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Eintracht Frankfurt : Wunsch verdrängt Wirklichkeit

Ist überzeugt, dass er am Samstag gegen Hoffenheim zum Einsatz kommt: Selim Teber (rechts) Bild: dpa

Selim Teber fühlt sich bei der Eintracht als Führungskraft. Seine Leistungen haben aber viel Luft nach oben. Gegen Hoffenheim winkt eine neue Bewährungsprobe.

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          Auf den ersten Blick ist es eine Spielbilanz gewesen, wie sie besser kaum hätte ausfallen können: Selim Teber leistete sich keinen Patzer. Er verlor nicht einen Zweikampf, leitete zudem mit einer sehenswerten Körpertäuschung, bei der er seine Mainzer Gegenspieler ins Leere laufen ließ, das 2:0 ein und wurde anschließend wie alle seine Mitstreiter von der Zuschauermehrheit in der Frankfurter WM-Arena gefeiert. Der einzige und entscheidende Haken an der schön anmutenden Geschichte vom 15. Bundesligaspieltag: Teber kam gegen die Rheinhessen genau 120 Sekunden zum Zug. Außer der Szene auf Höhe der Mittellinie, die dem Tor in der 90. Minute des Kollegen Alexander Meier vorausging, konnte er zum wichtigen Derbyerfolg gegen den kecken Aufsteiger keinen weiteren Beitrag leisten.

          Sein Status als einer von elf Eintracht-Profis, die für Trainer Michael Skibbe zur Kernbelegschaft gehören, hat nach dem 0:4-Debakel in Leverkusen vor einem Monat gelitten. Bis dahin stand der Achtundzwanzigjährige stets in der Startformation – mit einer Ausnahme: am 9. Spieltag, beim 2:1-Heimsieg gegen Hannover, musste der Mittelfeldmann pausieren. Wegen der fünften Gelben Karte.

          Möglicherweise neue Bewährungschance für Selim Teber

          Am Samstag (15.30 Uhr), wenn er mit seiner neuen Mannschaft bei seinem alten Arbeitgeber, der TSG 1899 Hoffenheim, antritt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Teber eine neue Bewährungschance bekommt. „Er gehört zum Stammpersonal, auch wenn er nicht immer von Beginn an spielt“, sagte Skibbe. Auf jeden Fall wird Teber als Ratgeber gefragt sein, spielte er doch vor seinem Wechsel an den Main dreieinhalb Jahre für den Konkurrenten. „Ich werde mich vor dem Anpfiff mit ihm gezielt unterhalten, denn er kann sicher den einen oder anderen Tipp geben“, meinte Skibbe.

          Die ganz großen Hoffnungen, die im Sommer bei der Eintracht mit dem Transfer des früheren Jugendnationalspielers verknüpft wurden, erfüllten sich bis hinein in die ersten Wintertage nicht. Dafür waren die Leistungen des Familienvaters, der zuvor auch schon bei Waldhof Mannheim, dem 1. FC Kaiserslautern, Austria Salzburg und Denizlispor unter Vertrag stand, viel zu schwankend. Teber sorgte bei seinem Amtsantritt im Trainingslager in Österreich mit der forschen Einschätzung für Furore, dass er angetreten sei, um Führungsaufgaben zu übernehmen. Er bezeichnet sich als Typen, „der immer offen sagt, was ich denke und was mir gefällt“. Schon seine nächsten Sätze im neuen Trikot verdeutlichten, dass er nicht zu jenen Zeitgenossen gehört, die unter mangelndem Durchsetzungsvermögen leiden: „Die Leute in Frankfurt waren zufrieden mit dreißig Punkten und damit, nicht abzusteigen. Das muss sich ändern. Auch deswegen bin ich gekommen.“ Die Wirklichkeit verdrängte inzwischen die Wunschvorstellung. Mehr als ein Mitläufer ist er (noch) nicht.

          „Ich bin keiner, der sich versteckt“

          Zwar eroberte er sich auf Anhieb eine Position an zentraler Stelle, zumeist am rechten Fleck der Mittelfeldraute, doch seine Darbietungen waren vielfach verbesserungswürdig. Eigentlich soll er Chris als Abfangjäger vor der Abwehr entlasten und gleichzeitig als Tempomacher über den Flügel die Offensive antreiben. Eine Doppelbelastung, die ihm aber mit zunehmender Spieldauer merklich an die Substanz geht. Die Kritik, die fehlende Kondition sei sein größtes Manko, konterte Teber: Falls es „von außen so aussieht, dass ich nach siebzig Minuten ausgepowert bin, soll man beachten, was ich vorher gelaufen bin“, argumentierte er. Und weiter: „Ich bin keiner, der sich versteckt, und mache deshalb auch mehr Fehler als andere.“

          Skibbe bemängelte mehrmals die unökonomische Spielweise, mit der sich der Mann mit der Rückennummer 6 selbst in die Bredouille bringt: „Es stimmt, er rennt wie verrückt. Doch es wäre nicht schlecht, wenn er sich seine Kraft cleverer einteilen würde. Dann hätte er in den entscheidenden Situationen mehr Ruhe am Ball“, monierte der Coach schon im Herbst. Zuletzt wechselte er Teber dreimal nur ein. Auch weil sein Passspiel zu ungenau war. „Das muss er sich verbessern. Er hat zwar den Mut, zum richtigen Zeitpunkt etwas zu wagen“, sagte Skibbe, „doch dann muss das Zuspiel auch ankommen. Oder er spielt lieber den einfachen Pass, der dann auch der richtige sein kann und keinen Konter verursacht.“ Teber selbst räumt ein, unlängst in „einem kleinen Tief“ gesteckt zu haben.

          Unverhoffte freie Plätze

          Sein Selbstbewusstsein hat darunter aber nicht gelitten: „Ich denke“, sagt er in der Vorschau auf dieses Wochenende, „dass ich von Anfang an spielen werde.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Prognose bewahrheitet, ist groß: Maik Franz fehlt wegen seiner fünften Gelben Karte; Patrick Ochs wird deswegen als Außenverteidiger zurückgezogen; Zlatan Bajramovic fällt wegen Wadenschmerzen aus und auch der Einsatz von Kapitän Christoph Spycher (Rückenschmerzen) ist überaus fraglich – da dürfte für Teber und manch anderen Ersatzmann unverhofft ein Platz frei werden.

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