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Eintracht-Neuzugang Haller : „Ich bin kein Messi oder Ronaldo“

Er soll ab sofort die Tore schießen: Eintracht-Angreifer Sebastien Haller Bild: Imago

Haller ist Haller – sehr gute Gespräche mit Coach Kovac haben den stürmischen Franzosen nach Frankfurt geführt. „Das ist genau der richtige Ort für mich“, sagt der Rekordtransfer der Eintracht.

          3 Min.

          Für den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte haben sie sogar die größte Loge freigemacht. Es ist der erste Auftritt, die Vorstellung von Sebastien Haller. Am Mittwoch traf der französische Fußballprofi auf seine neuen Frankfurter Spielkameraden, und nach den ersten absolvierten Leistungstests in den Räumlichkeiten der Commerzbank-Arena suchte der am 15. Mai als erster Neuzugang von der Eintracht für die kommenden vier Jahre verpflichtete Haller auch das Gespräch mit den Berichterstattern. Der vor einer Woche 23 Jahre alt gewordene Stürmer spricht sehr gut englisch, und was er erzählt, dürfte großen Anklang finden.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          „Frankfurt ist genau der richtige Ort, um in der Bundesliga Fuß zu fassen und mich weiter zu entwickeln“, sagt er. „Ich habe sehr gute Gespräche mit Trainer Niko Kovac geführt.“ Diese seien letztlich ausschlaggebend dafür gewesen, den Wechsel vom FC Utrecht aus den Niederlanden zur Eintracht nach Deutschland zu forcieren. Eine erste Bestätigung, den „richtigen Schritt zur richtigen Zeit“ gemacht zu haben, wie er betont, erhielt Haller zwei Wochen nach seiner Vertragsunterschrift. „Ich bin beim Pokalfinale in Berlin gewesen. Ich war überrascht, und auch die Fans haben mich sehr beeindruckt.“

          „Ich bringe Physis mit, kann Bälle behaupten und Tore schießen“

          Beeindruckend – das dürfte aus Eintracht-Sicht auch die Ablöse gewesen sein, die gezahlt werden musste. Dem Vernehmen nach haben es sich die Frankfurter Macher um Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Kovac rund sieben Millionen Euro kosten lassen, um sich die Dienste des französischen U-21-Nationalspielers (20 Spiele/13 Tore) zu sichern. Zum Vergleich: Für den bisherigen Rekordtransfer, den Brasilianer Caio, wurden seinerzeit 3,8 Millionen Euro gezahlt. Ob Haller, annähernd doppelt so teuer, auch doppelt so gut wie Caio ist, wird sich weisen. Sicher aber ist: Bobic und Kovac setzen bei der Neujustierung der Mannschaft voll auf die Karte Haller. Der Franzose, der auch die Staatsbürgerschaft der Elfenbeinküste besitzt, soll eines der neuen markanten Gesichter der Eintracht werden.

          Übersehen werden kann Sebastien Haller kaum. Mit 1,90 Meter Länge bewegt er sich fast auf Augenhöhe mit Kapitän Alexander Meier, der 1,96 Meter misst. Angesprochen auf die Qualitäten, die ihn auszeichnen, ziert sich Haller ein wenig. „Über mich selbst mag ich nicht gerne reden.“ Doch dann schiebt er nach: „Ich bringe Physis mit, kann Bälle behaupten und Tore schießen. Aber vor allem bin ich ein Teamplayer“, sagt er. Auf das viele Geld, das als Ablöse zwischen den Klubs geflossen ist, will er nicht eingehen. „Das ist Sache der beteiligten Vereine. Und nur weil ich der Rekordtransfer bin, heißt das nicht, dass ich ein Messi oder Cristiano Ronaldo bin.“ Haller ist Haller – einer, der von der neuen Saison an den Dress der Eintracht trägt, auf dem vorne der Name des neuen Hauptsponsors steht und hinten die Rückennummer, die ihm sein Arbeitgeber zugeteilt hat: 9.

          Interessiert, freundlich, redsam

          Ein klassischer Mittelstürmer also. Einer, den die Eintracht zuletzt nicht gehabt hat. Haller soll denn auch nachhaltig mithelfen, die Sturmmisere zu beheben. Dass es in einem erschwerten Umfeld mit attraktiven Aufsteigern und Rückkehrern wie VfB Stuttgart und Hannover 96 gelingen kann, davon ist Haller „von Beginn an überzeugt. Ich will dabei mithelfen, dass die Eintracht in der Bundesliga eine gute Saison spielt.“ Wobei ihm schon bewusst ist, dass der Unterschied zur ersten niederländischen Liga groß sein wird. „Alles ist schneller, alles ist härter“, sagt er. „Für mich ist das ein großer Schritt.“ Besonders freut sich der stürmische Franzose auf die Stimmung bei den Heimspielen. „Die Atmosphäre hier ist immer heiß, alle Leute unterstützen den Verein voll und ganz. Ich freue mich schon, zum ersten Mal bei einem Heimspiel aufzulaufen“, sagt Haller.

          Seine Karriere begann der Vater einer dreieinhalb Monate alten Tochter bei AJ Auxerre, wo es für ihn noch nicht nach Wunsch lief. „Mal habe ich gespielt, mal nicht. Es war ein schwerer Karrierestart“, sagt Haller im Rückblick. 2015 ging er nach Utrecht. Dort traf der U-21-Nationalspieler bis zum Ende der Saison 2016/2017 in 82 Spielen 41 Mal – eine Topquote für den trickreichen Angreifer. Dass er mit Frankreichs Nachwuchs die Teilnahme an der Europameisterschaft in Polen verpasst hat, ärgert ihn kaum. „Ich bin froh, hier in Frankfurt zu sein, dadurch kann ich mich schneller integrieren. Das macht es für mich einfacher.“

          Interessiert, freundlich, redsam: Haller nutzt seine erste Chance, sich sympathisch zu präsentieren und Begehrlichkeiten zu wecken. Anders als die meisten ausländischen Fußballprofis, die im Laufe der vergangenen Jahre zur Eintracht gekommen sind, um in Frankfurt Fußball zu spielen und neben dem Beruf Land und Leute kennenzulernen, will sich Haller auch der deutschen Sprache nähern. „In der Schule war mir deutsch als zweite Fremdsprache zu schwierig“, sagt er auf Englisch. Aber nun sei die Zeit reif, fleißig Deutsch zu lernen. Einige akzentfreie Brocken beherrscht er schon: „Guten Morgen“ und „ich bin glücklich“. Glücklich, in Frankfurt bei der Eintracht zu sein. An sein gemachtes Versprechen vom Mittwoch wird sich Haller in den kommenden Monaten messen lassen müssen. „Ich will hundert Prozent für den Klub, meine Mannschaftskameraden, den Trainer und die Fans geben.“

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