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Aus FFC wird Eintracht : Als neue Frankfurter Marke zurück nach oben

  • -Aktualisiert am

Die letzte von fast 20 ganz großen Trophäen: 2015 gewinnt der FFC Frankfurt (mit Spielführerin Kerstin Garefrekes am Pokal) noch einmal die Champions League. Bild: dpa

Ein „Vorzeigemodell“ im Frauenfußball: Der erfolgreichste deutsche Klub FFC Frankfurt geht in der Eintracht auf. Mit Unterstützung des Männer-Bundesligaklubs wollen die Hessinnen wieder angreifen.

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          Die Geschichte des erfolgreichsten deutschen Frauenfußballklubs begann mit einem Tennismatch. Auf der einen Seite des Netzes stand Monika Staab, Trainerin des Frankfurter Bundesligaklubs SG Praunheim. Auf der anderen Seite Siegfried Dietrich, gelernter Physiotherapeut, der zuvor seine Managerfähigkeiten entdeckt hatte und erfolgreich Eiskunstlauf-Galas organisierte. Anschließend wurde die Trainerin samt Mannschaft zu einer Eiskunstlauf-Veranstaltung eingeladen und Dietrich zu einem Frauenfußballspiel. Dort wunderte er sich, dass zum Gastspiel des FC Bayern München auf der Anlage am Praunheimer Hohl zwar 2500 Zuschauer kamen, aber nirgends eine Werbebande zu sehen war.

          Also ließ Dietrich seine Kontakte spielen – und kurz darauf stand hinter jedem Tor eine Bande. Dietrich dachte, dass damit sein Engagement für den in den neunziger Jahren weithin belächelten Frauenfußball beendet sei. Monika Staab aber sagte: „Das war erst der Anfang, Siggi!“ Und sie sollte recht behalten. „Es ist“, sagt Dietrich, „ein Leben mit und für den Frauenfußball daraus geworden.“

          Bei den Heimspielen der Praunheimerinnen fand sich nunmehr ein VIP-Raum mit Catering, in dem (mögliche) Sponsoren verköstigt wurden. Es war Pionierarbeit in der Fußballnische. Aus der SG Praunheim wurde, der besseren Sichtbar- und Vermarktbarkeit wegen, im August 1998 der 1. FFC Frankfurt. Monika Staab gehörte zu den Gründungsmitgliedern, Dietrich wurde Mitglied Nummer sechs.

          Die Geister, die Dietrich rief

          Es war der Startschuss für eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Die am 30. Juni nach sieben deutschen Meistertiteln, neun Pokalsiegen und vier Europapokal-Triumphen formal zu Ende geht, in Wahrheit aber nach 20 Trophäen in 22 Jahren einen neuen, kraftvollen Impuls erhält. Denn aus dem einstigen Dauerprimus ist in den vergangenen Jahren eine nur noch mittelgroße Bundesliganummer geworden. Als reiner Frauenfußballklub rechts und links überholt von den zahlungskräftigen Lizenzvereinen VfL Wolfsburg und Bayern München, auch die TSG Hoffenheim setzt gerade zum Sprung an. Mittlerweile chancenlos mit dem seit Jahren unveränderten Budget zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro gegen vom Männerbereich quersubventionierte Gegner.

          Mundschutz, aber ganz sicher kein Maulkorb: FFC-Investor Siegfried Dietrich bleibt auch bei der Eintracht eine starke Stimme des Fußballs der Frauen.
          Mundschutz, aber ganz sicher kein Maulkorb: FFC-Investor Siegfried Dietrich bleibt auch bei der Eintracht eine starke Stimme des Fußballs der Frauen. : Bild: Picture-Alliance

          Die Geister, die Dietrich als umtriebiger Macher über die Vereinsgrenzen hinweg rief, als er jahrelang die Männervereine zu mehr Engagement im Frauenfußball aufforderte, haben ihn und den FFC längst eingeholt. Doch nun schlägt der 63-Jährige sozusagen zurück. Nach mehrjährigem Werben um die Gunst der Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht wird der FFC am 30. Juni aus dem Vereinsregister gelöscht und geht in dem großen Nachbarn auf. Die Ironie der Geschichte: FFC-Mitglied Nummer sechs, Dietrich, hielt einst 1999 bei einer gemeinsam besuchten Veranstaltung Fredi Bobic einen Mitgliedsantrag entgegen. Der damalige Bundesliga-Stürmer wurde FFC-Mitglied Nummer elf – und ist nun als Eintracht-Sportvorstand Wegbereiter des Zusammenschlusses gewesen.

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