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Eintrachtspieler Rönnow : Klavierspieler, Koch, Keeper

  • -Aktualisiert am

Hört zu, weist an: Frederik Rönnow Bild: Imago

Bei der Eintracht gönnt jeder Frederik Rönnow die Chance im Tor. Der Däne mit der gesunden Distanz zum Beruf hat mit seiner Art viele Freunde in der Mannschaft gewonnen.

          3 Min.

          Bald gibt es ein herzliches Wiedersehen, wenn die Frankfurter Eintracht in der WM-Arena Bayer Leverkusen empfängt. Die Torhüter der beiden Teams, Frederik Rönnow und Lukas Hradecky, verbindet eine gemeinsame Vergangenheit und eine große Sympathie miteinander. Gemeinsam standen die beiden nur für ein paar Wochen in einem Profikader, aber ihr Berufsweg verlief – phasenverschoben – weitgehend parallel. Der drei Jahre jüngere Rönnow, vor zwei Monaten 27 geworden, folgte Hradecky bei den dänischen Klubs Esbjerg FB und Bröndby IF als Nummer eins, und so war es auch 2018 bei der Frankfurter Eintracht geplant. Doch im Gegensatz zu seinen Engagements in der Heimat verlief die Staffelübergabe nicht reibungslos. Bei den ersten beiden Pflichtspielen beim Supercup gegen die Bayern (0:5) und im DFB-Pokal gegen Ulm (1:2) vermochte der Däne nicht zu überzeugen. Und nachdem er sich bald darauf eine Knieverletzung zuzog, deren Dauer zunächst nicht absehbar war, entschloss sich die Eintracht, die Gelegenheit beim Schopf zu packen, Kevin Trapp von Paris Saint-Germain auszuleihen. Seitdem ist Rönnow nur dann die Frankfurter Nummer eins, wenn der deutsche Nationaltorwart unpässlich ist.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das war in der in der vergangenen Spielzeit dreimal der Fall. Zu wenig für einen Torwart mit Ehrgeiz und Anspruch. Als die Eintracht in diesem Sommer freudestrahlend verkündete, dass es ihr gelungen sei, Trapp fest an sich zu binden, war das für den dänischen Kollegen eher ein Grund zu schlucken. Rönnow wollte Frankfurt verlassen, um wieder Spielpraxis zu erhalten. Aber es fand sich kein Interessent, der auch für Rönnow interessant genug war. Und so musste er sich wieder mit der Trostlosigkeit des Daseins als Ersatztorhüter abfinden – bis sich Trapp Ende September gegen Union Berlin eine schwere Schulterverletzung zuzog. Nach der Operation wird der 29 Jahre alte Torwart erst wieder in der Rückrunde ins Geschehen eingreifen können.

          Rönnow hat nun, wenn er gesund bleibt, in 15 Plichtspielen Zeit, sich zu präsentieren. So sehr Kevin Trapp bei der Eintracht als Führungsspieler und sicherer Rückhalt geschätzt wird, es gibt niemanden im Klub, der Rönnow die Bewährungschance nicht gönnen würde. Der Däne hat sich in der für ihn schweren Zeit als vorbildlicher Profi erwiesen und mit seiner sympathischen Art viele Freunde in der Mannschaft gewonnen. Er schaffte es nicht nur, ehrgeizig weiterzuarbeiten, ohne auf den Lohn eines Einsatzes hoffen zu können, er machte sich bei seiner Fron auch noch um die Stimmung in der Mannschaft verdient. In einem Geschäft, in dem sich viele als Ich-AG sehen, stellt Rönnow sein Ego hinter die Gemeinschaft. Dabei ist es ihm während der viele Monate langen Trainingsarbeit auch gelungen, sportlich von sich zu überzeugen. Zweifel, die anfangs bestanden haben mögen, hat Rönnow zerstreut. Dass die Eintracht mit ihm als Nummer eins in die Saison gegangen wäre, wenn sich Trapps Verpflichtung zerschlagen hätte, ist ein Zeichen des Vertrauens.

          Leise Selbstironie

          Einiges hat der Däne seinem Torwartkollegen Jan Zimmermann zu verdanken. Die Nummer vier im Eintracht-Tor hat sich Rönnows von Anfang an angenommen, inzwischen ist eine Freundschaft entstanden. In einem Interview mit dem vereinseigenen Internetkanal „Eintracht-TV“ gibt der Däne in freundlichem Ton zu, dass es zu Beginn leichte Kommunikationsschwierigkeiten mit Torwarttrainer „Moppes“ Petz gegeben habe. „Vieles war neu für mich, und mein Deutsch und sein Englisch waren nicht gut genug, um alles rüberzubringen.“ Da hätte „Zimbo“ Zimmermann geholfen. „Wir sprechen viel miteinander, über Privates, aber auch wie Torwart-Nerds. Das heißt, „Zimbo“ redet viel, und ich höre meistens zu, das kann ich gut“, beschreibt Rönnow das Verhältnis zu seinem deutschen Freund.

          Des Dänen leise Selbstironie kommt häufiger zum Vorschein, auch wenn er zugibt, nicht so gut im Aufräumen zu sein, oder bekennt, „anfangs wie ein Hund hinter „Zimbo“ hergelaufen zu sein, wenn Fitnessübungen anstanden. Rönnow besitzt eine gesunde Distanz zu sich und zu seinem Beruf. Er schaue nicht allzu viel Fußball in seiner Freizeit, er habe vielfältige Interessen. Dazu gehört Musik, er besitzt nicht nur ein Klavier, er spielt auch darauf. Dazu kocht er sehr gerne, in der Kleinmarkthalle ist er Stammgast, um sich mit frischen Lebensmitteln einzudecken. Die Playstation bedient er virtuos, im Tischtennis gibt er eine mehr als passable Figur ab, und mit den Kollegen Rode und Zimmermann spielt er gerne und gut Skat. Aber wie gut ist Frederik Rönnow nun als Torwart? In Brøndby trauerten sie Hradecky nach kurzer Zeit keine Träne mehr nach, Rönnow erhielt einen bewegenden Abschied von den Fans. In der Nationalmannschaft war er in der Saison 2017/18 die Nummer eins, dann verdrängte ihn Caspar Schmeichel, der Sohn der dänischen Torwart-Legende Peter Schmeichel, die auch Rönnows Inspiration war.

          Rönnows Selbsteinschätzung, ein moderner Torwart zu sein, der früh die Linie verlässt, gut mitspielt und gute Reflexe hat, bestätigt sich in den Videos, die im Internet über ihn kursieren. Vor allem ist er nach einer Rettungstat sehr schnell wieder auf den Beinen. In einer Trainingsaufnahme mit der dänischen Nationalmannschaft sind sechs Paraden von ihm innerhalb von 27 Sekunden zu sehen – nicht zusammengeschnitten. Frederik Rönnow hatte genug Gründe, mit Selbstbewusstsein nach Frankfurt zu kommen. Nun hat er nach zwei soliden Leistungen gegen Guimarães und Bremen Gelegenheit, es sich aufs Neue zu erwerben und seine Karriere neu zu befeuern. Ob er Trapp verdrängen kann, ist höchst fraglich, aber er kann sich zumindest auf dem Transfermarkt neu positionieren.

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