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Europa-Vorfreude in Frankfurt : Der große Optimist der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Fokussiert: Eintracht-Stürmer Paciencia geht mit Respekt in das Duell gegen Guimaraes. Bild: AP

Gonçalo Paciência hat als einziger Profi des Frankfurter Fußball-Klubs alle 27 Saisonspiele mitgemacht. Dennoch gibt es Kritik von Trainer Adi Hütter. Der Portugiese hat eine ganz eigene Art, damit umzugehen.

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          Wer Gonçalo Paciência erlebt, könnte meinen, um ihn und die Frankfurter Eintracht stünde es bestens. Der portugiesische Fußballprofi mit dem eindeutigen Auftrag, Tore zu schießen, sprudelt nur so, lächelt, verbreitet Optimismus und Zuversicht. Aber ganz so erfreulich ist die Situation am Main gerade nicht. In der Bundesliga liegt der letzte Sieg der Hessen fünf Wochen zurück, und im abschließenden Gruppenspiel der Europa League gegen Vitória Guimarães am Donnerstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) muss der Schritt in die K.-o.-Runde erst noch vollzogen werden. Ein Heimsieg würde alle Zweifel beseitigen, ein Punkt fast alle, bei einer Niederlage wäre die Eintracht darauf angewiesen, dass der FC Arsenal bei Standard Lüttich nicht verliert.

          Europa League
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Für Paciência stellt die Auseinandersetzung mit dem portugiesischen Klub keine Drucksituation dar, sondern die „gute Gelegenheit, einen schlechten Moment der Eintracht zu überwinden“. Er wählt bewusst eine einfache Erklärung für die Ergebnis-Krise: „So ist Fußball.“ Allzu tief in die Ursachenforschung einzudringen würde nichts bringen. „Nicht verrückt machen lassen, weiterarbeiten, positiv bleiben.“ Das sei die Erkenntnis aus seinem bisherigen Fußballer-Leben: „Selbst Leute wie Messi und Lewandowski, von denen man annimmt, sie würden immer treffen, tun es nicht.“ Zu große Verbissenheit führe nur zur Verkrampfung. „Die Tore kommen schon wieder, wenn nicht im nächsten Spiel, dann im übernächsten. Ich habe mein ganzes Leben lang Tore geschossen, ich werde es weiter tun. Ich habe nicht mein letztes geschossen.“

          „Das gibt mir Selbstvertrauen“

          Immerhin weiß Paciência, dass er sechsmal nicht getroffen hat. An seiner Form und Fitness liege es nicht. „Ich fühle mich sehr wohl auf dem Platz, bin kein bisschen müde.“ Dabei hat der 25 Jahre alte Angreifer als einziger Profi der Eintracht alle 27 Saisonspiele mitgemacht. 1726 Spielminuten registriert das Fußballportal transfermarkt.de für ihn. „Gefühlt habe ich in dieser Saison mehr auf dem Platz gestanden als in all meinen Spielzeiten als Profi zusammen.“ Dass er so belastungsresistent ist, sei Folge seiner harten Arbeit: „Ich habe alles gegeben, um mich weiterzuentwickeln.“ Die Umstellung sei in den ersten Monaten sehr groß gewesen. Im Gegensatz zu seinem Landsmann und Sturmkollegen André Silva sei er nicht schon in Italien und Spanien beschäftigt gewesen, sondern nur in der Heimat. „Gut, der FC Porto spielt auch auf Champions-League-Niveau. Aber wir haben in der Meisterschaft pro Saison nur drei oder vier wirklich große Spiele. In der Bundesliga kannst du gegen alle verlieren, auch gegen Köln und Paderborn, die gerade ganz hinten stehen.“

          Seit er sich an das Tempo und die Härte der Bundesliga angepasst hat und sein Körper an die Belastung gewöhnt ist, gehe es aufwärts mit ihm. „Dass ich mich so fit wie nie in meiner Karriere fühle, gibt mir Selbstvertrauen.“ Und er habe seine Einstellung verändert. In der Heimat habe er sich zu großen Druck gemacht und durch Rückschläge irritieren und aus der Bahn werfen lassen. „Das passiert mir jetzt nicht mehr.“ Sein Vater Domingos war ein Star beim FC Porto, und lange versuchte Gonçalo vergeblich, in dessen Fußstapfen zu treten, eigentlich gelang es ihm bei seinem Heimatklub nie. „Immer wieder haben auch Verletzungen meine Entwicklung unterbrochen, aber ich hatte auch nicht die richtige Mentalität.“

          In Frankfurt fehle es ihm an nichts. Die Mannschaft habe ihn sehr gut aufgenommen: „Ich fühle mich wie zu Hause.“ Die Kritik, die Trainer Adi Hütter zuletzt an ihm und seinem Sturmpartner Silva übte, nimmt Paciência sportlich. Die beiden hätten sich zuletzt im Strafraum nicht gut bewegt, bezögen ihre Positionen zu dicht nebeneinander, mittig vor dem Tor. „Er ist der Chef, also hat er recht“, sagt Paciência mit einem Lachen. „Aber wir haben zuletzt nicht getroffen, also müssen wir etwas falsch gemacht haben.“ Auf jeden Fall sei er bereit, Kritik anzunehmen. „Wenn man glaubt, man mache alles richtig, dann liegt man schon falsch. Ich bin bereit, mich zu verbessern.“

          Mit Guimarães erwartet Paciência einen hartnäckigen Gegner. Die Mannschaft besitze zwar keine Chance mehr auf ein Weiterkommen. „Aber ich bin mir sicher, sie werden alles daransetzen, um zu gewinnen. Sie wollen einen guten Eindruck hinterlassen, wenn sie sich aus der Europa League verabschieden.“ Vitória sei eine typische portugiesische Mannschaft. „Sie will und kann Fußball spielen. Sie haben im Hinspiel viele Chancen gegen uns herausgespielt.“ Es war ein wenig Glück nötig, damit die Eintracht 1:0 gewann. Im Moment steht Guimarães in der Meisterschaft auf Platz fünf, was wieder für die Qualifikation zur Europa League reichen würde. Nach drei Niederlagen in der Hinrunde spielte Vitória zuletzt in der Europa League jeweils 1:1 gegen Arsenal und Lüttich.

          Der Verein kann sich keine Stars leisten, sucht und findet aber mit viel Geschick so manches Talent – meist auf Leihbasis. Der Gesamtumsatz von Vitória in diesem Transfersommer betrug 2,4 Millionen Euro – für Käufe und Verkäufe. Mit den früheren brasilianischen Junioren-Nationalspielern Evangelista und Bonatini kam aber einiges an spielerischer Qualität hinzu. Und Guimarães besitzt auch eine Antwort auf Martin Hinteregger. Edmond Tapsoba heißt der 20 Jahre alte Innenverteidiger, der derzeit Torschützenkönig von Vitória ist. Vier Tore hat der junge Mann aus Burkina Faso in den 13 Meisterschaftsspielen erzielt, nur eines weniger als der österreichische Verteidiger für die Eintracht in der Bundesliga. Das alles ist für Paciência Grund, Respekt vor Guimarães zu haben, aber keine Furcht. „Vitória ist ein guter Gegner, aber wenn wir zeigen, was wir können, müsste es genügen.“

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