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Eintracht nach der Heimspiel-Pleite : „Es gibt jetzt keinen Knacks“

„Es gibt jetzt keinen Knacks. Wir werden auch weiterhin guten Fußball spielen”, meinte Eintracht-Kapitän Ochs gleich nach der Pleite gegen Hoffenheim Bild: Wonge Bergmann

Nichts ist es geworden mit dem achten Spiel nacheinander, in dem die Frankfurter Eintracht in der Bundesliga ungeschlagen bleiben wollte. Doch trotz der 0:4-Heimspiel-Pleite gegen Hoffenheim gibt sich die Eintracht unaufgeregt.

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          Der eigentliche Tiefschlag ereignete sich schon vor dem 0:2. Es war die 63. Minute, in der Pirmin Schwegler unter Schmerzen aufgeben musste. Kurz nach der Halbzeitpause war der Eintracht-Spielmacher nach einem Kopfballduell mit dem Hoffenheimer Sejad Salihovic zu Boden gegangen. Der schwache Schiedsrichter Markus Wingenbach entschied auf Freistoß für die TSG, doch dass der Schweizer Schwegler sich bei der Attacke eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, entging dem Unparteiischen. „Als Pirmin nicht mehr konnte, wurde es immer dünner bei uns“, sagte später in seiner Analyse der Frankfurter Trainer Michael Skibbe, der die Entscheidung „abenteuerlich“ fand.

          „Der Schiedsrichter hat eine ganze Mannschaft komplett gegen sich aufgebracht.“ Kurz nach Schweglers Auswechslung fiel das zweite Hoffenheimer Tor (69.), dem die Kraichgauer bis zum Ende dieses aus Eintracht-Sicht bitteren Fußballnachmittags zwei weitere Treffer zum 0:4 folgen ließen (71., 90.). Boris Vukcevic hatte den unerwartet hohen Torreigen eröffnet (31.), dem Bosnier Vedad Ibisevic glückte mit dem Doppelschlag Mitte der zweiten Hälfte ein beachtliches Comeback, ehe Peniel Mlapa (90.) den Endstand herstellte.

          „Die TSG hat verdient und souverän gewonnen“

          Die Serie also ist gebrochen. Nichts ist es geworden mit dem achten Spiel nacheinander, in dem die Eintracht in der Bundesliga ungeschlagen bleiben wollte. Gegen Angstgegner Hoffenheim, den man in bislang vier Auseinandersetzungen nicht besiegen konnte, dominierte auch nach der fünften Gegenüberstellung Ernüchterung. „Die TSG hat verdient und souverän gewonnen“, lobte Skibbe die Leistung der Mannschaft seines Trainerkollegen Ralf Rangnick. „Wir haben unsere Möglichkeiten einfach nicht genutzt.“ Tatsächlich hätte die zu Beginn stark auftrumpfende Eintracht ihre Tabellenposition (Platz fünf) nochmals verbessern können. Doch Theofanis Gekas reagierte zweimal zu spät (2., 6.). Und weil der unsichere Schiedsrichter oftmals ganz anders reagierte, als sich das die Frankfurter vorstellten, sagte Skibbe nach seinem 300. Bundesligaspiel: „Der Unparteiische hat das Spiel reichlich zerpflückt.“ Als Schwegler in der 51. Minute im Hoffenheimer Strafraum von den Beinen geholt wurde, hätte man Elfmeter geben können. Als Demba Ba vier Minuten später den Ball nach einem Schuss von Halil Altintop nachweislich mit der Hand im Strafraum blockierte, hätte Wingenbach Elfmeter geben müssen. „Ich war mir sicher, dass es Strafstoß war“, ärgerte sich später Altintop. Überhaupt: „Jeder im Stadion war sich sicher.“ Nur der Referee nicht.

          Hoffenheim präsentierte sich als der erwartet unangenehme Gegner. Rangnick hatte seiner Mannschaft ans Herz gelegt, die Eintracht sofort und bei jedem Ansatz von Spielaufbau mit mehreren Leuten zu attackieren und zu stören. Diese Taktik missfiel den Hessen. Kapitän Patrick Ochs gelangen nur wenige effektive Vorstöße über rechts. Altintop fand wie so oft kaum ein Durchkommen auf links, was auch an der Qualität seines Gegenspielers, des starken Hoffenheimer Spielführers Andreas Beck, lag. Caio nahm ein-, zweimal aus der Distanz Maß, verhedderte sich zudem in seinen geliebten Übersteigern und konnte der Eintracht wieder keine nachhaltigen Impulse geben.

          Franz fehlt in München

          Bitter zudem: Innenverteidiger Maik Franz sah in der 77. Minute Gelb; Linksverteidigerkollege Georgios Tzavellas wurde schon in der 61. Minute verwarnt. Wenn die Eintracht am kommenden Samstag beim Rekordmeister in München antritt, werden beide gesperrt fehlen. „Das ist eine interessante, zugleich aber auch schwierige Situation für uns“, blickte Skibbe voraus. „Ich muss die Abwehr komplett umbauen.“ Wann Schwegler zurückkehrt, ist ungewiss. „Er wird auf jeden Fall ein paar Tage ausfallen.“ Immerhin: Mit Alexander Meier kehrt eine erstklassige Alternative für das Frankfurter Mittelfeld zurück. Gegen Hoffenheim musste Meier nach auskuriertem Muskelfaserriss passen, „weil ich mich noch nicht hundertprozentig sicher gefühlt habe“. Doch die Dienstreise zu den Bayern wird der im Vorjahr torgefährlichste Frankfurter Fußballprofi auf jeden Fall mitmachen.

          Vier Gegentore gegen die wiedererstarkten Hoffenheimer, die dank des Sieges an den Frankfurtern tabellarisch vorbeigezogen sind, bedeuten aber nicht zugleich das Ende des Aufschwungs. Glaubt zumindest Kapitän Ochs, der die Parole ausgab: „Es gibt jetzt keinen Knacks. Wir werden auch weiterhin guten Fußball spielen. Die Mannschaft weiß, was sie kann.“ Seine Strategie, um nach der fünften Niederlage im dreizehnten Saisonspiel schnell wieder in die Spur zu kommen: „Fehler ansprechen, intensiv trainieren und dieses 0:4 einfach hinter uns lassen.“ Altintop: „Lieber einmal 0:4 verlieren, als viermal 0:1.“

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