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Eintracht Frankfurts Scouting : Die Mangel-Verwalter

Mainzer Glücksgriff: Andreas Ivanschitz Bild: AP

Seit Jahren macht die Eintracht Fehler auf dem Transfermarkt. Trainer Skibbe hat sich darüber lauthals beklagt. Jetzt deutet Vorstandschef Bruchhagen Veränderungen beim Scouting an.

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          Es ist kein Geheimnis, dass der Haussegen bei den Frankfurtern in den vergangenen Tagen mächtig schiefhing. Doch es ist ruhiger geworden. Ein wenig. Die Erregung und der Nachhall auf den verbalen Rundumschlag von Trainer Michael Skibbe am Ist-Zustand des Vereins klingen ab. Vor allem Heribert Bruchhagen, in Personalunion Manager und Vorstandsvorsitzender, ist bemüht, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Wie stabil der Burgfrieden ist, werden die kommenden Wochen zeigen. Denn wie sich nach dem Ausfall von Ioannis Amanatidis (Eintracht-Stürmer Amanatidis : „Mehr als Platz neun ist ganz schwierig“) herauskristallisiert, scheint die konfliktreiche Beziehung des Chefs und seines wichtigsten Angestellten eine weitere Prüfung überstehen zu müssen.

          Marc Heinrich
          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Skibbe, der nach den Blamagen gegen München und Leverkusen dem Verein mit vielen Worten eine erstklassige Zukunft in Abrede stellte, will die Verletzung seines besten Angreifers mit einem Ersatzmann gleicher Güte kompensieren: „Es macht nur Sinn, nach einem Stürmer zu suchen, der auch die Klasse von Ioannis hat“, sagte der Vierundvierzigjährige. Das kostet Geld, über das Finanzvorstand Thomas Pröckl nicht nach Belieben verfügen kann; er kalkuliert schon heute mit einem Saisonminus von „zwei bis drei Millionen Euro“. Bruchhagen möchte auch deswegen sich und seiner bisherigen Amtsführung treu bleiben und Vorsicht walten lassen: „Einen Stürmer dieser Qualität bekommen wir sowieso nicht“, konterte er die Forderung und meinte stattdessen: „Man kann mutmaßen, dass wir in der für uns möglichen Finanzkategorie einen Stürmer holen, der sich mit Meier, Fenin oder Korkmaz auseinandersetzen muss.“ Bei jeder Neuerwerbung in naher Zukunft sei für ihn klar, „dass sie im Konkurrenzkampf mit den vorhandenen, nach allgemeiner Einschätzung durchschnittlichen Spielern stehen wird“. Nach einem Aufbruch zu neuen Ufern, wie von Skibbe proklamiert, hört sich das nicht an.

          Bruchhagen: „Kritik kann man üben“

          Zuletzt trafen die Verantwortlichen der Eintracht zu oft die falschen Entscheidungen. Marko Marin etwa, Nationalspieler und eines der größten Talente der Republik, spielte in der Frankfurter Jugend, und trotzdem ließ ihn der Verein nach Mönchengladbach ziehen. Heute dribbelt Marin für Werder Bremen sogar in der Europa League. Auch bei anderen Neuverpflichtungen haben Bruchhagen, einst als Schnäppchenjäger gefeiert, und seine Mitstreiter oft den richtigen Riecher vermissen lassen. Genau das sprach Skibbe in seiner Wutrede an. Spieler, die nicht die Erwartungen erfüllten, gab es zuhauf.

          Bringt angesichts der Ablösesumme von 3,8 Millionen Euro nach wieder vor zu wenig Begeisterndes: Caio (links)

          „Kritik kann man üben“, räumte auch Bruchhagen angesichts der langen Liste teils teurer Missverständnisse schon im Frühjahr ein. „Man trifft keinen Leistungsträger eines anderen Bundesligisten ohne Vertrag an“, lautete seine Erklärung für die Enttäuschung. „Spieler, die besser sind als unsere, die uns klar weiterhelfen, können wir nicht bezahlen. Das ist einfach so.“ Sein Fazit: Mit ihren pekuniären Möglichkeiten sei die Eintracht nicht in der Lage, Ausnahmekönner anzulocken. Stattdessen lobt er den ehemaligen Trainer: „Herrn Funkel ist es gelungen, sieben oder acht Low-Budget-Spieler aus der Aufstiegssaison zu einer Qualität zu verhelfen, die es jedem Zwei- oder Drei-Millionen-Euro-Transfer schwer macht, sich dagegen durchzusetzen.“

