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Eintracht Frankfurt : In der Zwickmühle

Arbeitet sich nach einer Verletzung wieder an das Eintracht-Team heran: Haris Seferovic Bild: Wonge Bergmann

In der Bundesliga läuft die Frankfurter Eintracht ihrem Anspruch hinterher. Entweder die Spieler ändern sich – oder der Trainer baut das Team um. Dabei gibt es allerdings ein Problem.

          2 Min.

          Die Eintracht hatte sich, als sie vor exakt zwei Monaten mit dem Pokalspiel gegen die Amateure des SV Bremen in die Runde startete, viel vorgenommen. Bis heute hat sie wenig erreicht. Der zwölfte Platz in der Bundesliga-Tabelle entspricht bei weitem nicht den Erwartungen, die Teile des Klubs mit mutigen Prognosen befeuert hatten. Spätestens nach dem 0:2 beim FC Ingolstadt geht der Blick nach unten. Der Misserfolg gegen den Aufsteiger war die dritte Niederlage nach acht Spieltagen, und Stefan Reinartz gehörte zu den Profis im Frankfurter Kader, die die Lage nicht schönreden: Von Abstiegskampf wollte er (noch) nichts wissen, „aber es war ein deutlicher Warnschuss“.

          Reinartz, der auch gegen die Bayern von Mitte der zweiten Hälfte an nicht mehr in der Lage war, die ihm zugedachte Rolle als Mittelfeld-Lenker auszuführen, nannte den phasenweise erschreckend blutleeren Auftritt von sich und seinen Kollegen „das schlechteste Spiel der Saison“. Im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk brachte er auf den Punkt, was auch den Zaungästen, die am Dienstag die Einheiten an der WM-Arena verfolgten, nicht verborgen blieb: „Die Stimmung ist noch ein bisschen angeschlagen.“

          Mangelnde Genauigkeit

          Armin Veh, der in der kommenden Woche mit Zlatan Bajramovic einen ehemaligen Eintracht-Profi als Trainer-Praktikanten an seiner Seite hat, ließ die Spieler dabei vor allem den Torabschluss üben; geschossen wurde aus allen Lagen, doch wie zuletzt in der Liga sahen die Versuche, den Ball aus vollem Lauf per Kopf oder Fuß im Netz unterzubringen, nicht sonderlich ermutigend aus. Die Junioren-Keeper Yannick Zummack und Leon Bätge mussten nicht oft eingreifen, weil es den Angreifern an Schuss- und Flankengenauigkeit fehlte.

          Veh, der angekündigt hatte, in der Länderspielpause die Spieler moralisch aufbauen und das Team daneben womöglich personell umbauen zu wollen, kann nicht gefallen haben, was er in seiner Rolle als stiller Beobachter des Geschehens zu sehen bekam. Groß war die Truppe, die auf sein Kommando hörte, nicht, da Heinz Lindner, Lukas Hradecky, Marc Stendera, Carlos Zambrano, Makoto Hasebe, Constant Djakpa, Mijat Gacinovic und Luca Waldschmidt mit ihren Nationalteams unterwegs sind. Veh weiß, dass ihm nur zwei Möglichkeiten bleiben, damit die sportliche Situation nicht noch ungemütlicher wird: Entweder die Mannschaft ändert sich und geht nicht mehr so nachlässig zur Sache, oder er ändert die Mannschaft.

          Armin Veh ist nicht zufrieden
          Armin Veh ist nicht zufrieden : Bild: dpa

          Eine Formation, der er hundertprozentig vertraut, hat der Coach auch nach einem Vierteljahr, in dem er nun wieder die Verantwortung trägt, nicht gefunden; an den ersten sieben Spieltagen nahm er zwischen Anstoß und Abpfiff jeweils drei Auswechslungen vor, in Ingolstadt zwei. Besonders häufig wurden Luca Waldschmidt (6 Mal), Johannes Flum, Aleksandar Ignjovski und Slobodan Medojevic (jeweils 3) nachträglich eingesetzt. Ignjovski, der sich mittlerweile als Rechtsverteidiger halbwegs etabliert hat, wird fürs erste kürzertreten müssen: Er fällt wegen einer Zahn-Operation aus.

          Dafür meldete sich aber ein anderer Rekonvaleszent einigermaßen tatendurstig zurück: Haris Seferovic kehrte immerhin in Joggingschuhen zurück. Veh hätte ihn gerne so schnell wieder dabei. Als laufstarken Stürmer, der Bälle halten kann, damit sie nicht wie zuletzt regelmäßig zur leichten Beute des Gegners werden - und die Eintracht durch das ständige Hinterherlaufen konditionell abbaut. „Ingolstadt hat mehr Moral gezeigt, gekämpft, sie waren ein Team und haben verdient gewonnen“, sagte Seferovic unmissverständlich und legte damit den Finger in die Wunde.

          Er fügte an: „Gegen Gladbach müssen Punkte her“, mit oder ohne seine Hilfe. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal zwei Spiele ausgesetzt habe“, sagte der Schweizer, der „auf“ Schalke einen Muskelfaserriss im Oberschenkel erlitten hatte, „es ist das erste Mal seit der Jugend, dass ich verletzt bin.“ Auch daher könne er nur schwer einschätzen, ob es mit seiner Rückkehr ins Fußballteam schon gegen die Borussia klappen wird. „Vielleicht ist dann das Risiko zu groß, dass es wieder kaputtgeht und dann wäre es noch schlimmer“, sagte der 23-Jährige. „Die Angst ist da.“ Der Einzige mit einem mulmigen Gefühl ist er in diesen Tagen bei der Eintracht nicht.

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