https://www.faz.net/-gzn-agar4

Eintracht Frankfurt : „Es flutscht nicht“

Borre gegen Kölns Torwart Timo Horn Bild: dpa

Die Eintracht quält sich ohne Selbstvertrauen und ohne Präzision auch gegen Köln zu ihrem Standardergebnis. Wie soll es ausgerechnet gegen die Bayern besser werden?

          3 Min.

          Am kommenden Sonntag von 17.30 Uhr an wird Eintracht Frankfurt beim deutschen Meister Bayern München (im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Dazn) nach Kräften Widerstand leisten müssen, um ein achtbares Ergebnis zu erzielen. Käme nach 90 absolvierten Spielminuten ein 1:1 für die Hessen zur Überraschung vieler heraus, würden sich die Frankfurter mit großer Wahrscheinlichkeit glücklich schätzen. Denn ein Punktgewinn im Duell mit dem Branchenprimus wäre für die Eintracht in ihrer momentanen Lage viel wert.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Ansonsten haben die Hessen das Spielergebnis von 1:1 aber gründlich satt. Das Remis im Heimspiel gegen Köln war wettbewerbsübergreifend schon das fünfte 1:1 nacheinander. Und was die Bilanz der sportlich anspruchsvollen Frankfurter ebenfalls sehr trübt: Sechs Saisonspiele in der Bundesliga ohne Erfolgserlebnis sind zum Rundenstart ein Negativrekord in der langen Geschichte des Klubs. „Wieder mal ein Rekord, den ich aufstelle. Die meisten waren positiv.“

          Eins der sechs Spiele verloren

          Das müsse er jetzt im Leben auch mal mitnehmen, sagte Trainer Oliver Glasner am Samstag und warb für seine Sicht der Dinge: Immerhin habe die Eintracht nur eins dieser sechs Spiele verloren. „Wie oft war das denn der Fall? Das wäre auch mal interessant“, fragte der Österreicher während der Pressekonferenz in die Runde. Die Antwort lautet: 15 Mal in der Historie der Eintracht.

          Bundesliga

          Man kann es drehen und wenden, wie man will: Sportlich tritt sie nach dem schlechtesten Bundesliga-Saisonstart seit 2005 auf der Stelle. Und damit hinkt sie ihren Ansprüchen und Plänen weit hinterher. Mit nur fünf gesammelten Punkten sind die sieglosen Frankfurter tabellarisch aktuell ein Abstiegskandidat.

          Selbstbewusstsein geschwächt

          Gegen Klubs wie Augsburg, Bielefeld, Stuttgart und nun Köln nicht gewonnen zu haben nagt am Selbstverständnis des ehedem selbstbewussten Europa-League-Teilnehmers. Von Spieltag zu Spieltag wird nun auch bei den Verantwortlichen auf der Führungsetage die Unzufriedenheit größer. Sie registrieren mit Sorge den sportlichen Stillstand auf bescheidenem und wackligem Niveau. „Wir sind nicht glücklich mit diesen vielen Unentschieden. Das geht uns allen gleich. Den Fans und uns selbst“, gab Trainer Oliver Glasner zu.

          Wieder warb der Trainer um Geduld. Sprach von dem „Prozess, den wir vor uns haben“. Der eben Zeit benötige. „Einige Spieler lernen die Bundesliga erst noch kennen“, hob Glasner hervor. Der eine oder andere Fortschritt auf dem Platz sollte dennoch langsam zu erkennen sein. Doch der Auftritt gegen Köln fiel eher in die Kategorie Rückschritt. Lediglich 64 Prozent angekommener Zuspiele entsprechen dem Wert eines ernsthaften Abstiegskandidaten.

          „Spuren hinterlassen“

          Die Mannschaft ist momentan so verunsichert, dass sie es an der nötigen Konzentration und Genauigkeit vermissen lässt. Man spüre es, dass es im Moment „nicht flutschen“ würde. „Gerade ist jedes Spiel ein Kampf, die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. Insgesamt fehlt uns einfach die Selbstverständlichkeit in unserem Spiel“, sagte Glasner. Um das Selbstvertrauen seiner Spieler ist es schlecht bestellt, da nur ein Erfolgserlebnis Besserung verspricht.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          „Wir müssen unsere Leichtigkeit behalten und nicht verkrampfen“, forderte Kevin Trapp ungeachtet dessen im Brustton der Überzeugung nach der Begegnung vor 24.000 Zuschauern. Der Torhüter und Führungsspieler ist der Auffassung, dass die Frankfurter „Qualität“ hätten. „Aber wir müssen sie mehr auf den Platz bringen.“ Wie groß der Mangel bei der Umsetzung ist, zeigten die großen Lücken im Mittelfeld. Die schlechte Aufteilung war ein gravierendes Defizit. „Wir staffeln uns nicht gut, stehen oft vier in einer Linie vorne.

          Dann haben wir wenig Anspielstationen dahinter“, kritisierte Glasner und wies darauf hin, dass in jedem Training und in jeder Analyse die Spielidee Thema sei: „Schnelles Spiel aus dem Zentrum in die Tiefe.“ Die begangenen Fehler würden ein solches Spiel aber schwierig machen. „Wenn du Fehler machst, was der ganzen Situation geschuldet ist, muss man viel nachlaufen“, so der Trainer.

          Ein „Systemproblem“ kann er nicht erkennen. Das Problem sei vielmehr, „wie wir uns auf dem Feld positionieren“. „Wir machen viele Abspielfehler, sind zu hektisch und treffen schlechte Entscheidungen. Und das Hauptthema ist: Wir sind zu lange am Ball“, monierte Glasner.

          Schwacher Trost

          Maßlos ärgerte ihn auch das Zustandekommen des Gegentreffers zum 0:1 (14. Minute) durch Ellyes Skhiri. Glasner nannte es ein „billiges Gegentor. Nach einer abgewehrten Standardsituation haben wir diesen Chipball übersehen“, sagte er. Rafael Borrés Tor zum 1:1 (51.) hingegen war für den Trainer ein „schön“ anzusehender Ausgleichstreffer. „Der Abschluss war nicht einfach nach der scharfen Hereingabe von Filip Kostic.“

          Unter dem Strich hätten nun alle neuen Stürmer mindestens einmal getroffen, bilanzierte Glasner. Für viele ist das aber nur ein schwacher Trost, sucht die Eintracht unter ihm doch weiter nach der passenden Erfolgsformel. „Jetzt ist es wichtig, dass wir ein Spiel gewinnen“, sagte Offensivspieler Jens Petter Hauge. Dass das in München der Fall sein wird, ist nur schwer vorstellbar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.