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Eintracht Frankfurts Scouting : Die Mangel-Verwalter

Nachfolger Skibbe glaubt dennoch, dass es sich bezahlt machen würde, wenn die Eintracht früher und besser den in- und ausländischen Markt im Nachwuchsbereich sondiere. Fakt ist, dass sich neben dem früheren Nationalspieler und heutigen Chef-Scout Bernd Hölzenbein nur vier weitere Mitarbeiter, darunter der ehemalige Profi Ralf Weber, um das Aufspüren von Talenten kümmern. „Unsere Manpower reicht bei weitem nicht, um Europa abzudecken und rechtzeitig Spieler zu entdecken, die einen weiterbringen“, sagt Skibbe. „Je begrenzter die Finanzen sind, umso rechtzeitiger muss man sich um taugliche junge Spieler kümmern.“ So wie es andere Vereine in der Liga längst machen: Der 1. FC Köln etwa, auch ein Klub aus dem Mittelmaß der Liga, hat das sogenannte „SportsLab“ eingerichtet.

Ein modernes Informationssystem, das knapp dreißig Studenten durch Videoanalysen mit Leistungsdaten von Spielern versorgen. Auch die Spitzenvereine wie Hoffenheim oder Leverkusen bündeln wesentlich mehr Kräfte bei der Suche nach unbekannten Spielern. Der HSV beschäftigt mehr als ein Dutzend Mitarbeiter im Scouting, einige von ihnen sind in Südamerika und Skandinavien stationiert, andere weltweit unterwegs. Zum Vergleich: Bei der Eintracht wirkt ein Scout von Georgsmarienhütte im Teutoburger Wald aus, ein anderer lebt in Tschechien und soll Osteuropa im Blick haben.

Hölzenbein lehnt derzeit Stellungnahme zu Scouting ab

Die vorhandenen Mittel scheinen nicht auszureichen, um den Anschluss zumindest an das obere Mittelfeld der Liga herstellen zu können. Bruchhagen räumt immerhin ein: „Wir bei der Eintracht stehen Veränderungen seit Jahren offen gegenüber. In allen Abteilungen, auch im Scouting.“ Die Vorwürfe von Skibbe aber lässt er nicht zu. „Sie werden in der gesamten deutschen Fußballbranche keinen finden, der Herrn Hölzenbein nicht Kompetenz unterstellt“, sagt der Vorstands-Chef. Und: „Die Kritik an seiner Arbeit kann ich nicht verstehen, ich bin mit der Transferpolitik der Eintracht in den letzten Jahren sehr zufrieden.“

Hölzenbein selbst lehnt derzeit jede Stellungnahme zu seinem auch bei Vorstandsmitgliedern nicht mehr unumstrittenen Engagement ab. „Ich werde, so ist es mit Herrn Bruchhagen vereinbart, mich in dieser Situation nicht äußern“, sagte er, um im gleichen Atemzug kurz durchblicken zu lassen, dass ihm die Debatte um seine Person missfällt: „Es ist bei der Hälfte aller Vereine so, dass immer mal wieder Fehler gemacht und die falschen Leute gekauft werden.“

Mainzer mit Schnäppchen aus dem Sommerschlussverkauf

Insgesamt wurden in der Bundesliga im Sommer von 18 Klubs mehr als 200 Millionen Euro für neues Personal investiert. Nicht alle gingen bei den riskanten Geschäften, bei der man sich an vielen Standorten durch globale Beobachternetzwerke, ausgefeilte Videoexpertisen und Computeranalysen vor Fehlschlägen schützen möchte, so unorthodoxe - und trotzdem erfolgreiche - Wege wie der FSV Mainz 05. Deren sparsamer Manager Christian Heidel klickte sich zur Jahresmitte nur durch einschlägige Internetseiten, um einen geeigneten Nachfolger für den zum BVB abgewanderten Markus Feulner zu suchen. „Ich habe geguckt: Wo ist ein offensiver Mittelfeldspieler, der in seinem Verein nur auf der Bank sitzt?“, sagte Heidel. Bei seiner Recherche landete er bei Andreas Ivanschitz - und wurde sich wenig später mit dem Österreicher handelseinig. Das Schnäppchen aus dem Sommerschlussverkauf entpuppt sich inzwischen als Volltreffer.

Einen solchen sucht nun die Eintracht händeringend für ihren lahmenden Sturm. Auch für Systemkritiker Skibbe hieß es deshalb an diesem Wochenende: Selbst ist der Mann. Der Vierundvierzigjährige unterstützte Hölzenbein und reiste mit Assistent Edwin Boekamp zur Sichtung möglicher Neuzugänge ins Ausland. Welches Ziele und welche Länderspiele das Duo ansteuerte? Die Pressestelle des Klubs hielt sich bedeckt und teilte nur knapp mit: „Das kommunizieren wir nicht.“ Lange wird sich auch dieses Geheimnis nicht verschweigen lassen.

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