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Eintracht Frankfurt : Zurück im Spiel

Mit Zug zum Tor: Eintracht-Stürmer Haris Seferovic Bild: Heiko Rhode

Lange stand Haris Seferovic in der Kritik, nun wird der Schweizer in den Reihen der Eintracht wieder gebraucht. Die Konkurrenz im Sturm ist groß – trotzdem will er seinen Vertrag verlängern.

          3 Min.

          Die Mannschaft steht über allem. „Ich bin kein Egoist“, behauptet Haris Seferovic. „Bei uns rennt jeder wie verrückt für den anderen. Und wenn jemand besser steht als ich, bekommt er von mir den Ball, denn am Ende des Spiels möchte ich kein Verlierer, sondern ein Sieger sein.“ Seferovic, im Hauptberuf Fußballprofi bei der Frankfurter Eintracht, gehört seit ein paar Wochen wieder zu den Siegern. Nicht, dass der Schweizer mit bosnischen Wurzeln regelmäßig vom Anpfiff bis zum Abpfiff seiner stürmischen Arbeit nachgehen könnte und dabei Tore am Fließband schießen würde.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Beides nämlich trifft nicht zu. Der einstige Stammspieler muss umdenken. Seitdem Niko Kovac als Cheftrainer die sportlichen Geschicke der Eintracht in die Hände genommen hat, ist fast nichts mehr wie früher in Stein gemeißelt. Seferovic muss sich wie die anderen Mitspieler auch Tag für Tag im Training beweisen und für Einsätze am Wochenende empfehlen. „Der Trainer macht es sehr gut. Er weiß schon, was er macht“, sagt der 24 Jahre alte Seferovic. „Unser Team lebt. Jeder von uns kommt zum Zug.“

          Seferovic - aufgeräumt und redselig

          Auch Seferovic würde rückblickend gern auf mehr Spielminuten hinweisen können. Doch es stimmt ja: In die vorderste Sturmabteilung der Eintracht, in der sich Alexander Meier, Branimir Hrgota und eben Seferovic befinden, ist seit dem Saisonstart reichlich Bewegung hineingekommen. Bei den bislang absolvierten neun Runden ist Seferovic zwar in acht Bundesligaspielen dabei gewesen. Doch lediglich ein einziges – gegen den FC Ingolstadt – durfte er als Stammspieler auf Zeit über die volle Distanz absolvieren. In der vergangenen Saison sah seine persönliche Einsatzstatistik noch deutlich positiver aus: Bei 29 Spielen war Seferovic 21 Mal jeweils 90 Minuten lang als Stammkraft gefragt.

          Schwarze Pudelmütze, grauer Hoodie, graue Jogginghose: Seferovic gibt sich beim Gespräch betont lässig. Unverständlich eigentlich, warum sich der Angreifer zuletzt lange gesträubt hat, sich öffentlich zu artikulieren und stattdessen lieber in Deckung zu bleiben. An diesem Mittwoch jedenfalls, wenige Tage vor dem Topspiel des Wochenendes gegen den noch besser plazierten 1. FC Köln, präsentiert sich der Schweizer aufgeräumt und redselig. Auch er ist „schon überrascht“, dass die Eintracht bislang eine so formidable Saison spielt und schon 15 Punkte gesammelt hat. Die Erfolge der vergangenen Wochen machen selbstbewusst, denn Seferovic sagt: „Köln wird schon wissen, was sie in unserem Stadion erwartet. Sie haben auch eine sehr gute Plazierung und kommen mit einem Riesenschwung zu uns.“

          Die Arena wird am Samstag mit 51500 Zuschauern prall gefüllt sein, wenn sich von 18.30 Uhr an Frankfurter und Kölner Fußballprofis darum streiten, ob es nach dem zehnten Spieltag womöglich zu einem Überholmanöver kommen kann. Dafür aber müsste die Eintracht eine ähnliche Sternstunde wie am 12. September des vergangenen Jahres erleben. Das 6:2 sorgte für kollektiven Freudentaumel. Und es war dem Frankfurter Kapitän Meier vorbehalten, gleich drei Tore gegen die Kölner zu erzielen. Ein Sieg mit drei Toren Differenz – der wäre jetzt vonnöten, um am FC vorbeizuziehen.

          „Ich habe hier meine Freunde. Und ich möchte gerne bleiben“

          Tore von Haris Seferovic hat es zuletzt nicht in Hülle und Fülle gegeben. Doch der Schweizer ist schon froh, dass er den Hauptgrund seiner spielerischen Arbeit nicht verlernt hat. „Zuletzt in der Nationalmannschaft habe ich mich sehr über ein Tor von mir gefreut“, sagt er. Überstrahlt wurde dieser treffliche Moment von „dem wichtigsten Tor meiner Karriere“. Seferovic ist das 1:0 im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Nürnberg allgegenwärtig. „Das war eine einzige Erleichterung für mich“, sagt er. Dass davor eine längere Durststrecke lag, erklärt der Angreifer mit den Gesetzmäßigkeiten des Fußballgeschäfts. „Mal geht es bergauf, mal geht es bergab.“

          Spätestens seit der Dienstreise vor zwei Wochen nach Hamburg geht es im Leben des 24 Jahre alten Fußballprofis Seferovic wieder bergauf. Beim souveränen Auswärtserfolg erst in der 61. Minute eingewechselt, gelang Seferovic acht Minuten später das Tor zum 3:0-Endstand. Eine Woche später, bei der starken Nullnummer beim Champions-League-Teilnehmer Mönchengladbach, musste Seferovic, zunächst abermals auf der Bank sitzend, länger auf seinen Einsatz warten. Ohne Frust und ohne Murren, wie er sagt: „Der Trainer ist der Chef. Er entscheidet. Wir Spieler können nur jeden Tag an uns arbeiten und auf unsere Chance warten.“ Dass Meier und Hrgota „meine Konkurrenten“ sind, die um den einen Platz in der Spitze streiten, leugnet Seferovic nicht. „Ich spiele auch auf den Außen, obwohl dies nicht meine Favoritenposition ist. Aber wenn es denn der Mannschaft hilft ...“

          Seit bald zweieinhalb Jahren schon ist Seferovic für die Eintracht am Ball. Mehrmals hat er betont, dass es ihm in Frankfurt behage. „Ich habe hier meine Freunde. Und ich möchte gerne bleiben“, sagt er. Seit Mittwoch ist es offiziell: über das Saisonende hinaus. Seferovic bestätigt, dass sein Berater schon in Gesprächen mit Trainer Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic sei, um die bis zum 30. Juni 2017 laufende Vereinbarung zu verlängern. „Die Stadt gefällt mir“, sagt Seferovic. Der führende Klub augenscheinlich auch.

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