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Eintracht Frankfurt : Zwei Siege für das Selbstbewusstsein

  • -Aktualisiert am

Nikos Liberopoulos gibt auch den kleinen Eintracht-Frankfurt-Fans gerne ein Autogramm. Bild: Daniel Nauck

Die Eintracht gewinnt in Kaiserslautern, feiert tags darauf mit ihren Fans und ist im Testspiel gegen Ober-Beerbach erfolgreich. Skibbe ist zufrieden. Nur Caio bleibt matt.

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          Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen fand es noch etwas „zähflüssig“, der Trainer Michael Skibbe aber war zufrieden mit der Leistung der Frankfurter Eintracht im Privatspiel beim 1.FC Kaiserslautern. Gut eine Woche vor dem Saisonstart mit dem Pokalderby in Offenbach am nächsten Sonntag haben die Frankfurter beim 1.FC Kaiserslautern sicher 2:0 gewonnen. Ob die deutliche Überlegenheit der Eintracht über die gesamten 90 Minuten nun ihrer eigenen Stärke oder eher der Schwäche des Gegners zuzuschreiben war, blieb eine offeneFragen. Womöglich war beides zusammengekommen. Hier eine engagierte Frankfurter Mannschaft, die das Spiel „souverän kontrolliert hat“, wie der Trainer lobend erwähnte. Da eine Kaiserslauterer Mannschaft ohne jede Durchschlagskraft, die das von Oka Nikolov gehütete Tor nicht ein einziges Mal während der 90 Minuten ernsthaft in Gefahr bringen konnte.

          Die Ungefährlichkeit der Pfälzer kann auch als Kompliment für die Frankfurter Defensivarbeit gewertet werden. Marco Russ und Aleksandar Vasoski, die in Abwesenheit der angeschlagenen Maik Frank und Chris das Abwehrzentrum bildeten, arbeiteten konzentriert und effektiv. Der 29 Jahre alte Mazedonier Vasoski, der im vergangenen Jahr von einer Lungenoperation zurückgeworfen worden war, hat den Kampf mit Habib Bellaid um einen Platz auf der Auswechselbank für sich entschieden. „Ich war einmal mehr mit ihm zufrieden“, sagte der Frankfurter Trainer, „er spielt abgeklärter als Habib.“ Franz und Chris sollen am Dienstag beim Privatspiel in Oberstedten in die Mannschaft zurückkehren.

          Sieger von Anfang an: Torhüter Oka Nikolov

          Ein Sieger war schon vor dem Spiel in Kaiserslautern Oka Nikolov. „Körpersprache und Ausstrahlung“ des 35 Jahre alten Torhüters seien während der Vorbereitungszeit „souverän“ gewesen, begründete Skibbe die Wahl Nikolovs zur neuen Nummer eins. Am Freitagabend hatte der Trainer in einem Sechs-Augen-Gespräch dies Nikolov und dessen im Kampf der Torhüter unterlegenen Kollegen Markus Pröll mitgeteilt. Der Verlierer habe die Entscheidung sehr professionell aufgenommen, sei aber natürlich „sehr enttäuscht“ gewesen, berichtete Skibbe. Nikolov blieb gelassen wie immer. Er sei nicht überrascht gewesen von der Entscheidung des Trainers, „weil ich immer damit rechne zu spielen.“ Nun freue er sich einfach auf die Saison. „Ich bin dankbar, diesen Beruf ausüben zu dürfen“, sagt Nikolov.

          Beim Privatspiel gegen die SKG Ober-Beerbach im Rahmen der Saisoneröffnungsfeier durften Nikolov und Pröll am Sonntag jeweils eine Halbzeit das Tor hüten. Die Ober-Beerbacher waren mit Trauerflor angetreten; ihr 25 Jahre alter Mannschaftskollege Marc Henninger war bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Die Eintracht gewann das Spiel über zweimal dreißig Minuten gegen die Amateure mit 4:0, Ioannis Amanatidis, Markus Steinhöfer, Martin Fenin und Juvhel Tsoumou erzielten die Tore. Zwei Schrecksekunden hatten die Frankfurter dabei zu überstehen. Zunächst musste Benjamin Köhler wegen einer Knöchelverletzung ausgewechselt werden, dann war ausgerechnet Nikolov nach einem Zusammenprall am Boden liegen geblieben. Köhler humpelte mit einem dicken Verband in die Kabine, geht aber davon aus, schon am Dienstag wieder trainieren zu können. Und Nikolov konnte trotz einer leichten Nackenverletzung weiterspielen. Der Torhüter ärgerte sich hinterher über seinen fast schon jugendlichen Ehrgeiz. „In einem solchen Spiel bleibt man als alter Hase in einer solchen Situation doch lieber mal weg“, sagte er.

          Die Rädchen zwischen den Mannschaftsteilen greifen immer besser ineinander

          In Kaiserslautern war Nikolov nicht einmal in die Verlegenheit eines direkten Zweikampfes mit dem Gegner gekommen. Dafür hatten seine Vorderleute mit geschicktem Zweikampfverhalten gesorgt. Die beiden Außenverteidiger Patrick Ochs und Christoph Spycher hatten sogar Zeit gefunden, sich häufig mit nach vorne einzuschalten. Es war ihre Zusammenarbeit, die in der 38. Minute die Frankfurter Führung gebracht hatte. Spycher hatte den Ball mit einem weiten Diagonalpass auf die rechte Seite geschlagen und Ochs dann mit einem lockeren Heber den Kaiserslauterer Torwart Luis Robles überwunden. Bei diesem Treffer war der vom Trainer geforderte Mut zur Offensive umgesetzt worden. Die meiste Zeit aber hatte sich die Eintracht damit begnügt, das Spiel zu kontrollieren. Dabei wurden noch einige Chancen herausgespielt, aber nur noch eine von Alexander Meier in der 67.Minute genutzt. Für Skibbe war das Spiel im Fritz-Walter-Stadion „eine gute letzte Testeinheit“.

          Die Rädchen zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen greifen immer besser ineinander, auch die körperliche Frische ist nach zwei kräftezehrenden Trainingslagern zurückgekehrt. Es wurden aber auch einige Mängel deutlich. So fehlt in der Offensive noch die Durchschlagskraft, weil weder Nikos Liberopoulos noch der nach der Halbzeit eingewechselte Ioannis Amanatidis bisher ihren Rhythmus gefunden haben. Und weil der Brasilianer Caio bei allen Vorschusslorbeeren und Streicheleinheiten durch den neuen Trainer und trotz einiger feiner Dribblings noch immer viel zu wenig zum Gesamtwerk beiträgt. Wie schon so oft hatte es Caio an Laufbereitschaft und Durchsetzungsvermögen gefehlt.

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