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Vertragspoker um Hradecky : Nichts für schwache Nerven

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Spekulationsobjekt: Die Frage, wo Lukas Hradecky demnächst das Tor hütet, soll alsbald beantwortet werden. Bild: dpa

Das Pokerspiel zwischen der Eintracht und Torhüter Hradecky geht in die letzte Runde: „Wir brauchen eine Entscheidung.“ Ersatzmann Lindner auf dem Sprung nach Zürich.

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          Die Frankfurter Eintracht wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Aber die Entscheidung, ob Torhüter Lukas Hradecky seinen Vertrag über die kommende Saison hinaus vorzeitig verlängern oder das Angebot des Fußball-Bundesligavereins ablehnen wird, steht jetzt unmittelbar bevor. Endlich: „Wir brauchen diese Woche eine Entscheidung“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner am Dienstag dieser Zeitung. Stichtag könnte dieser Freitag sein. „Unser Ziel ist es, bis dahin etwas zu vermelden.“ Nach monatelangen, schwierigen Verhandlungen dringen die Frankfurter auf ein Ergebnis in dem augenscheinlich besonders hartnäckigen Pokerspiel. Schließlich lässt Hradecky seinen Arbeitgeber schon sehr lange zappeln. Ein Ultimatum im harten Sinne hatten die Hessen dem 27 Jahre alten Torwart jedoch nicht gestellt.

          Hradecky hält sich aktuell bei der finnischen Nationalmannschaft auf und trifft mit ihr an diesem Mittwoch in Turku in einem Testspiel auf Liechtenstein. Die Eintracht, die stark an einer langfristigen Bindung ihrer Identifikationsfigur interessiert ist, werde sich mit ihm noch einmal austauschen, kündigte Hübner an. Mit welchen Chancen? „Es ist insgesamt nicht einfach“, sagte er. „Lukas lotet seine persönliche Situation richtig aus. Das ist normal.“ Die Eintracht hat durchblicken lassen, dass sie bei Hradecky mit ihrem Angebot finanziell an die Schmerzgrenze gegangen ist. Mehr gehe wirklich nicht, lautet die Botschaft des Klubs, der in dem Vater des Torhüters, Vladimir Hradecky, einen ziemlich unnachgiebigen Verhandlungspartner sieht. Sollte sich Lukas Hradecky dem Werben der Eintracht endgültig widersetzen – der Verein will dessen Vertrag um drei oder vier Jahre verlängern –, könnte ihm in der kommenden Saison ein Platz auf der Bank oder Tribüne drohen, sofern er sich dann nicht zu einem Vereinswechsel entscheiden würde.

          Rebic war der Eintracht zu teuer

          „Es ist alles offen. Wir werden es genau abwägen“, sagte Hübner zu möglichen Konsequenzen. „Die sportlich Verantwortlichen werden zusammen eine Entscheidung treffen.“ Ohne Einigung mit Hradecky über eine Vertragsverlängerung muss den Frankfurtern daran gelegen sein, in diesem Sommer eine stattliche Ablösesumme für den leistungsstarken Torwart zu erzielen. Auf der Suche nach einer Nummer zwei fürs Tor ist die Eintracht fast fündig geworden. „Wir sind relativ weit“, sagte Hübner und stellte den Vollzug für die kommende Woche in Aussicht. Heinz Lindner, die bisherige Nummer zwei in Frankfurt, hingegen wechselt wohl zu den Grasshoppers Zürich. Klarheit herrscht bei Ante Rebic. Der Fußball-Wandervogel wird seine bisher schon von vielen Vereinswechseln geprägte Karriere womöglich in der Bundesliga fortsetzen.

          Aber definitiv nicht bei der Eintracht. Die Hessen entschieden sich nach einer Probezeit von einer Saison gegen eine Weiterverpflichtung des in seinen Leistungen zu wechselhaften Offensivspielers. Für den 23 Jahre alten Leihspieler, dem im mit 1:2 verlorengegangenen DFB-Pokalfinale gegen Dortmund der 1:1-Ausgleichstreffer gelungen war, hätte die Eintracht eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von gut drei Millionen Euro an den AC Florenz überweisen müssen. Das war Rebic der Eintracht in der Endabrechnung nicht wert. Sportvorstand Fredi Bobic soll sich in Gesprächen mit den Italienern zwar um eine Reduzierung des Betrags bemüht haben. Offensichtlich hielt sich die Verhandlungsbereitschaft der Gegenseite jedoch in Grenzen, das Geschäft scheiterte. Nun gilt in Deutschland Bundesliga-Aufsteiger Hannover 96 als neuer Abnehmer für den launischen Flügelspieler.

          Hector, Varela und Tarashaj sind sportlich durchgefallen

          Der Kroate hat Probleme, sportlich heimisch zu werden, das kennzeichnet seinen Ausbildungsweg. Nach Ausleihstationen in Verona und davor in Leipzig nahm sich der Frankfurter Cheftrainer Niko Kovac vor, Rebic zu einem gestandenen Bundesliga-Profi zu formen. Trotz seiner Erfahrung im Umgang mit dem Spieler – als Nationaltrainer berief Kovac Rebic zunächst in die U-21-, dann in die kroatische Nationalmannschaft – blieb es nur beim Versuch. Kovac, Bobic und Hübner waren hin- und hergerissen, was ihr Gesamturteil über den Stürmer betraf. In dessen Abschlusszeugnis sind die eine oder andere Stärke, aber eben auch ein paar gravierende Schwächen vermerkt. Die größte ist sein Defizit beim Abschluss. Nur magere drei Treffer in 28 Pflichtspielen wies seine Torstatistik am Ende auf. Es hätten deutlich mehr sein können. Denn Rebic machte zu wenig aus seiner Einsatzbereitschaft, seiner Dribbelstärke und seinem Zug zum Tor. Zu oft mangelte es ihm am Überblick und an der Nervenstärke. Auch wenn Rebic mit der Zeit Fortschritte gemacht hatte, sein Defensivverhalten erfüllte ebenfalls nicht die hohen Anforderungen des Trainers.

          Außerdem neigte der Angreifer immer wieder zu Disziplinlosigkeiten; zehn Gelbe Karten waren Kovac zu viel. Ab und an musste der Trainer Klartext mit Rebic reden. Die Absage an Rebic eröffnet nun Raum für Verstärkungen auf dem Transfermarkt. Der Gladbacher André Hahn soll zu den Wunschspielern von Kovac gehören. Für den 26 Jahre alten Flügelspieler wäre eine Ablösesumme in der geschätzten Größenordnung von mehr als fünf Millionen Euro fällig. Bei dem Umworbenen, so heißt es, befindet sich die Eintracht im Wettstreit mit Hertha BSC Berlin und Werder Bremen. Keine sportliche Zukunft in Frankfurt haben erwartungsgemäß Michael Hector, Guillermo Varela und Shani Tarashaj. Die drei Leihspieler konnten sich im Bundesliga-Spielbetrieb nicht für eine Weiterbeschäftigung empfehlen und sind sportlich durchgefallen. Bei ihnen fiel es den Vereinsverantwortlichen nicht schwer, ihr Urteil zu fällen.

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