ende abbrechen musste, ist nichts Genaues bekannt.

          Wofür die neue Eintracht-Mannschaft stehen will, hat Hütter preisgegeben. „Für mich geht es um eine neue Spielanlage“, sagte der 49 Jahre alte Österreicher. Es sei nicht wichtig, ob seine Elf in einer Dreier- oder Viererkette agiere. „Wichtig ist, dass wir in der gegnerischen Hälfte schnelle Balleroberungen haben wollen. Meine Spieler müssen alles können.“ Beispielsweise „im Ballbesitz besser werden“. Für Hütter ist es eine Selbstverständlichkeit, „dass jeder bereit sein muss, wenn er gebraucht wird. Jeder kann sich zeigen.“

          „Aahs“ und „Oohs"

          Auch Rückkehrer wie Daichi Kamada. Er hat vergangene Saison während seines Leihgeschäfts in Belgien weitere große Fortschritte gemacht. Der Japaner ist gut in Schuss. Er ist antrittsschnell, spielintelligent und präsent und in dieser Verfassung durchaus eine Bereicherung für die Frankfurter Offensive. Einen „ganz anderen“ Eindruck habe er nun vom Japaner, lobte Hütter. „Von seiner Ausstrahlung und seinem Selbstvertrauen her ist das ganz anders. Auch hier in der Schweiz habe ich bislang ein gutes Bild von ihm gewonnen.“

          Als die erste Übungseinheit des Tages gegen Mittag beendet war, kam der große Regen ins Berner Oberland – und damit verbunden ein Temperatursturz. Anders als noch kurz zuvor, als der Eintracht-Tross bei besten sommerlichen Bedingungen und vor den Augen von gut 200 Zuschauern sein Trainingslager startete, sah es nun schon ganz anders aus.

          Höhepunkt war am Ende ein kleines Turnier auf einem insgesamt auf dreißig Meter verkürzten Spielfeld, in dem es einige „Aahs“ und „Oohs“ gab. Für sportliche Knalleffekte sorgte Gonçalo Paciência mit einem wunderbaren Fallrückzieher sowie de Guzmán, der mit seinem Schuss in den Winkel aus seinen siegreichen Spielkameraden eine Jubeltraube werden ließ. Es sind erste Erfolgserlebnisse auf einem langen und beschwerlichen Weg, der die Eintracht zurück nach Europa führen soll. Der Einzug in die Gruppenphase der Europa League ist angestrebt, zugleich muss Hütter seine Spieler von der neuen Spielanlage überzeugen. Zugleich wird weiter am Personal justiert und im Trainingsbetrieb gearbeitet werden.

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