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Eintracht Frankfurt : Zeichen für die Jugend

  • -Aktualisiert am

Wieder am Ball: Marco Russ soll nach überstandener Krankheit gefühlvoll zu alter Leistungsfähigkeit gebracht werden. Bild: Heiko Rhode

Die Eintracht setzt auf den Nachwuchs und nimmt den 16 Jahre alten Çetin mit ins Trainingslager. Russ wird dabei sein. Ein Quartett bleibt zu Hause.

          3 Min.

          Schon an ihrem ersten Arbeitstag des neuen Jahres hat die Frankfurter Eintracht deutliche Zeichen für die Zukunft gesetzt. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt trainierten auf dem sattgrünen Platz an der Wintersporthalle

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          zwei Neuzugänge mit. Dass Andersson Ordóñez aus Ecuador den hessischen Bundesligaklub verstärken wird, steht seit einigen Wochen fest. Ganz frisch ist die Verpflichtung von Max Besuschkow. Es ist keine Schande, diesen Namen noch nicht gehört zu haben. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler hat bis jetzt in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart und in den Juniorenteams des Deutschen Fußball-Bundes gespielt. Der in Tübingen geborene Jungprofi erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Über die Ablösemodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart.

          Zeit geben, um sich weiterzuentwickeln

          „Ich kenne Max Besuschkow schon seit meiner Zeit beim VfB Stuttgart und konnte mich über sein vorhandenes Talent überzeugen. Bruno Hübner und Niko Kovac sind von seinem Potential ebenso überzeugt. Wir wollen ihm in Frankfurt die Möglichkeit bieten, unter Bundesligabedingungen zu trainieren, und ihm die Zeit geben, sich zu weiterzuentwickeln“, kommentierte Sportvorstand Fredi Bobic den Transfer.

          Einen Neuling aus den eigenen Reihen ließ Trainer Niko Kovac zur Überraschung der 200 Kiebitze auch mitkicken: Sahverdi Çetin. Der Sohn türkischer Eltern ist erst 16 Jahre alt, aber sein Talent stach in den Spielen der B-Junioren-Bundesliga ins Auge. Auch der DFB berief den zentralen Mittelfeldspieler (mehr defensiv als offensiv) schon viermal in seine Auswahl. „Er hat große Fähigkeiten. Entscheidend ist bei uns nicht das Alter, ob jemand A-Jugend spielt oder B-Jugend, sondern die Qualität. Es ist auch ein Zeichen an die Jugend, die hier sehen kann, dass wir auf sie setzen“, sagte Kovac und fügte an: „Ja, er wird auch am Trainingslager in Abu Dhabi dabei sein.“

          „Ich weiß, dass es sehr hart für die Spieler ist“

          Dorthin macht sich die Eintracht an diesem Mittwochabend auf. Bis zum 15. Januar soll sich das Team in der warmen Sonne des arabischen Emirats in die richtige Form für die Rückrunde bringen. Aber nicht alle Profis dürfen mit, Kovac sieht ansonsten die Effizienz des Trainings gefährdet. „Bei einem Kader von 30 Mann müssten einige außerhalb des Spielfeldes Runden drehen, das bringt doch keinem etwas. Deshalb trainieren sie zu Hause“, so Kovac. Für die Betroffenen bedeutet das nicht weniger, als dass sie sich nach einem anderen Verein umschauen sollten. Enis Bunjaki, Joel Gerezgiher, Johannes Flum und Slobodan Medojevic spielen in den Planungen von Kovac keine Rolle mehr.

          Gerade für Flum ist das bitter, der nach über einem Jahr Verletzungspause gehofft hatte, sich in Abu Dhabi wieder an die Mannschaft heranzukämpfen. „Die Spieler wissen seit längerem Bescheid, wir haben das kommuniziert. Von unserer Seite lief es fair ab, aber ich weiß, dass es sehr hart für die Spieler ist“, so Kovac. Weiter werden Yanni Regäsel und Marc Stendera in Frankfurt bleiben, sie sind nach ihren Verletzungen noch nicht wieder so weit, um am Mannschaftstraining teilzunehmen.

          Diesen Schritt hat Marco Russ geschafft. Der 31 Jahre alte Abwehrspieler wirkte erstmals nach seiner Hodenkrebs-Erkrankung wieder im Kollegenkreis mit. Noch nicht so elegant und geschmeidig wie früher, aber mit viel Freude und Einsatz und Übersicht. „Ich freue mich für ihn. Er pfeift ganz schön bei den Übungen, aber das ist normal“, sagte Kovac. Der Eintracht-Trainer kündigte an, dessen Trainingsaufbau in enger Absprache mit der medizinischen Abteilung vorzunehmen. „Wir werden ihn nicht verheizen, sondern tun, was die Ärzte uns sagen: Das Pensum steigern oder ihn schonen.“

          Bleibt oder geht Haris Seferovic?

          Auch Haris Seferovic wird an diesem Mittwoch mit der Eintracht in den Flieger steigen. Ob der Schweizer Nationalstürmer auch am 21. Januar im ersten Rückrundenspiel in Leipzig zum Frankfurter Kader gehören wird, ist jedoch ungewiss. Mehrere Klubs habe ihr Interesse an Seferovic bekundet, doch noch gibt es laut Kovac keine Entwicklung. Des Schweizers Vertrag läuft im Sommer aus, dann könnte er ablösefrei wechseln. Was ihn bei den Gehaltsverhandlungen mit einem neuen Klub in eine günstige Position bringen würde. Sein Interesse, noch im Winter – gegen Ablöse – die Eintracht zu verlassen, ist also gar nicht so groß, jedenfalls kleiner als das seines Arbeitgebers, der im Sommer leer ausgehen würde. Sollte Seferovic bleiben, würde die Eintracht wohl auch nicht mehr auf dem Transfermarkt aktiv werden. Ginge er, wünschte sich Kovac Ersatz.

          Der Trainer sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit in Abu Dhabi im technisch-taktischen Bereich. „Wir können nicht so intensiv wie im Sommer die Physis trainieren, das kann nach hinten losgehen.“ Zwei Verhaltensmuster möchte er vor allem einstudieren, so lange, dass Automatismen entstehen: Wie bespiele ich eine defensiv eingestellte Mannschaft, damit ich zu möglichst vielen Torchancen komme, und wie bestehe ich den Abwehrkampf gegen spielerisch überlegene Teams? Der Rückrundenspielplan sieht nämlich vor allem Heimspiele gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte (Darmstadt, Ingolstadt, Hamburg, Bremen, Augsburg) und Auswärtsspiele gegen offensivstarke Teams (Bayern, Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Schalke) vor. Eines soll sich laut Kovac nicht ändern: „Wir wollen für die Gegner so unangenehm bleiben, wie wir waren.“

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