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Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen : „Die Ansprüche passen nicht zur Realität“

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Vehs Abgang und seine nicht abgesprochene Bekanntgabe durch Sie sorgte für Unruhe. Haben Sie die Situation falsch eingeschätzt?

Es war der richtige Zeitpunkt. Wir hatten das tolle Heimspiel gegen Porto und den Sieg gegen den VfB Stuttgart hinter uns, zudem stand eine Aufsichtsratssitzung an. Es war die Gelegenheit, klar Schiff zu machen. Grundsätzlich brauche ich auch niemanden zu fragen, wenn ich der Überzeugung bin, dass es angebracht ist, Stellung zu beziehen. Ich trage hier schließlich die Gesamtverantwortung. Aber heute weiß ich, dass die extreme Kritik bezüglich des Ablaufes berechtigt war. Der sportliche Erfolg zeigt seitdem im Übrigen, dass mein Handeln vom Zeitpunkt her nicht so falsch war.

Das elfte Jahr seiner Amtszeit war aufgrund des Einzugs in die Europaleague seiner Mannschaft für Vorstandschef Heribert Bruchhagen ein besonderes.
Das elfte Jahr seiner Amtszeit war aufgrund des Einzugs in die Europaleague seiner Mannschaft für Vorstandschef Heribert Bruchhagen ein besonderes. : Bild: Wonge Bergmann

Als die Eintracht nach dem 3:3 gegen Porto aus der Europa League ausschied, sagten Sie hinterher prompt, dass die Fans auf ein vergleichbares Erlebnis Jahre werden warten müssen. Warum gießen Sie so gerne Wasser in den Wein?

Wir haben sechs Jahre auf den internationalen Fußball warten müssen, und in der Tat befürchte ich, dass wir es schwer haben werden, die internationalen Erfolge des letzten Jahres kurzfristig zu wiederholen. Leider entfällt im nächsten Jahr auch die Chance im Pokal. Dennoch hofft man immer auf eine sportliche Überraschung.

Auch dann nicht, wenn Sie entschlossen in den Kader investierten?

Wir kaufen in einer finanziellen Größenordnung ein, in der man nie ganz sicher sein kann, ob neue Spieler wirklich besser sind als die, die schon da sind – ob sie nun zwei oder vier Millionen Euro kosten – oder gar nichts. Es ist schwer, bei unserem Niveau in der Mannschaft jemanden von außen zu holen und sicher zu sagen: Der wird uns verstärken.

Wo liegt die Grenze nach oben bei den Transfersummen?

Wir haben einen finanziellen Rahmen, und innerhalb dieses Rahmens müssen wir abwägen. Und wenn wir zum Beispiel Verträge von Spielern verlängern wollen, die 2015 auslaufen, bei Stefan Aigner etwa oder Carlos Zambrano, dann hat das natürlich Auswirkungen auf unsere Kaderplanung für die nächste Saison, weil solche Verlängerungen ihren Preis haben. Die Spieler werden ja nicht billiger, und das verändert die Substanz der Investitionen. Wir werden auch für die nächste Saison in unseren Mitteln eingeschränkt sein, aber das gilt ja für viele Vereine – nämlich für alle außerhalb der Champions League oder der Werksklubs.

Obwohl die Ausschüttungen durch das Fernsehgeld gestiegen sind?

Das sind sie, aber das gilt für alle anderen Klubs auch. Und weil wir zurzeit im Fernsehranking nur auf Platz 14 liegen, profitieren die 13 Vereine vor uns stärker als wir.

Aber Aigner und Zambrano sollen länger bleiben?

Ja, wir wollen verlängern. Aber natürlich wird der neue Trainer eine große Rolle bei der Konfiguration der Mannschaft spielen.

Können Sie es sich überhaupt leisten, gute Angebote für Spieler abzulehnen?

Es gab in der Vergangenheit zig Angebote, aber weil Eintracht Frankfurt keine Schulden hatte, habe ich nie die Neigung verspürt, einen Stammspieler abzugeben. Warum sollten wir? Es wird zwar beklagt, dass wir in unserer Transferpolitik anders agieren als Mainz 05 zum Beispiel, dass wir keine größeren Summen erzielen, aber wir hatten nie das Ziel, einen Spieler abzugeben. Wir brauchten für die Finanzierung unserer Mannschaft nie einen Verkauf.

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