https://www.faz.net/-gzn-abi5q

Auflösung der SG Nied : Eintracht Frankfurt wächst nach Westen

Große Last: Die Niddahalle der SG Nied. Bild: Philip Lisowski

Eine große Mehrheit der Mitglieder hat am Samstag für die Auflösung der SG Nied gestimmt. Das Konzept einer Übernahme von Schulden und viel Verantwortung durch die Frankfurter Eintracht hat offenkundig überzeugt.

          3 Min.

          Die SG Nied ist 75 Jahre nach ihrem Zusammenschluss aus fünf Turn- und Athletikvereinen im Frankfurter Stadtteil Geschichte: Am Samstag stimmte bei einer Online-Mitgliederversammlung deutlich mehr als die satzungsgemäß und vereinsrechtlich nötige Dreiviertelmehrheit des größten Sportvereins im Frankfurter Westen für die Auflösung des Vereins, der in den vergangenen Jahren zunehmend durch die Belastungen vornehmlich durch die sanierungsbedürftige Nidda-Halle finanziell in Bedrängnis geraten war. 341 Ja-Stimmen standen nur neun Gegenstimmen gegenüber. Es gab eine Enthaltung.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Nieder Sport, der bis auf den in der Alemannia organisierten Fußball weitgehend komplett in der SG vereint war, steht freilich nicht vor dem Aus: Der Vorstand hatte die Auflösung angestrebt und beantragt mit dem klaren Konzept, dass Eintracht Frankfurt die Abteilungen und Mitglieder aufnehmen würde. Die Eintracht wiederum erklärte sich bereit, das Vermögen des Vereins, das mit einer größeren Schuldenlast und eben zu erwartendem Investitionsbedarf in Höhe von drei Millionen Euro in den kommenden Jahren einhergeht, zu übernehmen. Die Mitglieder stimmten vorab entsprechend Antrag des SG-Vorstands auf Übertragung des Vereinsvermögens ebenfalls mit deutlicher Mehrheit zu.

          Eintracht verspricht Verbesserungen

          Die Eintracht nähert sich somit nicht nur ihrem Ziel, die Marke von 100.000 Mitgliedern zu erreichen, um einen großen Schritt, fortan dürfte sie mehr als 92.000 Mitglieder zählen. Sie wäre künftig zudem auch im Westen der Stadt präsent, wo sie als eingetragener Verein bislang im Breitensport kaum vertreten war.

          Im Vorfeld der Versammlung, die am Samstagvormittag um elf Uhr allein mit dem Vorstand und der Geschäftsführung im Saal der Niddahalle und mehr als 351 Mitgliedern am an digitalen Endgeräten begann, hatte eine gewisse Nervosität bei den Verantwortlichen der SG geherrscht. Der Vorstand und auch die Geschäftsführung hatten bei zwei Informationsveranstaltungen intensiv für den Übergang zur Eintracht geworben und dabei auch bei allem Wehmut von Traditionalisten wie Nieder Lokalpatrioten Zustimmung zum Konzept vernommen, wie Geschäftsführer Heiko Walldorf sagte. Niemand habe aber voraussehen können, welche Ungewissheiten insbesondere durch die digitale Veranstaltung der so wichtigen Versammlung entstehen könnten.

          Letztlich vertrauten die Nieder aber offenkundig den Zusicherungen der Eintracht, dass das Zusammengehen für den Sport in Nied nur Vorteile bringen werde. Die Eintracht versprach Sofortmaßnahmen in der Halle wie an den Tennisplätzen und mittelfristig eine deutliche Erweiterung der Sportmöglichkeiten in der Niddhalle, wo beispielsweise die alte Bowlingbahn in ein Dojo für Kampfsportler, einen Turn- und einen Fechtraum umgebaut werden soll. „Es gibt eine gewisse Verantwortung, die wir für Frankfurt haben“, hatte der geschäftsführende Eintracht-Vizepräsident Otto im Vorfeld gesagt.

          Nebenbei warb die Eintracht auch für sich mit in allen Abteilungen künftig geringeren Mitgliedsbeiträgen als bisher. Und das Eintrittsdatum bei der SG Nied werde beim Wechsel zur Eintracht übernommen, sodass Jubilare nicht um ihre Ehrennadeln in Gold, Silber oder Bronze bangen müssten.

          Im Zusammengehen ergänzen sich die Vereine nun nahezu ideal: So profitierten die Eintracht-Triathleten von den besseren Trainingsbedingungen in Nied und nun noch größeren Trainingsgruppen. Im Handball, wo die SG Nied er stärkere Partner ist, könnten nun durchgängig alle Altersklassen besetzt werden, wo es vorher auf beiden Seiten Lücken gegeben habe.

          „Wir sind sehr erleichtert“

          So ungewöhnlich ist die Fusion mit einem anderen Klub letztlich gar nicht vereinsgeschichtlich betrachtet: Die SG Nied, das deutet schon der Name  Sportgemeinschaft an, war schon ein Zusammenschluss von fünf Turn- und Athletikgruppen, deren älteste, der Turnverein Nied 1877 gegründet war. 1946 fanden die Gruppen zusammen. Und so ist es gar keine so ungewöhnliche Entwicklung, dass sich nun 75 Jahre später diese SG Nied einer anderen Sportgemeinschaft anschließen will, der in ihrer Geschichte aus ebenfalls aus mehreren Frankfurter Vereinen gewachsenen Eintracht.

          „Wir sind sehr erleichtert, dass unsere Mitglieder dem Antrag des Vorstands zugestimmt und damit die Grundlage für den gemeinsamen Weg mit Eintracht Frankfurt geschaffen haben“, sagte SG-Geschäftsführer Walldorf. „Gemeinsam können wir den Standort und vor allem die Sportangebote aufrechterhalten, perspektivisch sogar ausbauen und damit die Zukunft des Sports im Frankfurter Westens sichern“, sagte Eintracht-Präsidiumsmitglied Otto.

          Das positive Votum der Mitglieder sei nun auch die Grundlage, um die nächsten Schritte, vor allem administrativ und organisatorisch, einzuleiten. Die SG Nied werde nun im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften liquidiert. Die Sportlerinnen und Sportler können ab sofort unter dem Dach der Eintracht ihr sportliches Zuhause finden. Für Vorstand, Präsidium und Abteilungen beginnt nun die Arbeit, um einen reibungslosen Übergang zu schaffen. Geschäftsführer Walldorf bittet dabei, von Anfragen abzusehen, Mitglieder der SG Nied würden in den kommenden Wochen bezüglich weiterer Informationen und dem Übergang kontaktiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.