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Eintracht-Spieler Aigner : „Hohe Pässe pfeift Veh sofort ab“

  • -Aktualisiert am

Eintracht-Mittelfeldspieler Aigner: „Die Auswärtsschwäche habe ich nicht mehr im Hinterkopf, sondern nur noch die Heimstärke“ Bild: Wonge Bergmann

Stefan Aigner ist einer der Stützen von Eintracht Frankfurt. Nach dem Trainingslager in Österreich spricht der Frankfurter Mittelfeldspieler über die Ziele der Eintracht, die Pläne von Trainer Veh und den Feinschliff für die neue Saison - auch ohne Friseurtermin.

          4 Min.

          Wie oft lassen Sie gerade die Haare schneiden?

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Warum?

          Wir hörten, dass in der jetzigen Phase, da die ganzen Mannschaftsfotos und Autogrammkarten gemacht werden, manche Klubs sogar einen Friseur mit ins Trainingslager nehmen, damit alle Profis immer fesch ausschauen.

          Ich war das letzte Mal weit vor dem Urlaub in Frankfurt bei einem und dann danach war es ebenfalls wieder an der Zeit. Ich bin keiner, der ständig zum Friseur läuft. Wenn die Haare zu lang werden, dann geh ich halt zum Friseur. An Fotos für die Presse oder Sammelalben denke ich dabei nicht.

          Seit Sie nach Frankfurt kamen, musste die Eintracht jeden Sommer einen personellen Umbruch bewältigen: ob im Kader oder auf der Trainerbank. Wann kehrt Konstanz ein? 

          Das Kommen und Gehen gehört einfach dazu. Das war bislang in allen Klubs so, bei denen ich unter Vertrag stand. Diesmal haben wir unser Niveau halten können und versuchen, es nun auszubauen. Ich denke, die Neuzugänge können uns auf Anhieb weiterhelfen.

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          Schon ein Gefühl für das, was in der nahenden Saison möglich ist?

          Wir spielen anders Fußball. Durch Trainer Armin Veh haben wir ein neues Konzept erhalten. Wir lösen die Aufgaben auf dem Platz mehr auf spielerische Art, die Außenverteidiger stehen wieder hoch, als Außenspieler im Mittelfeld rücke ich wieder mehr nach Innen. Unser Team hat Potential, das glaube ich schon.  

          Eine gute Vorbereitung bedeutet eine gute Spielzeit, stimmt diese Gleichung?

          Das will ich nicht sagen. Ich habe es schon erlebt, dass es Trainingslager gab, die richtig klasse gelaufen sind, auch die Testspiele waren in Ordnung – und als es in der Liga wieder losging, haben wir prompt verloren. Die Vorbereitung ist wichtig, um fit zu werden. Deswegen muss man jetzt körperlich jeden Tag an sein Limit gehen, um den inneren Schweinehund zu besiegen. Aber solch einen Sieg wie gegen Leeds oder die erste Halbzeit in Heidenheim würde ich nicht überbewerten. Man muss realistisch bleiben. In solchen Partien holt man sich Kraft. Da macht man lieber einen Laufweg mehr und schießt den Ball dann auch mal neben das Tor, aber es nicht so wichtig, am Ende zu gewinnen, sondern das umzusetzen, was der Trainer an Vorgaben gemacht hat.

          Wo hakt es noch?

          Wir sind vor dem gegnerischen Tor nicht kaltschnäuzig genug. Das hat vor allem mit der Müdigkeit zu tun nach den vielen Einheiten, so dass uns die nötige Konzentration fehlt. Wir sind beim Einstudieren von Spielzügen auch noch nicht da, wo wir hin wollen. Das stand aber auch bislang kaum auf dem Programm, genauso wenig wie Standardsituationen. Aber der Trainer wird schon rechtzeitig am Feinschliff arbeiten.  

          Auch im Trainingslager in Österreich herrschte Wohlfühlklima. Besteht bei der spürbar guten Laune im und um das Team herum nicht die Gefahr, dass man in der ausgelassenen Stimmung Defizite übersieht?

          Der Trainer hat ein gutes Gefühl, wann das Ganze zu kippen droht. Er passt auf und gibt uns schon zu verstehen, wann geflachst werden kann und wann gearbeitet werden muss. Er findet ein gutes Mittelmaß und das wissen wir als Spieler zu schätzen. Wir übertreiben es nicht mit den Freiheiten, die er uns lässt. Auch wenn es jetzt nach Friede-Freude-Eierkuchen ausschaut, sollte sich keiner täuschen lassen. Sollten wir bei den ersten Spielen kein Erfolg haben, ist es schnell vorbei mit dem Wohlfühlklima. Armin Veh bereitet uns so gewissenhaft vor, dass es wir nicht zum Auftakt unser blaues Wunder erleben. Wenn wir gleich in Wolfsburg am ersten Bundesligaspieltag einen Punkt oder besser drei mitnehmen, besteht die Chance, dass wir eine Lauf bekommen.

