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Von Triumph zu Desaster : Die Eintracht liefert Stoff für Hollywood

  • -Aktualisiert am

Aus und vorbei: Andy Möller (rechts) beim Abpfiff in Rostock am 16. Mai 1992 Bild: Imago

Nur ’59 macht ’92 ertragbar: Der Stachel von damals sitzt bei vielen noch so tief, dass nur der Blick noch weiter zurück Linderung verspricht. Im Museum des Frankfurter Bundesligaklubs ist nun eine berührende Ausstellung zu sehen.

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          Es ist eine gute Idee, dass Museumsleiter Matthias Thoma zwei der größten emotionalen Momente in der Geschichte der Frankfurter Eintracht zusammenspannte – „59/92: Die gewonnene und die verlorene Meisterschaft“. So heißt die neue Ausstellung im Eintracht-Museum, die an den Final-Triumph von 1959 in Berlin gegen Kickers Offenbach und an das Desaster von 1992 in Rostock erinnert, als am letzten Bundesliga-Spieltag der zum zweiten Meistertitel notwendige Sieg gegen den Tabellenletzten Hansa verpasst wurde. Der Stachel von Rostock sitzt bei den Eintracht-Fans immer noch so tief, dass eine Aufarbeitung der 1:2-Niederlage oder nur ein Gedenken an diesen 16. Mai 1992 ohne die gleichzeitige lindernde Wirkung des 5:3 vom 28. Juni 1959 kaum zumutbar erschiene. Der – allerdings ziemlich unpassende – Satz eines Eintracht-Fans drückt alles aus: „Was für die Amerikaner Vietnam war, das war diese Stadt an der Ostseeküste für uns.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Diese Aussage ist wie viele andere in der Videoinstallation zu hören, die den Kern der Ausstellung bildet, die an diesem Mittwoch um 19.30 Uhr im Beisein von damaligen Spielern und anderen Zeitzeugen eröffnet wird. Von Donnerstag an bis zum 28. Februar 2020 ist die Ausstellung dann kostenlos zu den Öffnungszeiten des Museums zu erleben.

          „Lebbe geht weider“

          „59/92“ kann man als Fortsetzung der früheren Museumsaktion „Weil wir dich alle lieben“ verstehen, in der Protagonisten und Fans des hessischen Traditionsklubs in Videointerviews ihre Verbundenheit mit der Eintracht dokumentierten. Die Schilderungen entwickelten eine solche emotionale Tiefe, dass für das neue Projekt die alte Methode angewandt wurde. Wieder zeichneten Christian Hahn und Holger Köhn für die Umsetzung verantwortlich, die in Babenhausen ihr „Büro für Erinnerungskultur“ etabliert haben. Das Unternehmen visualisiert für seine Klienten – Vereine, Firmen, Institutionen oder Privatleute – deren Vergangenheit. Ihre Dokumentationen gehen thematisch weit über den Fußball hinaus.

          Für das Projekt „59/92“ führten Hahn und Köhn insgesamt 25 Interviews, die einige Stunden an Material hervorbrachten. Für die Ausstellung wurden die Gespräche in viele Clips zerschnipselt, die an der Videowand – thematisch gebündelt – in appetitlichen Häppchen abzurufen sind. So kann der Besucher Knöpfe wie „Eintracht 1959“, „Endspiel“, „Siegesfeier“ oder „Eintracht 1992, Spiel, Reaktionen“ drücken, unter denen dann die Protagonisten ihre Eindrücke und Empfindungen von damals wiedergeben. Es kommen Spieler wie Egon Loy, Ekko, Feigenspan, Istvan Sztani, Dieter Stinka, Uwe Bein, Uli Stein und Ralf Weber zu Wort, auch Trainer Draoslav Stepanovic, der in Rostock den Spruch, der zu seinem Markenzeichen wurde, losließ: „Lebbe geht weider.“

          Es berührt heute noch, die Bilder von Rostock zu sehen und zu erleben, wie der damalige Linksverteidiger Ralf Weber bald 30 Jahre danach immer noch gegen Tränen anzukämpfen hat, wenn er sich daran erinnert, wie er eine Viertelstunde vor Schluss beim Stand von 1:1 an der Fünfmeterlinie gefoult wurde, Schiedsrichter Alfons Berg aber keinen Elfmeter gab. Mit Videobeweis hieße der deutsche Fußballmeister 1992 vermutlich Eintracht Frankfurt.

          Aber auch die Erinnerungen der Fans, die 1959 und 1992 in den Stadien oder Fernsehschirmen dabei waren, geben der Aktion ihre Würze. „Mir hat kein Abstieg so weh getan wie 1992.“ Den Satz von Ernst Hamel unterschreiben wohl viele Eintracht-Freunde. Eine gute Stunde werden Triumph und Trauma in den Videosequenzen der Ausstellung wieder wach, weitere Stunden Interviewmaterial sind ins Eintracht-Archiv gewandert. Zeugnisse von zwei Fußball-Geschichten der Eintracht, die gut genug sind, um Stoff für Hollywood zu bilden. Und deshalb wird schon über eine weitere Verwertung nachgedacht.

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