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Abgang steht fest, wer kommt? : Die Personalspiele der Eintracht

Stehen noch Wechsel während des Trainingslagers in Florida bevor? Eintracht Frankfurts David Abraham konzentriert sich nur auf das Sportliche. Bild: Jan Huebner

Ein Frankfurter Profi wird sicher wechseln, zwei frühere Eintracht-Spieler aber nicht zurückkommen – so sieht die Planung des Sportvorstandes Fredi Bobic aus. Doch wie geht es dann weiter?

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          Sie werden ihn vermissen. Simon Falette war nicht der beste Spieler im Kader der Eintracht, aber einer der beliebtesten. Seine sportliche Zukunft sieht er allerdings nicht mehr in Frankfurt. Fortan wird der Verteidiger seine Kampfbereitschaft in einem anderen Trikot zum Wohle des Teams einzubringen versuchen. Der 1. FC Köln stieg am Sonntag zwar aus dem Buhlen um seine Dienste aus. Es verdichteten sich aber die Hinweise, dass es Falette zu Fenerbahce Istanbul zieht. Sportvorstand Fredi Bobic kündigte an, dass sein Wechsel bis zu diesem Montag über die Bühne gegangen sein soll. Er sprach von einem Ausleihgeschäft inklusive Kaufoption.

          Mit Falettes Abgang geht der Mannschaft von Adi Hütter ein Typ verloren, der sich hoher Wertschätzung im Kollegenkreis erfreute. Die Mitspieler mochten den Franzosen, weil er als DJ in der Kabine für den passenden Sound sowie mit seiner humorvollen Art für Lacher sorgte. Vor einem Jahr, als die Hessen sich erstmals in Bradenton während der Winterpause vorbereiteten, war Falette in seinem Element, als er die mit Eiswürfeln gefüllten Regenerationsbecken für manch Schabernack zweckentfremdete. Als die Eintracht vor vier Tagen wieder nach Florida aufbrach, um sich auf die Rückrunde einzustimmen, war Falette nicht in den Flieger gestiegen, weil er für sich aus der persönlich unbefriedigenden Lage Konsequenzen gezogen und um die Freigabe gebeten hatte. Er war in dieser Bundesligasaison lediglich einmal von Hütter berücksichtigt worden, als der Coach in Paderborn sieben defensiv ausgerichtete Feldspieler nominierte, in der Hoffnung, so für Stabilität zu sorgen – was sich beim 1:2 am 22. Dezember, der siebten Auswärtsniederlage, nicht als der Weisheit letzter Schluss erwies. Nun trennen sich die Wege, und Bobic räumte ein, dass Falettes erfrischende Lebenseinstellung ihm wie allen anderen, die den dreifachen Familienvater als Menschen schätzen gelernt haben, fehlen wird.

          „Wer weiß, was noch passiert“

          Dass damit die Personalplanungen der Frankfurter abgeschlossen sind, ist aufgrund der Erfahrungen unwahrscheinlich, auch wenn Bobic am Wochenende in Bradenton dies als Wunschvorstellung skizzierte. Im Januar 2019 verpflichtete die Eintracht auf den letzten Drücker mit Martin Hinteregger, Almamy Touré und Sebastian Rode gleich ein Spieler-Trio; zudem wurde der Verkauf von Carlos Salcedo nach Mexiko (Tigres UANL) und später der Deal mit Marco Fabián (zu Philadelphia Union) eingefädelt. Bobic sieht aktuell keinen dringenden Handlungsbedarf. Doch er wies zugleich darauf hin, dass der Transfermarkt bis Ende des Monats geöffnet sei: „Wir haben noch drei Wochen vor uns, und wer weiß, was da noch passiert.“

          Eine Hintertür ließ er also offen. Es gibt durchaus Stimmen in den Gremien des Klubs, die es für geboten halten, am Erscheinungsbild der Mannschaft Veränderungen vorzunehmen, um das Team nach dem Absturz auf den 13. Tabellenplatz durch neue Gesichter zu ergänzen. Bobic, der in sportlichen Fragen die Richtlinienkompetenz besitzt, möchte es am liebsten anders angehen: „Diese Mannschaft hat Vertrauen verdient.“ Mit Struktur und Qualität des Aufgebots sei er „sehr zufrieden“, Aktionismus helfe nicht weiter: „Einfach zu sagen, wir holen jetzt noch drei, vier Spieler, das macht keinen Sinn.“

          Gegen Comebacks von Rebic und Vallejo

          Deutlich positionierte er sich gegen Comebacks ehemaliger Profis, die in Vereinskreisen, dem Betreuerstab oder bei ehemaligen Mitspielern Fürsprecher besitzen. Rückholaktionen von Jesus Vallejo und Ante Rebic sind laut Bobic nicht geplant. Vallejo wurde bei den Wolverhampton Wanderers freigestellt. Der Kapitän der spanischen U-21-Nationalmannschaft gehörte in der Spielzeit 2016/2017 als Innenverteidiger bei der Eintracht trotz seiner Jugend zu den festen Größen. Vertraglich ist er nach wie vor an Real Madrid gebunden. „Er ist ein talentierter Spieler, den wir mit hohen Erwartungen geholt haben. Aber es hat nicht funktioniert“, wurde Manager Nuno Espírito Santo auf der Homepage der Wanderers zitiert. „Es ist Zeit für ihn, zu gehen und einen Klub zu finden, bei dem er spielen und sich entwickeln kann.“ Die Eintracht wird es nicht sein, wie Bobic anmerkte: „Dass wir uns mit ihm auseinandersetzen, ist klar. Aber: Wir haben auf seiner Position zwei Spieler mit David Abraham und Almamy Touré und damit keinen Bedarf.“ Weder für einen vorzeitigen Abschied des Kapitäns (Vertrag bis Mitte 2021) noch für einen Abgang des Franzosen (Mitte 2023) gibt es Anzeichen.

          Nachdrücklich bezog Bobic auch in der Causa Rebic Stellung, die die Eintracht seit der Vorweihnachtszeit beschäftigt, als sich der Kroate in Frankfurt mit Teilen der Mannschaft sowie Hütter zum Abendessen traf – und der Trainer hinterher zu einem öffentlichen Loblied auf den 26-Jährigen ansetzte. Seine Perspektiven beim AC Mailand, wo er bislang nicht zurechtkam (7 Spiele, kein Tor), verdüsterten sich am Sonntag weiter: Für die Partie gegen Sampdoria Genua an diesem Montag wurde er nicht einmal mehr in den Kader berufen. Mutmaßungen, die Eintracht, der es ohne ihn an offensiver Wucht fehlt, könne diese Konstellation in eine Win-win-Situation verwandeln, kommentierte Bobic unmissverständlich: „Da ist gar nichts dran.“

          Die zuletzt schwachen Ergebnisse, sagte der 48-Jährige, seien durch die „fehlende Kompaktheit und Aggressivität“ verursacht worden. Während des Trainingscamps in den Vereinigten Staaten, das bis zu diesem Freitag andauert, werde aber die Basis für eine Trendwende geschaffen: „Wir dürfen nicht wegen sechs Wochen alles in Frage stellen und über den Haufen werfen“, sagte Bobic. Er sei nach den Eindrücken in Bradenton überzeugt, dass sich die Eintracht „aus dem letzten Drittel befreit“ und es wieder aufwärts geht: „Mit unseren Spielern kannst du auch gegen Hoffenheim und Leipzig gewinnen.“ Was schon bald zu beweisen wäre.

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