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Eintracht-Hoffnung Joveljic : Torjäger im Wartestand

  • -Aktualisiert am

Wartet auf seine Chance: Eintracht-Stürmer Dejan Joveljic, hier 2019 Bild: dpa

Der Frankfurter Stürmer Dejan Joveljic erinnert an den für viele Millionen zu Real Madrid gewechselten Luka Jovic. Eintracht-Trainer Adi Hütter hält die Zeit des Serben jedoch noch nicht für gekommen. Das hat Gründe.

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          Würde es Dejan Joveljic seinem Vorbild und Landsmann Luka Jovic gleichtun, würde der serbische Jungstürmer bei Eintracht Frankfurt in den kommenden Monaten kraftvoll durchstarten. Seinem bislang einzigen Treffer in der Europa-League-Qualifikation gegen den FC Flora Tallinn (2:1) Ende Juli 2019 würde der 20 Jahre alte Joveljic in der zweiten Bundesliga-Saisonhälfte reichlich Tore folgen lassen.

          Torjäger Jovic, der nach dem millionenschweren Transfer mittlerweile als 22-Jähriger bei Real Madrid einen schweren Stand hat, gelangen in Frankfurt in der Rückrunde 2017/2018 sechs Treffer, insgesamt waren es acht in 22 Einsätzen in seiner Premierensaison. Eine Spielzeit später legte Jovic in seiner Paraderolle einen beachtlichen Leistungsschub hin und war aus dem Eintracht-Angriff nicht mehr wegzudenken – mit siebzehn Toren in der Bundesliga und zehn in der Europa League, dazu kamen sieben Vorlagen. Frankfurt hatte – zumindest für eine Runde – wieder einen umjubelten Stürmerstar, der Tore am Fließband produzierte und der für reichlich Festtage sorgte.

          Von einem Topstürmer noch weit entfernt

          Vom Aufstieg in den Rang eines Topstürmers ist Joveljic aber weit entfernt. In der Bundesliga steht der Offensivspieler, der nur zu Saisonbeginn gegen Leipzig und Düsseldorf zweimal in der Startelf stand und der danach lediglich noch zu 13 Minuten Einsatzzeit kam, weiter ganz am Anfang seiner Entwicklung. Wohin ihn der Weg mit seiner Begabung führen wird, ist offen. Der Geburtsort Bijeljina, die Körpergröße von 1,82 Meter und die erfolgreiche Ausbildung zum treffsicheren Profi bei Roter Stern Belgrad – das sind bisher die einzigen Gemeinsamkeiten zwischen Jovic und Joveljic. Der „Balkan-Knipser“, wie Joveljic bei seiner Verpflichtung – die Ablösesumme soll rund fünf Millionen Euro betragen haben – vom Boulevard genannt wurde, wartet auf der ersten Auslandsstation auf seinen Durchbruch. Und aktuell deutet einiges darauf hin, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.

          Fünf Tage vor dem Rückrundenstart am Samstag in Hoffenheim steht der Stoßstürmer Bas Dost ganz oben in der Frankfurter Angriffshierarchie. Endlich frei von Verletzungen und körperlich in viel besserer Verfassung als lange in der Hinrunde zeigt der Niederländer mit seiner Ansprache im Kollegenkreis und seiner selbstbewussten Körpersprache auf dem Trainingsplatz, dass er Führungsspieler sein und in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen will.

          Üben, üben, üben: Dejan Joveljic im Trainingslager in Florida

          Hinter ihm reihen sich die beiden Portugiesen Gonçalo Paciência (zehn Pflichtspieltreffer) und André Silva (drei) ein. Zu alter Stärke hat Paciência im neuen Jahr allerdings noch nicht gefunden, diesen Eindruck vermittelten seine Leistungen in den Übungseinheiten und im Testspiel gegen Hertha BSC Berlin (1:2). Und Silva scheint beim Bestreben, sich seiner Bestform anzunähern, kaum Boden gutzumachen. In dieser Verfassung bliebe der 24 Jahre alte Leihspieler vom AC Mailand eine große Enttäuschung.

          Trotzdem wird sich Jungspund Joveljic wohl weiter hinten anstellen müssen. Bei den Torabschlussübungen beweist er im Training zwar sein großes Talent. Ganz so, wie er es im Sommer des vergangenen Jahres bei seiner Präsentation in Frankfurt angekündigt hatte: „Ich kann mit rechts, links und dem Kopf treffen. Es spielt keine große Rolle, wie ich angespielt werde. Ich glaube, in Deutschland nennt man das Torriecher“, sagte er damals. Heute jedoch zeigen ihm die kantigen Abwehrspieler Martin Hinteregger und David Abraham in den Übungsspielen seine Grenzen auf. Noch mangelt es Joveljic an Robustheit und körperlicher Durchsetzungsstärke. An der Fähigkeit, sich in den Zweikämpfen zu behaupten. Das dürfte Cheftrainer Adi Hütter gemeint haben, als er kurz vor Weihnachten gesagt hatte, dass er das Gefühl habe, „dass Dejan noch etwas fehlt, wenn ich ihn im Training sehe. Er benötigt Zeit.“ Dennoch befinde sich Joveljic „auf einem guten Weg“, fügte Hütter hinzu.

          An Einsatzfreude mangelt es dem Nachwuchsspieler nie, der auf dem Platz mit hoher Laufbereitschaft unterwegs ist. Und von dem bei Standardsituationen Gefahr ausgeht. Sich trotz fehlender Spielpraxis nicht hängen zu lassen, zeichnet den strebsamen Joveljic aus. Im Trainingslager in den Vereinigten Staaten bekam der Angreifer, der gerne mit Filip Kostic und Mijat Gacinovic zusammen ist, für sein Engagement und seine gelungenen Aktionen viel Lob von den beiden Assistenztrainern Christian Peintinger und Armin Reutershahn. Auch von Dost gab es Zuspruch.

          Noch traut der Trainerstab mit Hütter an der Spitze Joveljic aber eine größere Rolle in der Mannschaft nicht zu. Als Dost und Silva aus Verletzungsgründen ausfielen, beließ es Hütter bei einer Sturmspitze mit Paciência. Oder er stellte den Japaner Daichi Kamada an dessen Seite. Bei Joveljic hingegen scheute der Fußballlehrer das Risiko, dem Talent die Chance zur Bewährung zu geben. So ist Joveljic, der mit Belgrad in der Champions League gespielt und der in der Uefa Youth League Tore gegen Liverpool, Paris und Neapel erzielt hatte, ein Versprechen für die Zukunft. Und mit dem geschlossenen Fünfjahresvertrag eine Investition in die Zukunft. „Luka Jovic ist ein großartiger Stürmer“, hatte Joveljic bei seiner Vorstellung am Main gesagt. „Aber man sollte nicht vergessen, dass ich zwei Jahre jünger bin.“

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