          Antreiber: Stefan Aigner gibt bei der Eintracht den Takt vor
          Antreiber: Stefan Aigner gibt bei der Eintracht den Takt vor : Bild: dpa

          Im Kader herrscht eine verschärfte Konkurrenzsituation. Dadurch ist das Konfliktpotenzial höher, oder?

          Konkurrenz belebt das Geschäft! Wer es jetzt schleifen lässt, wird es schwer haben, seinen Platz zu behaupten, denn der Nächste steht schon bereit. Jeder weiß bei uns, dass er sich jeden Tag aufs Neue beweisen muss. Hängen lassen geht nicht, das finde ich persönlich sehr gut.

          Mit Luc Castaignos hat sich ausgerechnet ein Offensivspieler verletzt, der im Angriff sowohl zentral als auch auf Linksaußen eingesetzt werden kann. Der Holländer hatte sich gut akklimatisiert und fällt für den Saisonstart wohl aus. Wie schwer wiegt sein Ausfall?

          Natürlich ist es sehr schade. Es hätte ihm und uns gut getan, dass wir uns mit ihm, der neu gekommen ist, noch weiter hätten kennenlernen und einspielen können. Sein Eindruck bislang war top. Ich hoffe, dass er schnell wieder zurückkommt. Unser Programm am Anfang hat es in sich, da können wir alle Mann gebrauchen.

          Alexander Meier ist zum neuen Kapitän bestimmt worden, Marco Russ zu seinem Stellvertreter. Enttäuscht, dass Sie nicht auserwählt wurden?

          Gar nicht, ich freue mich für die beiden. Klar ist es eine Auszeichnung, Kapitän einer Bundesliga-Mannschaft zu sein. Aber ich hatte es schon vorher gesagt: Ich nehme es, wie es kommt. Ich kann auch ohne das Stück Stoff am Arm Verantwortung übernehmen und Leistung auf dem Platz zeigen.

          Als Veh das erste Mal Trainer der Eintracht war und mit dem Team in die Bundesliga aufstieg, hieß sein Motto 2012 „Mehr Mut zum Risiko“. Die Devise wurde damals im Trainingscamp in Windischgarsten formuliert. Was haben sich der Coach und die Mannschaft diesmal überlegt, um in der Bundesliga für Aufsehen zu sorgen?

          Er hat uns zu verstehen gegeben, dass er sehen will, dass wir attraktiv Fußball spielen, von hinten heraus, mit Tempo und nach Plan. Hohe Pässe im Training sind nicht erlaubt, die pfeift er sofort ab. Wir sollen zeigen, dass wir uns was trauen und mutig sind. Wir wollen für die Gegner unberechenbarer werden.

          Hat Veh genauso weitergemacht, wie er vor einem Jahr aufgehört hat?

          Er hat sich überhaupt nicht verändert. Aber das meine ich in positiver Hinsicht. Warum hätte er sich auch verändern sollen? Er findet immer eine gute Mischung und seine Ansprachen sind klar und deutlich. Wir kommen gut mit ihm zurecht.

          Aigner läuft vorneweg: „Wir sind vor dem gegnerischen Tor nicht kaltschnäuzig genug“
          Aigner läuft vorneweg: „Wir sind vor dem gegnerischen Tor nicht kaltschnäuzig genug“ : Bild: dpa

          Die Eintracht gab für ihre vier Zugänge insgesamt bis jetzt vier Millionen aus. Die Bayern zahlten für zwei neue Spieler 75 Millionen Euro Ablöse. Wie lange verkraftet die Bundesliga dieses Ungleichgewicht?

          Es ist gar nicht schlecht, dass die Verantwortlichen bei uns in Frankfurt zweimal überlegen, wie sie ihr Budget ausgeben. Das schärft die Sinne. Bei anderen Vereinen wird das Geld nur so rausgeschmissen, da macht man sich scheinbar weniger Gedanken. Klar ist: Die Bayern sind in einer anderen Liga. Die stellen sich so auf, dass sie auch in der Champions League den größtmöglichen Erfolg haben. Aber gigantische Transfer sind nicht alles: Wir haben auch schon gezeigt, dass wir die Bayern ärgern können, wenn wir als Kollektiv zusammen- und ordentlich dagegenhalten. Auch letzte Saison haben wir gegen die vier ersten Teams der Tabelle immer gut ausgeschaut…

          …und gegen die deutlich schlechter platzierten wesentlich weniger glücklich.

          Stimmt. Das kann man uns ankreiden. Gegen Gegner auf Augenhöhe oder kleiner Teams haben wir es versäumt, einen Schritt nach vorne zu machen.

          Gilt dieser Schwäche jetzt ein besonderes Augenmerk?

          Ich habe einen Schlussstrich gezogen. Wir beginnen in dieser Saison bei null. Die Auswärtsschwäche habe ich nicht mehr im Hinterkopf, sondern nur noch die Heimstärke. (lacht)

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