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Eintracht-Spielerin Nüsken : Zwischen Klausur und Länderspiel

  • -Aktualisiert am

Aufregung beim Debüt für die Nationalelf: Sjoeke Nüsken Bild: Picture-Alliance

Einst gehörte Sjoeke Nüsken zu den besten Tennisspielerinnen ihres Jahrgangs. Als Fußballprofi erarbeitet sich die Studentin nun einen Platz in der Nationalelf.

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          Sjoeke Nüsken hat am Montagvormittag in DFB-Trainingskleidung eine Klausur geschrieben. Thema: Bauorganisation und Baukostenermittlung. „Ist ganz gut gelaufen“, sagte die Bauingenieurswesen-Studentin Sjoeke Nüsken. Wenige Stunden zuvor, am Sonntagabend, hatte die Fußballspielerin Sjoeke Nüsken ihrer Sportkarriere einen wichtigen Baustein hinzugefügt.

          Die Mittelfeldspielerin der Frankfurter Eintracht debütierte beim 2:0-Sieg gegen Belgien in Aachen in der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft. „Ist ganz gut gelaufen“, fand sie. Knapp 20 Minuten durfte sie mitwirken beim ersten Länderspiel des Jahres. Das Match ist Teil des Miniturniers mit Deutschland, Belgien und den Niederlanden, das neben dem sportlichen Wert in Pandemiezeiten auch ein Zeichen setzen soll für die gemeinsame Bewerbung der drei Länder um die Austragung der Weltmeisterschaft 2027.

          „Traum ist in Erfüllung gegangen“

          Sjoeke Nüskens Spielzeit war zu kurz, um ein gewichtiges Zeichen in eigener Sache zu setzen. Zumal ihr die Aufregung in der ein oder anderen Szene durchaus anzumerken war. Nichtsdestotrotz: „Es war ein großer Moment, ein großer Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte sie. „Ich war sofort da, und die Mannschaft hat mich gut ins Spiel gebracht.“

          Dass die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die gerade 20 Jahre alt gewordene Westfälin gleich auf der Sechserposition im Mittelfeld aufbot, darf aber als Vertrauensvorschuss gewertet werden. Bei der Eintracht wird der Rotschopf vornehmlich auf den Außenpositionen im Mittelfeld eingesetzt.

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          Sjoeke Nüskens Werdegang, der sie nun in die höchsten Fußballsphären geführt hat, ist außergewöhnlich. Einst gehörte sie zu den besten Tennisspielerinnen ihres Jahrgangs. Doch das Mädchen mit dem ausgeprägten Ballgefühl entschied sich gegen die Einzel- und für die Mannschaftssportart. Sie besuchte das Sportinternat Kamen-Kaiserau und durchlief alle U-Nationalmannschaften. In Ermangelung von guten Mädchen- und Frauenmannschaften im Umkreis kickte sie mit den männlichen Junioren von Westfalia Rhynern.

          Mit Sondergenehmigung sogar bis zur U-19-Landesliga. „Das hat mich von der Körperlichkeit, vom Tempo und der Robustheit geprägt“, sagt Sjoeke Nüsken. Ihr Talent blieb nicht verborgen. Die halbe Frauen-Bundesliga wollte sie haben. Als Spielerin einer männlichen U-19-Mannschaft wurde sie im Frühjahr 2019 schon zu einem Trainingslehrgang der Frauen-Nationalmannschaft eingeladen – ein Unikum.

          Zu diesem Zeitpunkt stand schon fest, dass der damalige 1. FFC Frankfurt das Rennen um das Talent gemacht hatte. Nur zog sie sich bei einem ihrer letzten Einsätze für Rhynern einen Wadenbeinbruch zu und erschien am Main als Rekonvaleszentin. Ihre bisherige Zeit in Hessen war von Rückschlägen – sie zog sich unter anderem einen Außenbandriss im rechten Knie zu – und dem Wiederherankämpfen geprägt.

          „Jetzt kann es richtig losgehen“

          „Sie hat sich den Einsatz für die A-Nationalmannschaft erarbeitet“, sagt SGE-Cheftrainer Niko Arnautis. „Sie weiß jetzt, welche Sprünge sie machen kann, wenn sie gesund bleibt. Jetzt kann es richtig losgehen für sie.“ Arnautis schätzt an der 20-Jährigen, dass sie eine gewisse Explosivität und den Drang zum Tor mit guter Passqualität und gutem Spielüberblick paart. Dazu kommt ihre Durchsetzungsstärke im Zweikampf. Arnautis vergleicht Sjoeke Nüsken mit „Michael Ballack, der auch aus dem Mittelfeld mit in die Box gegangen ist und dort mit Fuß und Kopf gefährlich war“.

          Wenn die deutsche Elf an diesem Mittwochabend (18.30 bei Eurosport) gegen Europameister Niederlande antritt, soll auch die Frankfurter Stürmerin Laura Freigang gefährlich werden. Und gegebenenfalls hält Abwehrkraft Sophia Kleinherne im Verbund mit Torhüterin Merle Frohms Gefahr vom deutschen Tor fern.

          Dass gleich vier Frankfurterinnen für die Nationalmannschaft nominiert worden sind, das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Ob Sjoeke Nüsken ein weiteres Mal zum Einsatz kommt, erscheint fraglich. So kann sie sich an diesem Dienstag erst mal auf eine weitere Klausur im Düsseldorfer Teamquartier konzentrieren. „Ich bin ganz gut vorbereitet“, sagt sie.

          Drei positive Corona-Fälle bei Frankfurts Fußball-Frauen

          Bei den Fußball-Frauen von Eintracht Frankfurt gibt es drei positive Corona-Fälle. Betroffen sind zwei namentlich nicht genannte Spielerinnen und Trainer Niko Arnautis. Das Trio hat sich bereits am vergangenen Freitag in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben, teilte der Bundesligaverein an diesem Dienstag mit. Allen Betroffenen gehe es den Umständen entsprechend gut. (dpa)

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