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Erfolg in Bundesliga : Die große Frankfurter Befreiung

  • -Aktualisiert am

Sicherer Rückhalt: Eintracht-Torhüter Kevin Trapp (gelbes Trikot) in Sinsheim Bild: dpa

Die Neujustierung der Eintracht durch Trainer Adi Hütter trägt Früchte: Das 2:1 in Hoffenheim spendet Mut für die kommenden Aufgaben. Auch ein Rückkehrer trägt seinen Teil zum wichtigen Auswärtserfolg bei.

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          Fußball kann so einfach sein: Einfach mal den Ball hoch und weit in den Strafraum schlagen. Manche Trainer sehen so etwas nicht gerne. Thomas Tuchel zum Beispiel untersagt seinen Profis dieses auf Zufall basierende Stilmittel, das vor allem in der Schlussphase in einer Art Verzweiflungsakt eingesetzt wird, wenn es gilt, auf dem letzten Drücker einen Rückstand aufzuholen. Trainer Adi Hütter und alle anderen bei der Frankfurter Eintracht waren sehr glücklich darüber, dass sich Filip Kostic in der 62. Minute des Rückrundenstarts bei der TSG Hoffenheim zu dieser Maßnahme entschlossen hatte. Denn sein Flankenball fand in Timothy Chandler einen genialen Abnehmer. Der 29 Jahre alte Außenbahnspieler schraubte sich in die Luft und köpfte den Ball zum 2:1-Siegtreffer der Frankfurter ins Hoffenheimer Netz.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Ich wusste gar nicht, war das Ronaldo oder Timmy“, scherzte Mijat Gacinovic nach dem Abpfiff. Der 24 Jahre alte Serbe bezog sich auf einen spektakulären Kopfballtreffer des Weltstars von Juventus Turin, der vor wenigen Wochen millionenfach im Internet gelikt wurde. Tatsächlich stand Chandler ebenfalls lange in der Luft, bevor er den Ball ins Tor köpfte. „Vielleicht hatte er eine Sprungfeder im Schuh“, machte auch Eintracht-Trainer Adi einen Witz über das neu entdeckte Kopfball-Ungeheuer, das ganz bescheiden blieb. „Ich bin hoch gesprungen, der Ball ist mir gut auf den Kopf gefallen und dann hinten rein.“

          Die Kommentare zum Siegtreffer drückten aus, wie groß die Erleichterung über den Auswärtserfolg bei den Frankfurtern war. Nach sechs Niederlagen und einem Unentschieden im Hinrunden-Endspurt drohte bei einem neuerlichen Misserfolg ein Versinken im Abstiegssumpf. Nun sagte Hütter: „Das war in unserer Situation ein absoluter Befreiungsschlag.“

          Die taktischen Änderungen, die der 49 Jahre alte Österreicher seiner Mannschaft in der Winterpause verordnet hat, hatten gegen Hoffenheim von Anfang an den gewünschten stabilisierenden Effekt. Bis zur 35. Minute kamen die Kraichgauer nicht einmal gefährlich in den Frankfurter Strafraum. Die Viererkette Toure, Abraham, Hinteregger, Ndicka funktionierte so gut wie das defensive Mittelfeld mit Rode und Sow, und auch die offensiveren Mittelfeldspieler Kostic, Gacinovic und Chandler beteiligten sich diszipliniert an der gemeinschaftlichen Verteidigungsarbeit. Hasebe stand nicht in der Startformation, der Japaner war an seinem 36. Geburtsag erkrankt und reiste am Samstagvormittag ab. „Wir haben als Mannschaft gespielt und gekämpft“, lobte Torwart Trapp seine Feldspieler. Der Nationaltorhüter war seinem Team bei seinem Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause ein sicherer Rückhalt gewesen.

          In der Offensive spielte die Eintracht sehr schnell und zielstrebig, was mit einer hohen Fehlerquote einherging. Aber wenn eine Kombination mal klappte, dann wurde es sofort gefährlich. In der 18. Minute verwertete Dost in bester Torjägermanier eine Hereingabe Gacinovics zum 1:0 – erste Chance, erstes Tor. Danach litt die Effektivität. Kostic traf nach einer einstudierten Eckenvariante nur die Latte, Gacinovic versuchte ein schwieriges Zuspiel auf Dost, anstatt selbst, in aussichtsreicher Position das 2:0 zu versuchen. „Ich wollte, dass ein Stürmer das Tor schießt, ich schieße ohnehin nicht so viele“, scherzte Gacinovic.

          Das Versäumnis, in der überlegenen Anfangsphase den Vorsprung nicht zu erhöhen, hätte schiefgehen können. Hoffenheim wurde besser, und nach dem Ausgleich durch Stafylidis (48.) geriet die Eintracht ins Schwimmen, Sow bewahrte seine Mannschaft vor einem Rückstand, als er auf der Linie stehend den Ball aus dem eigenen Tor köpfte. Aber dann schlug Chandler zu, und die Frankfurter bekamen nach dem 2:1 das Spiel wieder in den Griff, hatten in der Schlussphase sogar Möglichkeiten auf ein drittes Tor.

          „Das 2:1 fiel genau im richtigen Moment. Wir haben das in der Hinrunde nie als Ausrede verwendet, aber da hat uns in manchen Spiel einfach dieses Glück gefehlt“, sagte Torwart Trapp. Womit er nicht meinte, dass der Auswärtssieg glücklich zustande gekommen wäre: „Wir hätten schließlich 5, 6 Tore schießen können.“ Trotz aller Verbesserungen zeigte die Eintracht in zwei Situationen die Schwächen, die in der Hinrunde die Negativserie begründeten. „Beim Gegentor und als Sow auf der Linie retten musste, da haben wir wieder richtig geschlafen. So einfach darf man es dem Gegner nicht machen“, monierte Trapp. Im ersten Fall reagierte nach einer Ecke kein Frankfurter auf den abprallenden Ball, den Stafylidis dann trocken ins Tor schoss. Im zweiten Fall führte Hoffenheim einen Eckball so schnell aus, dass die Eintracht-Abwehr noch nicht formiert war. „Da müssen wir noch sehr viel arbeiten“, sagte Trapp, der ansonsten optimistisch in die Zukunft blickt. „Dieser Sieg war so wichtig für das Selbstbewusstsein jedes Einzelnen von uns. Jetzt müssen wir im nächsten Spiel gegen Leipzig nachlegen. Da ist viel drin für uns.“

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