          Köln setzt auf „SportsLab“

          Nachfolger Skibbe glaubt dennoch, dass es sich bezahlt machen würde, wenn die Eintracht früher und besser den in- und ausländischen Markt im Nachwuchsbereich sondiere. Fakt ist, dass sich neben dem früheren Nationalspieler und heutigen Chef-Scout Bernd Hölzenbein nur vier weitere Mitarbeiter, darunter der ehemalige Profi Ralf Weber, um das Aufspüren von Talenten kümmern. „Unsere Manpower reicht bei weitem nicht, um Europa abzudecken und rechtzeitig Spieler zu entdecken, die einen weiterbringen“, sagt Skibbe. „Je begrenzter die Finanzen sind, umso rechtzeitiger muss man sich um taugliche junge Spieler kümmern.“ So wie es andere Vereine in der Liga längst machen: Der 1. FC Köln etwa, auch ein Klub aus dem Mittelmaß der Liga, hat das sogenannte „SportsLab“ eingerichtet.

          Ein modernes Informationssystem, das knapp dreißig Studenten durch Videoanalysen mit Leistungsdaten von Spielern versorgen. Auch die Spitzenvereine wie Hoffenheim oder Leverkusen bündeln wesentlich mehr Kräfte bei der Suche nach unbekannten Spielern. Der HSV beschäftigt mehr als ein Dutzend Mitarbeiter im Scouting, einige von ihnen sind in Südamerika und Skandinavien stationiert, andere weltweit unterwegs. Zum Vergleich: Bei der Eintracht wirkt ein Scout von Georgsmarienhütte im Teutoburger Wald aus, ein anderer lebt in Tschechien und soll Osteuropa im Blick haben.

          Hölzenbein lehnt derzeit Stellungnahme zu Scouting ab

          Die vorhandenen Mittel scheinen nicht auszureichen, um den Anschluss zumindest an das obere Mittelfeld der Liga herstellen zu können. Bruchhagen räumt immerhin ein: „Wir bei der Eintracht stehen Veränderungen seit Jahren offen gegenüber. In allen Abteilungen, auch im Scouting.“ Die Vorwürfe von Skibbe aber lässt er nicht zu. „Sie werden in der gesamten deutschen Fußballbranche keinen finden, der Herrn Hölzenbein nicht Kompetenz unterstellt“, sagt der Vorstands-Chef. Und: „Die Kritik an seiner Arbeit kann ich nicht verstehen, ich bin mit der Transferpolitik der Eintracht in den letzten Jahren sehr zufrieden.“

          Hölzenbein selbst lehnt derzeit jede Stellungnahme zu seinem auch bei Vorstandsmitgliedern nicht mehr unumstrittenen Engagement ab. „Ich werde, so ist es mit Herrn Bruchhagen vereinbart, mich in dieser Situation nicht äußern“, sagte er, um im gleichen Atemzug kurz durchblicken zu lassen, dass ihm die Debatte um seine Person missfällt: „Es ist bei der Hälfte aller Vereine so, dass immer mal wieder Fehler gemacht und die falschen Leute gekauft werden.“

          Mainzer mit Schnäppchen aus dem Sommerschlussverkauf

          Insgesamt wurden in der Bundesliga im Sommer von 18 Klubs mehr als 200 Millionen Euro für neues Personal investiert. Nicht alle gingen bei den riskanten Geschäften, bei der man sich an vielen Standorten durch globale Beobachternetzwerke, ausgefeilte Videoexpertisen und Computeranalysen vor Fehlschlägen schützen möchte, so unorthodoxe - und trotzdem erfolgreiche - Wege wie der FSV Mainz 05. Deren sparsamer Manager Christian Heidel klickte sich zur Jahresmitte nur durch einschlägige Internetseiten, um einen geeigneten Nachfolger für den zum BVB abgewanderten Markus Feulner zu suchen. „Ich habe geguckt: Wo ist ein offensiver Mittelfeldspieler, der in seinem Verein nur auf der Bank sitzt?“, sagte Heidel. Bei seiner Recherche landete er bei Andreas Ivanschitz - und wurde sich wenig später mit dem Österreicher handelseinig. Das Schnäppchen aus dem Sommerschlussverkauf entpuppt sich inzwischen als Volltreffer.

          Einen solchen sucht nun die Eintracht händeringend für ihren lahmenden Sturm. Auch für Systemkritiker Skibbe hieß es deshalb an diesem Wochenende: Selbst ist der Mann. Der Vierundvierzigjährige unterstützte Hölzenbein und reiste mit Assistent Edwin Boekamp zur Sichtung möglicher Neuzugänge ins Ausland. Welches Ziele und welche Länderspiele das Duo ansteuerte? Die Pressestelle des Klubs hielt sich bedeckt und teilte nur knapp mit: „Das kommunizieren wir nicht.“ Lange wird sich auch dieses Geheimnis nicht verschweigen lassen.

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