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Eintracht Frankfurt : „Vor dem Trainerteam ziehe ich den Hut“

Mehr Eigenkapital: Wolfgang Steubing möchte die Zukunftsprojekte der Eintracht seriös finanziert wissen. Bild: Frank Röth

Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Steubing über die Ambitionen der Frankfurter Eintracht, das neue Konzept, um mehr Eigenkapital zu generieren und die sportliche Entwicklung.

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          Wie planen Sie, der Eintracht frisches Geld zuzuführen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen?

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Diese Pläne sind hochaktuell und am Laufen. Es ist ein komplexes Thema, was das Juristische und das Fiskalische angeht. Die Geldgeber sind keine Scheichs aus Qatar, die den Ölhahn aufmachen. Es sind ehrwürdige Institutionen, Privat- und Geschäftsleute. Alles muss einer finalen und verbindlichen Prüfung unterzogen werden. Momentan befindet sich die Sache beim Finanzamt in Fulda, weil dieses zuständig ist für Erbschafts- und Schenkungssteuer. Dort wird geprüft, ob es Leute gibt, die von der Sache profitieren könnten und deshalb womöglich Schenkungssteuer anfällt.

          Wie sieht das von der Eintracht bevorzugte Konstrukt genau aus?

          Es gibt ein Konstrukt, der Eintracht AG in die Kapitalrücklagen Geld zur Verfügung zu stellen (Anmerkung der Redaktion: Bei Kapitalrücklagen wird der Aktiengesellschaft Geld von außen zugeführt durch Abgabe von Anteilen über dem Nennwert oder durch Zahlungen ohne eine bestimmte Gegenleistung; dieses Geld muss auch nicht zurückgezahlt werden). Dabei muss es Optionen geben, die das für beide Seiten optimieren. Das finale Konzept kann ich noch nicht darlegen. Ich will auch keinerlei Druck auf irgendwelche Institutionen ausüben.

          Um welche Summe geht es denn?

          Es wird sich auf eine Größenordnung zwischen 10 und 15 Millionen Euro belaufen. Die Kapitalrücklage ist für uns ja sehr wichtig, um all die Projekte, die Eintracht Frankfurt plant, mit den Banken ehrwürdig verhandeln zu können. Es ist wichtig, den Verhandlungspartnern ein gewisses Eigenkapital aufzeigen zu können. Auch beim Hauskauf brauchen sie bestimmte Eigenmittel.

          Wie hoch ist heute das Eigenkapital der Eintracht?

          Es wird sich am Ende dieses Geschäftsjahres am 31. Dezember bestimmt im positiven Bereich, zwischen sechs und acht Millionen Euro, bewegen.

          In welche Bereiche will die Eintracht dann die 10 bis 15 Millionen Euro investieren?

          Es sind Mittel, die in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat bei Bedarf in Spieler und in unsere Infrastruktur investiert werden können. Wir haben sehr viele Projekte in der Pipeline wie den Neubau der Geschäftsstelle.

          Vor dieser Saison wurden rund 20 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Ist dieses Investitionsvolumen zur Verstärkung der Mannschaft auch im Sommer 2018 realistisch?

          In die Glaskugel für das kommende Jahr schaue ich noch nicht. Wir haben ja auch eine Transferperiode im Januar. Ich weiß heute noch nicht, ob wir Spieler bei entsprechenden Angeboten verkaufen werden. Und wie sieht die Entwicklung bei unseren verletzten Spielern aus? Diese wichtigen Punkte nehmen natürlich auch Einfluss auf das, was kommen wird.

          Hat die Eintracht finanziellen Handlungsspielraum, um das Team im Winter eventuell verstärken zu können?

          Das kann ich heute noch nicht sagen, weil nicht feststeht, wie sich die Verletzungen von Alexander Meier, Omar Mascarell und Marco Fabian entwickeln werden.

          Besteht aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf im Hinblick auf das aktuelle Leistungsvermögen der Mannschaft?

          Ich halte es da mit unseren sportlichen Verantwortlichen und Trainer Niko Kovac. Er wird nach zehn Spielen eine erste Bilanz ziehen. Dem will ich nicht vorgreifen. Es ist teilweise nicht so ansehnlich gespielt worden, das ist klar. Aber mit dem Ergebnis von 13 Punkten und 8:7-Toren nach acht Spieltagen muss man doch zufrieden sein. Mathematisch haben wir die sportlichen Erwartungen erfüllt. Man muss nur schauen, wer alles hinter uns steht. Was sollen denn die Kölner sagen? Da mache ich drei Kreuze. Ich kann nur den Hut vor dem Trainerteam ziehen, das es in so kurzer Zeit hinbekommen hat, die neuen Spieler aus den verschiedenen Nationen zu integrieren.

