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Eintracht Frankfurt : „Mittelfeld ist nicht Mittelmaß“

Multikulturelle Millionentruppe: Trainer Friedhelm Funkel und seine Männer beim Training Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Mit der Begegnung bei Hertha BSC in Berlin startet die Frankfurter Eintracht in die Bundesliga-Rückrunde. Als Tabellenneunter, ausgestattet mit kommoden 23 Punkten, hat man sorgenfrei überwintert - und kräftig eingekauft.

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          Hessen im Team der Eintracht? Gibt es auch – aber die Gruppe der Eigengewächse ist überschaubarer geworden. Patrick Ochs, Marco Russ und Christoph Preuß bewegen sich inzwischen in einer Ansammlung internationaler Fußballer, die in Frankfurt Glück und Auskommen suchen. Heribert Bruchhagen, der starke Mann der Frankfurter Eintracht, der der ausgegliederten Aktiengesellschaft als Vorstandsvorsitzender seit mehr als vier Jahren Profil und Format gibt, hat aus dem einst maroden Traditionsverein ein profitables Unternehmen gemacht. Sein Ziel: „Die Eintracht zu einem vollwertigen Mitglied der Bundesliga zu machen.“

          Am Samstag steht mit der Begegnung bei Hertha BSC in Berlin zwar erst der Beginn der Rückrunde an, und noch sind siebzehn Spiele zu absolvieren. Doch die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel liegt auf Kurs. Als Tabellenneunter, ausgestattet mit kommoden 23 Punkten, hat man sorgenfrei überwintert und getreu den Unternehmensgrundsätzen Bruchhagens fleißig daran gearbeitet, im „modernen Städtekampf“ seinen Platz zu finden. „Mittelfeld ist nicht Mittelmaß“, sagt der 59 Jahre alte Fußballfachmann Bruchhagen.

          Späherblicke nach Osten, Westen und Süden

          Als eine Art Missionar hat er es sich zu einer seiner Hauptaufgaben gemacht, „den Leuten die Bundesliga zu erklären“. Doch viel zu erklären gibt es eigentlich nicht: Die großen Sechs – Bayern München, FC Schalke 04, Werder Bremen, Hamburger SV, Bayer Leverkusen und VfB Stuttgart – stellen sportlich und wirtschaftlich eine Klasse für sich dar. Keine Chance also auf absehbare Sicht, dass die Eintracht in die Phalanx der Mächtigen einbricht? „Das Ranking ist zementiert“, bemüht Bruchhagen in diesem Zusammenhang eine seiner Weisheiten.

          Vielleicht auch deshalb richten sich die Blicke der Eintracht-Späher seit längerem schon nach Osten, Westen und Süden. Das Resultat vielfältiger Beobachtungsreisen: Ein Mexikaner (Aaron Galindo), ein Brasilianer (Caio), ein Tscheche (Martin Fenin) und seit ein paar Tagen noch ein weiterer Grieche (Evangelos Mantzios) verdienen ihr Geld am Main. Da Trainer Funkel zudem einen Schweizer (Christoph Spycher), einen Österreicher (Markus Weissenberger), einen Mazedonier (Aleksandar Vasoski), einen Iraner (Mehdi Mahdavikia), einen Japaner (Junichi Inamoto), zwei Griechen (Ioannis Amanatidis und Sotirios Kyrgiakos) und einen Brasilianer (Chris) in seinem Kader weiß, ist der Klub längst zu einer multikulturellen Sache geworden. Das mag mancher kritisch sehen, aber nach Auffassung des Managers entspricht es den aktuellen Gesetzmäßigkeiten des Marktes: „Das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn man zum Mittelfeld der Liga gehören will.“

          Den Fans ist es ohnehin egal. Solange guter Sport geboten wird, kommen sie in Scharen ins Stadion. Gerade die Commerzbank-Arena, zur Fußball-WM 2006 errichtet, erweist sich für die Eintracht mehr und mehr als Faustpfand für wirtschaftliches Wohlergehen. Im Schnitt mehr als 46.000 Zuschauer kommen seit längerem zu den Heimspielen und sorgen für prallgefüllte Konten. Die mitunter finanzklamme Diva Eintracht? Das war einmal. Finanzvorstand Thomas Pröckl hält das erwirtschaftete Geld zusammen und verfügt über ansehnliche Festgeldbestände, die Millionentransfers erst möglich machen. Jeweils knapp vier Millionen Euro haben die Eintracht-Macher für Fenin und Caio überwiesen, und die 300.000 Euro Ausleihgebühr für Mantzios hat man quasi aus der Portokasse beglichen. Pröckl hat für die Millionentransfers eine einfache Begründung: „Wir wollen doch keine Privatbank werden.“

          Sportlich und wirtschaftlich grundsolide

          Gute Zeiten für die Eintracht? Wohl ja, denn für weitere Werbe- und Marketingpartner gibt es derzeit keine Möglichkeit mehr, einen Platz bei dem Frankfurter Traditionsverein zu bekommen. Auch Hauptsponsor Fraport, der dem Klub in einst schwierigen Zeiten, als im Sommer 2002 der Lizenzentzug drohte, maßgeblich geholfen hat, hat unlängst sein seit 2001 laufendes Engagement um weitere zwei Jahre verlängert. Wilhelm Bender, der fußballbegeisterte Vorstandschef, äußert immer mal wieder die Hoffnung, „dass die Eintracht in weitere Höhen abschwirrt“.

          Heribert Bruchhagen ist es lieber, wenn der Klub Bodenhaftung bewahrt. „Die Politik der kleinen Schritte geht weiter“, sagt er. Mit Friedhelm Funkel, der in sein fünftes Jahr als Trainer geht. Mit den Hessen im Team der Eintracht. Mit den vielen Ausländern. Und mit der Hoffnung, „im Städtekampf Bundesliga zu einem festen Bestandteil“ zu werden. Die „sexy Marke Eintracht“, von der Präsident Peter Fischer oft gesprochen hatte, ist der Klub schon lange nicht mehr. Dafür ein sportlich und wirtschaftlich grundsolides Unternehmen. Woche für Woche bewegt es die Massen.

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