https://www.faz.net/-gzn-9t3ww
Bildbeschreibung einblenden

Frankfurter Drama in Lüttich : „Ich kann es gar nicht in Worte fassen“

Der große Frust nach der großen Torchance: Filip Kostic Bild: dpa

Die Eintracht hat in der Nachspielzeit die große Chance zum Sieg – und muss Sekunden später in Lüttich das Tor zur Niederlage hinnehmen. Diese könnte fatale Folgen haben. Die aufgebrachten Frankfurter ärgern sich auch über eine Verwechslung des Schiedsrichters.

          3 Min.

          Die Frankfurter wollten den Rasen gar nicht verlassen. Wie paralysiert standen die Fußballspieler der Eintracht nach dem 1:2 bei Standard Lüttich in der Europa League auf dem Spielfeld und konnten kaum fassen, was kurz zuvor passiert war. Filip Kostic, der mit einem Freistoß (65. Minute) erst den Ausgleich erzielt hatte, vergab, als er alleine auf das gegnerische Tor zulief, den Siegtreffer. 15 Sekunden später traf Maxime Lestienne in der 95. Minute doch noch – allerdings zum Sieg der Belgier. „Ich ärgere mich selten über ein Spiel so wie heute. Ich kann es gar nicht in Worten fassen“, sagte der aufgebrachte Trainer Adi Hütter. Zinho Vanheusden (56.) hatte Standard in Führung gebracht.

          Europa League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Im Normalfall wären die Frankfurter im Moment der Enttäuschung zu ihren Fans getrottet und hätten Trost empfangen. Doch weil einige von ihnen sich beim Spiel bei Vitoria Guimarães zuletzt danebenbenommen hatten, hatte die Europäische Union Uefa allen Eintracht-Anhänger den Zugang zum Stade Maurice-Dufrasne versagt. Und so blieb den Spielern in ihrem Frust letztlich nur der traurige Gang in die Kabine.

          Es war allerdings nicht nur der Ärger über die unglücklichen Geschehnisse in der Nachspielzeit, der sie begleitete. Auch auf Schiedsrichter Matej Jug aus Slowenien bezog sich den Unmut im Lager des Bundesligaklubs. Vor dem Tor von Kostic hatte Lüttich-Verteidiger Konstantinos Laifis für das Foul an Daichi Kamada die Gelbe Karte gesehen. Wenige Minuten später trat er als letzter Mann haarscharf vor dem Strafraum Sebastian Rode gegen den Fuß. Wieder gab es Freistoß – den Kostic übers Tor schoss –, mehr aber nicht. Hilfe vom Video-Assistenten gibt es in der Europa-League-Gruppenphase nicht. Vielmehr lief Jug zu seinem Assistenten an der Seitenlinie und beriet sich. Letztlich sah Gojko Cimirot Gelb. Der Grund, warum Cimirot verwarnt wurde und nicht Übeltäter Laifis die Gelb-Rote Karte sah, erschloss sich nicht. Offenbar verwechselte das Schiedsrichtergespann die Spieler.

          „Wenn er nicht auf Elfmeter entscheidet und es außerhalb war, muss er zumindest Gelb geben gegen den Spieler mit der Nummer 34 (Laifis, die Redaktion), der schon Gelb hatte“, sagte Hütter. „Da frage ich mich, wo da hingeschaut wird. Mit einem Spieler mehr hätten wir uns sicher leichter getan.“ Der gefoulte Rode sah es noch etwas deutlicher, Verwechslung der Spieler hin oder her: „Das war eine klare Rote Karte. Er war der letzte Mann“, sagte er bei DAZN. Selbst Lüttich-Trainer Michel Prud’homme gab zu: „Wir dachten, der Schiedsrichter wusste nicht genau, was er machen soll. Wenn ich es richtig gesehen habe, war es ein Fehler.“

