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Marco Russ im Interview : „Nur beim FC Barcelona komme ich ins Grübeln“

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Erfrischung in Windischgarsten: Marco Russ ist reif für die Tonne. Bild: Jan Huebner

Höhere Ambitionen, mehr Konkurrenzdruck, neuer Spaß: Marco Russ gefällt die Entwicklung bei der Frankfurter Eintracht unter Trainer Veh - und verrät im Interview seine Zukunftspläne.

          6 Min.

          Sie sind seit 2004 Fußballprofi. Wie erleben Sie inzwischen Trainingslager im Sommer: mit der Gelassenheit eines Routiniers, oder verspüren Sie immer noch die gleiche Anspannung wie in jüngeren Jahren?

          Ich habe schon so viel erlebt: Unterschiedliche Trainer, wechselnde Philosophien, veränderte Schwerpunkte – mich kann gar nichts mehr schocken. Es kommt immer auf das Gleiche an: Man muss viel und hart arbeiten, weil man sich jetzt den Grundstein legt für die kommenden Monate. Es ist eine intensive Zeit. Wir haben gerade gut zu tun, haben aber auch unseren Spaß. Diese Mischung ist die passende.

          Achten Sie noch auf die Besonderheiten der Hotels, in denen Sie einquartiert sind?

          Nicht wirklich. Es ist immer gut, wenn man ein schönes Zimmer bekommt und ein gutes Bett hat, um vernünftig schlafen zu können, das Essen lecker ist. Gerade die Regeneration ist momentan wichtig. Wir haben es hier in Österreich sehr gut getroffen, der Wellnessbereich ist super, es gibt klasse Saunen.

          Ist Ihnen draußen nicht warm genug? Es sind jeden Tag um die 30 Grad Celsius, wie belastend ist das?

          Es soll der heißeste Sommer seit 2006 sein, als wir die WM in Deutschland hatten, habe ich heute gelesen. Es ist schon extrem beim Training. Das schlaucht einen mächtig. Es ist aber auch eine gute Schulung für den Körper und den Kopf: Wenn demnächst an einem Spieltag die Sonne so brennt, müssen wir ja auch ran.

          Hat sich die Vorbereitung im Laufe der Zeit geändert?

          Fast alles ist anders. Früher gab es einen Trainer, einen Co-Trainer, einen Leichtathletik-Trainer – das war es. Heute hat Armin Veh in seinem Betreuerteam sechs Assistenten. Und das ist längst noch nichts Besonderes. Leeds United, gegen die wir am Dienstag das Testspiel bestritten haben, hatten einen Staff an Helfern, der war zahlenmäßig fast größer als der Spielerkader. Medizinbälle kommen heute auch kaum noch welche zum Einsatz. Die vermisse ich aber auch nicht wirklich. Bei Felix Magath in Wolfsburg ging es nicht ohne, ich habe so viele davon in den Kraftzirkeln geschleppt, das reicht eigentlich für den Rest meiner Karriere. Bei Veh ist das Training abwechslungsreich. Das hält auch die Mannschaft bei Laune, und alle sind wesentlich engagierter, weil man eben nicht jeden Tag stumpfsinnig das Gleiche machen muss.

          Ist der Fußball ein anderer geworden?

          Es ist heute alles physischer, kräftiger und schneller als noch vor ein paar Jahren. Als ich mit 18 Jahren aus der Jugend zu den Profis kam, sah ich aus wie ein Schlaks. Wir haben ab und zu ein paar Liegestütze gemacht, das war es dann aber auch. Heute sind die jungen Leute wesentlich athletischer, das ist schon Wahnsinn, was da körperlich für Brocken dabei sind. Außerdem wird inzwischen alles mit technischen Hilfsmitteln genauestens überwacht und diagnostiziert, man versucht mit vielen kleinen Stellschrauben überall ein paar Prozent herauszukitzeln.

          Wie hat sich die Eintracht entwickelt?

          Zum Guten, würde ich sagen. Früher ging der Blick immer zuerst nach unten, und es hieß, dass wir nur den Abstieg zu vermeiden hätten. Es sind jetzt mehr Ambitionen im Spiel. Selbst Heribert Bruchhagen (der Vorstandsvorsitzende, d. Red.), der eigentlich immer sehr zurückhaltend war, spricht mittlerweile von der Europa League. Das belegt den neuen Geist, der von der Klubführung vorgelebt wird. Niemand ist mehr zufrieden mit Platz neun, zehn oder elf. Wir versuchen alle, dass es besser wird. Der wachsende Anspruch zeigt sich auch in den Zugängen, für die richtig Geld in die Hand genommen wurde.

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