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Eintracht-Kaderplaner : „Ich sehe mehr als andere“

  • -Aktualisiert am

Dinge entwickeln heißt, eigene Ideen zu verfolgen und nicht nur von anderen irgendwohin geschickt zu werden?

Genau. Wenn es heißt, Ben ist für den spanischen Markt zuständig, dann muss es mir überlassen sein, wann ich wo hinfliege. Jeder, der mich kennt, weiß, ich arbeite eher zu viel als zu wenig. Ich gehöre zu den Leuten, die positiv bekloppt sind. Ich denke Fußball, ich schlafe Fußball. Ich habe zu allem eine eigene Meinung. Damit kommt auch nicht jeder zurecht.

Aber Bobic, oder?

Wir haben vier Jahre vertrauensvoll in Stuttgart zusammengearbeitet. Als er mir das Angebot machte, nach Frankfurt zu kommen, dachte ich mir, willst du dir das antun? Denn Fredi ist in Frankfurt ja sehr negativ von den Medien und auch von manchen Fans empfangen worden. Aber dann sagte ich mir: Das machen wir. Qualität setzt sich durch, wir werden mit unserer Arbeit die Leute in Frankfurt überzeugen.

Aber haben Sie kein Problem damit, nacheinander zehn Spieler anzubringen, und keiner von Ihren Vorgesetzten will sie haben?

Nein, ich akzeptiere, dass ich Vorgesetzte habe. Was ich nicht akzeptieren könnte, wäre, aus der Zeitung zu erfahren, Eintracht Frankfurt hat den Spieler XY verpflichtet, ohne dass ich vorher irgendwie informiert oder gefragt worden wäre. Scouting ist Teamwork.

Es ist sehr schwer, anhand eines Spiels einen Spieler zu beurteilen, ob er für die Eintracht in Frage kommt oder nicht. Was muss ein Spieler haben, um interessant zu sein?

Ich bin seit 15 Jahren im Geschäft und behaupte, dass ich mehr sehe als andere. Wenn einer drei Tore schießt, war er gut, das sieht jeder. Meine Aufgabe ist es, kleinste Sachen zu erkennen. Zunächst habe ich ja viele Vergleichsmöglichkeiten durch meine Erfahrung. Dann ist es eine Mischung aus Bauchgefühl, Instinkt und Logik. Vallejo zum Beispiel ist als 15-Jähriger von einigen Scouts aussortiert worden, weil er gegen kräftige Mittelstürmer zu viele Zweikämpfe wegen seiner Physis verlor. Da lache ich. Er spielte gegen 17-Jährige, die zehn Kilogramm schwerer und zehn Zentimeter größer waren. Aber sein Stellungsspiel, sein Auge und seine Spielintelligenz waren schon überragend. Man kann sich natürlich immer täuschen, aber unsere Quote ist schon ganz gut. Dann muss ich wissen, was die Trainer verlangen.

Gibt es da große Unterschiede?

Ja. Die Bundesliga ist mit der Premier League die kompletteste Liga, in der Primera Division wird der beste Fußball gespielt, aber da ist die Physis nicht so ausgeprägt.

Welche Spieler bevorzugt Kovac?

Jung, schnell, hart, kernig. Also muss ich bei einem Spanier schauen, dass er zur Technik auch die Mentalität und die Athletik besitzt, 90 Minuten konzentriert hoch- und runterzumarschieren. Oder ich hole einen Spieler aus Ecuador, da wird dazwischengefegt. Und ich brauche Niko keinen Holländer anbringen, da gibt es kaum keinen, der dazwischenfegt. Man muss als Scout unterschiedlich gucken, je nach Trainer und Verein.

Das Gespräch führte Peter Heß.

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