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Frankfurt mit großem Glück : Eintracht trotz Pleite weiter in Europa

  • -Aktualisiert am

Glücklich trotz Niederlage: Goncalo Paciencia (Mitte) und seine Eintracht-Kollegen beim Spiel gegen Guimaraes Bild: AFP

Im letzten Gruppenspiel der Europa League schafft Frankfurt die Qualifikation für die K.o.-Runde. Die Eintracht profitiert dabei erst von einem groben Patzer des Gegners – und am Ende vom Ergebnis eines Konkurrenten.

          3 Min.

          Es war ein ungemütlicher Abend voller harter Arbeit und keine magische Europapokal-Nacht. Aber am Ende hatte die Frankfurter Eintracht ihr großes Ziel erreicht. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter verlor zwar am Donnerstag ihr letztes Gruppenspiel gegen Vitoria Guimaraes 2:3, was jedoch für den Einzug in die K.o.-Runde der Europa League genügte, da auch Konkurrent Standard Lüttich nicht gewinnen konnte. Nach einem 0:2-Rückstand glich Arsenal noch aus.

          Europa League
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Guimaraes war früh durch Rochinha in Führung gegangen. Die Eintracht profitierte von einem Torwartfehler, um ins Spiel zurück zu kommen. Miguel Silva ließ den Ball nach einem Kopfball da Costas aus großer Entfernung durch die Hände gleiten. Nach Kamadas 2:1 schien die Eintracht auf bestem Wege ins Sechzehntelfinale, doch zwei Gegentore in der Schlussphase durch Musrati und Edwards ließen die Blicke noch einmal bang auf Lüttich richten. Die Erleichterung war groß, als die Kunde vom 2:2 kam.

          „Wir haben das Spiel unnötig aus der Hand gegeben. Wir müssen nicht verlieren, das ist ärgerlich. Aber es war keine einfache Gruppe – und wir sind weiter. Das zählt erst mal“, sagte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic nach dem Schlusspfiff bei DAZN. Torschütze Danny da Costa meinte: „Der Abend steht unter dem Motto: Glück gehabt. Wir können ein Telefonat nach London führen und ‚Danke‘ sagen.“

          Selbstzweifel und Krampf

          Einige seiner besten Spieler schonte Trainer Ivo Vieira im für Guimaraes bedeutungslosen Match in Frankfurt. Die er aufbot, machten ihre Sache aber auch sehr gut. Wie angekündigt präsentierte sich Vitoria als spielstarkes Team, mit flinken ballfertigen Profis, die Spaß daran haben, den Ball laufen zu lassen. Das gelang ihnen in der achten Minute nahezu perfekt. Der Ballgewinn erfolgte zwar durch ein Foulspiel von Poha an Rode, doch am folgenden Konter gab es in puncto Schnelligkeit und Präzision nichts zu mäkeln. Rochinha ließ am Ende der Kombination dem Frankfurter Torwart Rönnow mit einem plazierten Schuss keine Abwehrmöglichkeit. Die Eintracht-Abwehr war entblößt gewesen – in Erwartung eines Schiedsrichterpfiffs hatte die Rückwärtsbewegung der Frankfurter zu spät eingesetzt.

          Das Publikum wütete ob des Rückstands, die Eintracht nicht. Das 0:1 verstärkte die Selbstzweifel, die sich in den vergangenen Wochen der Erfolglosigkeit entwickelt haben. Fast schon krampfhaft versuchten sie abzurufen, was ihnen Trainer Adi Hütter im Training mitgegeben hatte. Aber zunächst fanden die Zuspiele in die Spitze keinen Adressaten, wenn sie denn mal gewagt wurden. So viel sich Silva. Paciencia und Kamada auch bewegten, meist verzichtete das Mittelfeld darauf sie anzuspielen. Das Bemühen war ehrlich, löste manchmal aber schon Mitleid aus. Im 28. Saisonspiel wirkten einige Eintracht-Profis einfach überspielt. Allen voran Filip Kostic.

          Fehlgriff: Guimaraes-Torhüter Miguel Silva (Mitte) beim zwischenzeitlichen 1:1 durch Danny da Costa.

          Es dauerte genau eine halbe Stunde bis die Frankfurter den ersten gefährlichen Torabschluss gegen eine extrem hoch stehende portugiesische Abwehrkette zustande brachten. Kostic schlug seine erste gefährliche Flanke, Paciencia schraubte sich hoch, doch dessen Kopfball geriet zu mittig auf das Tor. Schlussmann Miguel Silva vermochte den Ball noch abzuwehren. Nur eine Minute später erwies sich der Torwart von Guimaraes äußerst kooperativ mit den Frankfurtern. Da Costa köpfte den Ball nach einer von Vitoria abgewehrten Ecke zurück in die Gefahrenzone. Allerdings viel zu hoch und zu weit, als dass ein Mitspieler ihn hätte erreichen können. Miguel Silva sprang hoch, um sich den Ball zu pflücken, doch er flutschte ihm durch die Finger und kullerte über die Torlinie.

          Der unverhoffte Ausgleich wirkte befreiend auf die Eintracht-Profis. Nun gingen sie mit größerer Zuversicht und Wucht ihrer Arbeit nach und wurden schon bald belohnt. Ein Spielzug wie im Training einstudiert brachte das 2:1. Kostic flankt, Paciencia bindet die Abwehrspieler am ersten Pfosten, der Ball rollt vorbei und Kamada vollendet ungedeckt am zweiten Pfosten.

          Jetzt war die Eintracht im Europacup-Modus, Guimaraes geriet bis zur Pause unter Bedrängnis und Andre Silva eröffnete sich die Chance zum dritten Frankfurter Tor. Doch der Portugiese brachte zu wenig Druck hinter den Ball.

          Der Halbzeitpfiff unterbrach den Spielrhythmus der Frankfurter und sie sollten ihn in der zweiten Halbzeit so schnell nicht wiederfinden. Wie zu Beginn des Spiels mühten sie sich und scheiterten an ihrer mangelnden Präzision und Klarheit. Guimaraes nahm das zum Anlass nun wieder munter mitzuspielen, die vielen unverhofften Ballgewinne zu eigenen Angriffen zu nutzen. In der 55. Minute kam Florent Hanin dem Ausgleich aus großer Distanz sehr nahe. Der Franzose im Dress von Vitoria hämmerte den Ball aus über 30 Metern an die Latte des Frankfurter Tores.

          Der Schuss brachte der Eintracht die eigene Verwundbarkeit wieder ins Bewusstsein wie die Zwischenstände aus Lüttich. Dort legte Standard das 1:0 gegen Arsenal vor und erhöhte sogar auf 2:0. Bei einem 3:0-Sieg von Lüttich hätte sich die Eintracht einen 2:2-Ausgleich von Vitoria nicht mehr leisten können. Aber zu ihrem Glück konnten sich die Frankfurter auf Arsenal doch noch verlassen. Die Engländer glichen in Lüttich zum 2:2 aus, so dass der Einbruch der Eintracht ohne Folgen blieb. Musrati (85.) und Edwards (87.) drehten das Spiel in der Schlussphase gegen Frankfurter, deren Kräfte immer stärker nachließen. Am Ende stolperte die Eintracht ins Ziel.

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