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Halbfinale in Gladbach : Die Eintracht und ihre pure Pokal-Vorfreude

  • -Aktualisiert am

Von ihm erwartet Kovac Fortschritte: In Branimir Hrgota (links), hier im Spiel gegen Gladbach Anfang April, sieht der Trainer viel Potential. Bild: Heiko Rhode

Nach dem ersehnten Sieg in der Bundesliga geht die Frankfurter Eintracht voller Zuversicht in das Pokal-Halbfinale gegen Mönchengladbach. Trainer Kovac wird vor dem Duell gar ein wenig pathetisch.

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          Für Niko Kovac ist das Pokal-Halbfinale Anlass, ein bisschen pathetisch zu werden. „Die ganze Republik schaut auf uns. Die Spieler können Geschichte schreiben, für sich und den Verein.“ Versagensangst seiner Profis hält der Eintrachttrainer vor der dritten Auseinandersetzung mit Borussia Mönchengladbach in dieser Saison für ausgeschlossen. „Wir haben nach dem 3:1 gegen den FC Augsburg unser Saisonziel erreicht, da ist nur noch Vorfreude pur.“ Der Druck liege ganz bei den Gladbachern. Die seien für ihn die Favoriten, und sie hätten nach dem für sie etwas enttäuschenden Saisonverlauf viel mehr zu verlieren als die Eintracht. „Für sie ist es das Spiel, die dem sie vielleicht alles gut machen können“, so Kovac.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Doch für die Borussia kommt das so wichtige Spiels zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Gladbacher werden gerade vom Verletzungspech heimgesucht. Raffael, Hazard, Johnson, Kramer und Jantschke drohen auszufallen. Falls es Torjäger Raffael trotz seiner Innenbanddehnung doch in die Startelf schaffen würde, wäre er sicher nicht ganz fit. Kovac gibt offen zu, dass es ihm lieber wäre, wenn der Brasilianer fehlte: „Er ist ein Multiplikator in Gladbachs Spiel.“ Aber auch so ist dem 45 Jahre alten in Berlin geborenen Kroaten nicht bange vor der Aufgabe: „Der Heimvorteil spricht sicher für Mönchengladbach. Aber es ist ein Pokal-Halbfinale. Wir werden morgen nicht die Hände hochheben oder die weiße Fahne hissen. Von den vier Halbzeiten in dieser Saison gegen Gladbach waren wir in drei Halbzeiten die bessere Mannschaft. Das wollen wir noch ausbauen.“

          Kovacs Geduld mit Hrgota

          Beide Bundesliga-Partien endeten 0:0. Beim Auswärtsspiel in Frankfurt zu Beginn dieses Monats bedurfte es einer Menge Glück für die Mannschaft von Trainer Hecking, um die Niederlage zu vermeiden. Das Eintracht-Team, das sich damals zur vielleicht besten Rückrundenleistung aufschwang, könnte bis auf eine Position wieder die Startelf bilden. Jesus Vallejo ist nach seinem Sehnenanriss von Real Madrid in die Heimat zurück beordert worden. Er wird in Madrid die Rehabilitation absolvieren. Ob er in der neuen Saison den Kader von Real verstärkt oder ein zweites Jahr auf Leihbasis nach Frankfurt zurückkehrt, ist noch völlig offen. In den Transferplanungen von Real Madrid spielt Vallejo keine Hauptrolle, sondern muss als Randfigur darauf warten, wohin er geschoben wird. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner erwartet erst im August eine Entscheidung von den Verantwortlichen in Madrid. Für Vallejo könnte wieder einmal Marco Russ in die Innenverteidigung rücken. Neuzugang Andersson Ordonez ist nach zwei guten Spielen ziemlich ins Schwimmen gekommen und Michael Hector fand zuletzt in den Planspielen Kovacs keine Berücksichtigung mehr.

          So läuft es auf folgende Anfangsformation hinaus: Mit Hradecky im Tor, der Dreierkette Abraham, Russ, Oczipka, dem Mittelfeld Chandler, Mascarell, Gacinovic, Tawatha sowie der Offensivabteilung Fabian, Rebic und Hrgota. Viele Fans wundern sich über die Geduld von Kovac mit Branimir Hrgota, sie würden ganz gerne Haris Seferovic in der Spitze sehen. Doch während das Publikum dem früheren Gladbacher vor allem die vergebenen Torchancen vorhält, sieht der Trainer das gesamte Spektrum von Hrgotas Leistung – seine Lauffreude, sein Eifer im Pressing und seine Fähigkeit, den Ball zu halten. „Wir zweifeln nicht an ihm. Wir wissen, dass er ein junger Spieler ist, der seine Entwicklung nehmen wird. Wir geben ihm die Zeit dafür. Und wir glauben, dass er die Chancen, die er im Moment nicht nutzt, in der nächsten Saison zur Hälfte reinmachen wird. Dann wäre er im zweistelligen Tore-Bereich. Und das wäre für einen Verein wie Eintracht Frankfurt nicht schlecht.“

          Freude auf ein Wiedersehen mit alten Kumpels

          Die Alternative, Haris Seferovic, hat sich in den vergangenen Wochen auch nicht gerade aufgedrängt. Doch Hrgota scheint im Moment selbst ein bisschen an sich selbst zu verzweifeln. Wie er seine Großchance gegen Augsburg mit einem Schuss meterhoch über die Latte verschluderte, das nagt an einem Stürmer. „Ich spreche viel mit ihm, solche Phasen gibt es immer wieder für Stürmer. Aber sie gehen auch wieder vorbei“, so Kovac. Hrgota sollte sich an seinem Kollegen Ante Rebic ein Beispiel nehmen und nur nicht aufgeben: „Auch Ante vergab vier große Chancen, dann traf er gegen Augsburg doch noch“, erinnerte Kovac am Montag.

          Hrgota freut sich trotz seiner persönlichen Misere auf die Begegnung. „Das Halbfinale ausgerechnet im Borussia-Park zu spielen, macht es für mich umso schöner. Ich hatte in Mönchengladbach vier schöne Jahre und habe viele Freunde gefunden. Nun gegen die alten Kumpels anzutreten, steigert die Vorfreude nochmals.“ Um im schönen Mönchengladbach bleiben zu können, hätte er jedoch mehr Tore schießen müssen. Jetzt brennt Hrgota darauf, den Gladbachern zu beweisen, dass es ein Fehler war, nicht an seine Entwicklung zu glauben.

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