          Wünschen Sie sich mal wieder die Verpflichtung eines guten deutschen Spielers?

          Wenn der Deutsche der beste Spieler ist und für uns dann auch finanzierbar ist, ist klar, dass er Priorität genießt. Aber wenn ein deutscher Spieler heute geradeaus kicken kann, kostet er schon zehn Millionen Euro. In dieser wirtschaftlich komfortablen Situation sind wir noch nicht. In Frankfurt sind wir kein Verein mit einem Mäzen im Hintergrund wie dem Hamburger Klaus-Michael Kühne, der dann mal 50 Millionen Euro für neues Personal zahlt. Das sind wir nicht – und vielleicht wollen wir das auch nicht sein.

          Wie schätzen Sie insgesamt die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit der Eintracht in den kommenden Jahren ein?

          Wir müssen uns sehr, sehr anstrengen und alle Optionen ziehen, damit wir weiterhin in der Bundesliga konkurrenzfähig bleiben. Wir sehen ja, was bei Vereinen wie Stuttgart und Hannover passiert. Auch dort schießen Investoren Gelder in die Klubs.

          Könnten Sie sich in Frankfurt einen ortsfremden Investor vorstellen, der bis dato noch nicht sein Herz für die Eintracht entdeckt hat?

          Es wäre wünschenswert, wenn wir Leute finden würden, die ihr Herz für die Eintracht entdecken. Aber es muss natürlich eine Gemeinsamkeit entstehen, ohne sie würde es sehr schwierig werden. Wir brauchen Investoren, die sich mit der Eintracht und ihren Zielen identifizieren.

          Kommt aus der Stadt Frankfurt mit den vielen Banken zu wenig Unterstützung für die Eintracht?

          Ich glaube, dass es verstanden worden ist, dass wir für unseren Etat etwas tun müssen. Das neue Engagement der Deutschen Börse AG ist schon ein Fingerzeig in die richtige Richtung, ohne unsere jahrelangen Partner dabei zurücksetzen zu wollen. Es wird notwendig sein, eine Symbiose mit weiteren Unternehmen zu bilden. Eintracht Frankfurt ist auch medial gesehen ein sehr guter Partner – auch wenn wir nicht um Tabellenplatz eins mitspielen.

          Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die jungen Spieler aus der eigenen Talentschmiede im Augenblick Probleme haben, sich durchzusetzen?

          Wir sollten alle Niko Kovac vertrauen. Ich weiß, dass er die Jugend fördern will. Aber er fordert natürlich auch etwas von diesen Spielern, sie müssen etwas tun und sich am Riemen reißen. Vielleicht ist der Sprung vom Riederwald zu den Profis dann doch ein mächtiger Sprung für den einen oder anderen.

          Vor den Siegen der Eintracht gegen Stuttgart und in Hannover drohte die Stimmung zu kippen. Ist die Erwartungshaltung in Frankfurt zu hoch?

          Bei Eintracht Frankfurt wird immer gegrummelt. Es gibt hier keine Situation, in der nicht gemault wird, das muss man halt akzeptieren. Aber die Menschen müssen auch einsehen, dass das, was wir mit unseren Möglichkeiten machen, schon sehr optimal ist. Zur Arbeit von Sportvorstand Fredi Bobic und seinem Team kann ich nur sagen: à la bonne heure!

          Ist die Partie zwischen der Eintracht und Borussia Dortmund an diesem Samstag nun ein Spitzenspiel?

          Es ist ein großes Spitzenspiel. Dortmund ist natürlich der Favorit. Aber Leipzig hat gezeigt, dass man den BVB auch schlagen kann.

          Hoffen Sie bei Torhüter Lukas Hradecky, dessen Vertrag nach dieser Saison ausläuft, noch auf eine für die Eintracht gute Lösung?

          Dazu kann und will ich nichts sagen. Ich habe das schon einmal emotional falsch eingeschätzt.

          Sind Sie mit Pirmin Schwegler, der jetzt in Hannover spielt, noch regelmäßig in Kontakt?

          Ja, natürlich. Der Pirmin ist ein Freund von mir, das kann man wirklich sagen. Er ist ein sehr guter Fußballspieler – und eine überragende Persönlichkeit. Die sportliche Leitung hatte sich dagegen entschieden, ihn zurückzuholen. Also haben wir es akzeptiert.

          Nach seiner aktiven Karriere will sich Schwegler in Frankfurt niederlassen. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass er dann eine Aufgabe bei der Eintracht übernimmt?

          Ich persönlich würde es begrüßen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Eintracht dem verschließen würde. Pirmin nutzt seine Freizeit nicht, um zu flippern. Er hat sich weiter gebildet und seinen Bachelor in Sportmanagement gemacht.

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