          Ein Fehler war auch das Frankfurter Verhalten in der Nachspielzeit. Dass Kostic trotz bester Position nicht traf, wollte ihm keiner im Eintracht-Lager zum Vorwurf machen. Gelson Fernandes war wegen des Verhaltens danach aufgebracht. „Das können wir uns nicht leisten. Wir haben ein dummes Tor kassiert gegen unseren direkten Konkurrenten um Platz zwei“, sagte der emotionale Schweizer. „Wir wollten nach vorne spielen, aber müssen lernen, auch eine Minute vor Schluss richtig zu verteidigen.“ Das sei alles eine Frage der Konzentration. „Wir müssen auch alle wieder zurück sprinten.“

          Hütter sah es auch so. „Das ist, was mich am meisten ärgert. Man kann das Tor machen, wenn er den Torwart anschießt, gibt es vielleicht Ecke. Dann geht die Zeit rum und wir spielen 1:1.“ Dann wäre die Eintracht im bei Punktgleichheit letztlich entscheidenden direkten Duell mit Lüttich nach dem 2:1-Sieg vor zwei Wochen im eigenen Stadion im Vorteil. Nun liegen beide Mannschaften punktgleich und im direkten Duell torgleich in der Tabelle fast gleichauf. Lüttich hat lediglich ein Tor mehr geschossen als die Hessen. „Die Ausgangsposition hat sich stark verändert, möglicherweise hat Lüttich nun die Nase vorne. Das müssen wir uns selbst zuschreiben. In einer Aktion kann man nicht zwei Mal so viele Sachen falsch machen“, sagte Hütter.

          Frankfurt und Lüttich haben nun bei gleicher Tordifferenz sechs Punkte bei noch zwei Spielen. Die Eintracht reist zum FC Arsenal und empfängt dann Guimarães, Standard spielt erst in Portugal und dann daheim gegen die Londoner. „Es ist alles offen zwischen Lüttich und uns“, sagte Rode. „Wir haben jetzt das schwere Spiel in London. Wir müssen einfach noch vier Punkte holen, um weiterzukommen.“ Mit einem zweiten Treffer von Kostic und dem Sieg in Lüttich wäre die Qualifikation fürs Sechzehntelfinale schon jetzt sicher gewesen. Auch bei Arsenal müssen die Frankfurter aufgrund der Uefa-Strafe ohne eigene Anhänger auskommen.

          Sportdirektor Bruno Hübner gab sich trotzig: „Jetzt ist die Enttäuschung groß, aber wir werden das Kind schon schaukeln.“ Doch die finale Phase der Gruppenspiele wird zur Nervenprobe. Während die Eintracht im vergangenen Jahr alle sechs Spiele gewann und bis ins Halbfinale zog, könnte nun schon früher Schluss sein. „Da müssen wir nun durch“, sagte Kämpfer Rode zum Dämpfer nach der 5:1-Gala gegen den FC Bayern. Nun gilt es schnell zu regenerieren, ehe es am Sonntag in der Bundesliga nach Freiburg geht. „Die Belastung ist natürlich hoch. Aber bislang haben wir das immer gut gemeistert.“ Das wird nun auch in der Europa League vonnöten sein, will die Eintracht nicht am Ende der Gruppenphase mit so leeren Händen dastehen wie am kalten Donnerstagabend in Lüttich.

          Europa League

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Britische Parlamentswahl : Auf Boris!

          Die Tories wollen die Parlamentswahl in alten Labour-Hochburgen gewinnen – vor allem im „Schwarzen Land“ in den West Midlands. Auch weil Parteichef Corbyn so unbeliebt ist, stehen ihre Chancen nicht schlecht.

          Zweiter Weltkrieg : Hemingway im Hürtgenwald

          Der amerikanische Schriftsteller nahm vor 75 Jahren an der grausamen Schlacht bei Aachen teil. Seine traumatischen Erlebnisse im Hürtgenwald brachte er aber nur in Ansätzen zu Papier.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.