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Eintracht-Sensation : „Jeder hat gedacht, Barcelona schießt uns aus dem Stadion“

Die Eintracht jubelt in Barcelona. Bild: EPA

Vor vielen tausend mitgereisten Fans gelingt Eintracht Frankfurt die große Sensation: Dank dreier Tore erreichen die Hessen in einem denkwürdigen Spiel nach 2019 wieder das Halbfinale der Europa League.

          4 Min.

          Sie haben Eindruck hinterlassen. Die Frankfurter Eintracht und mit ihr eine Masse an Fußballfans nutzten die Gelegenheit, in der Begegnung mit einer der prominentesten Mannschaften der Welt, den Ruf des hessischen Bundesligaklubs auf der internationalen Bühne weiter aufzupolieren.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Die Anhänger bevölkerten zu Tausenden Straßen sowie Plätze Barcelonas und lieferten am Donnerstagabend im Duell mit dem viermaligen Champions-League-Gewinner den stimmungsvollen Rückhalt von den Tribünen.

          Die Atmosphäre im Camp Nou kam den Profis der Eintracht phasenweise wie in einem Heimspiel vor, so lautstark erklangen die Rufe, mit denen ihre Aktionen bejubelt wurden. Die Zustimmung trug ihren Teil dazu bei, dass die Frankfurter sportlich über sich hinauswuchsen und im Rückspiel gegen Barça eine faustdicke Überraschung vollbrachten.

          Sie kamen zu einem 3:2-Triumph und stehen damit nach dem 1:1 im ersten Aufeinandertreffen im Halbfinale der Europa League. Dort wartet als nächster Gegner West Ham United.

          „Das hat niemand erwartet“

          Die Tore zu dem aufsehenerregenden Coup erzielten Filip Kostic (3., 68. Minute) und Rafael Borré (37.), für Barcelona trafen Sergio Busquets (90. +1) und Memphis Depay (90. +9) in einem packenden Finish. „Das hat niemand erwartet. Jeder hat gedacht, Barcelona schießt uns aus dem Stadion“, sagte Torhüter Kevin Trapp bei RTL. „Das ist eine riesige Enttäuschung“, gestand Barcelonas Trainer Xavi Hernandez ein. „Eintracht Frankfurt war besonders in der ersten Halbzeit besser. Wir haben es in der zweiten Hälfte versucht. Aber wir waren nicht gut genug.“

          Europa League

          600 Gäste waren zuvor einer Einladung der Eintracht zu einem Empfang im Poble Espanyol, einem Freilichtmuseum, gefolgt. Zuletzt hatte es 2018 in Berlin eine vergleichbare Party vor einem wichtigen Match gegeben. „Ihr wisst alle, wie es vor vier Jahren endete“, gab Vorstandssprecher Axel Hellmann in Anspielung auf den DFB-Pokalsieg die Losung für das Duell mit Barca aus.

          „Diese ganz besondere Atmosphäre und Energie nehmen wir von der Kurve in die Spitze mit und übertragen sie auf die Mannschaft." Peter Fischer formulierte es ähnlich: „Wir haben dieselbe Situation wie vor vier Jahren, jeder sagt einen Sieg des Gegners voraus. Genau das wird nicht passieren. Wir nutzen unsere Chance“, prophezeite der Vereinspräsident. Gesagt, getan.

          Von Anpfiff weg legten beide Seiten mit Tempo und ohne Zurückhaltung los, als wollten sie in Windeseile die Entscheidung herbeiführen. Wobei die Eintracht, die ganz in Weiß gekleidet antrat, deutlich zufriedener mit ihrem Start sein konnte.

          Schon in der dritten Minute ging sie in Führung. Eric Garcia hatte Jesper Lindström im Strafraum von hinten umgerissen. Referee Manual Dias (Portugal) entschied sofort auf Elfmeter – und ließ sich auch von wütenden Protesten der Männer in den pink-blau gestreiften Trikots nicht umstimmen.

          Auftakt nach Maß: Filip Kostic behält aus elf Metern die Nerven und trifft zum 1:0 für die Eintracht.
          Auftakt nach Maß: Filip Kostic behält aus elf Metern die Nerven und trifft zum 1:0 für die Eintracht. : Bild: AFP

          Kostic klemmte sofort den Ball unter den Arm und demonstrierte, dass er die Last der Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Der Serbe bewahrte die Nerven. Er sah, dass sich Marc-André ter Stegen von ihm aus für die rechte Ecke entschied und drosch die Kugel mit Wucht links an ihm vorbei ins Netz – im Stadion brach sich der Jubel der Frankfurter Unterstützer daraufhin unbändig Bahn.

          Eine Wunschvorstellung Oliver Glasners hatte sich zuvor nicht erfüllt: Djibril Sow konnte er nicht aufbieten. Der Schweizer stand gar nicht im Kader. Ein Belastungstest am Vormittag war unbefriedigend ausgefallen. Die Knieverletzung, von der es hieß, es handele sich um eine Bänderzerrung, die er am Sonntag gegen Freiburg zugezogen hatte (1:2), ließ sich in der Kürze der Zeit von den Team-Medizinern nicht in den Griff bekommen.

          An seiner Stelle begann Kapitän Sebastian Rode, der vor der Abwehr als Sechser an die Seite von Kristijan Jakic rückte. In der Dreierkette vertrat erwartungsgemäß Almamy Toure auf rechts den gesperrten Brasilianer Tuta. Aber auch Xavi, der Coach der Katalanen, war nicht frei von Sorgen. Piqué, einer seiner Leader, fiel wegen Hüftbeschwerden aus.

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